Unternehmensfinanzierung Hausbank? Das muss nicht sein

Der Handwerker und seine Hausbank – jahrelang galten sie als naturgegebene Paarung, wenn es um Fragen der Unternehmensfinanzierung ging. Doch das Bild bekommt Risse. Immer mehr Betriebe setzen auf ihre eigenen Stärken statt auf Fremdfinanzierung. Jörg Hofacker, Finanzchef bei Käfer Werkzeugbau aus dem schwäbischen Besigheim-Ottmarsheim, erzählt, warum ihm Unabhängigkeit so wichtig ist.

Frank Muck

Nicht mehr der einzige Ansprechparter für die Unternehmsfinanzierung: die Banken. - © Foto: davis/Fotolia.com

Jörg Hofacker hatte kürzlich zwei Bankgespräche. Es ging um Anzahlungsbürgschaften. Der Betrieb für Werkzeugbau bekommt von seinen Kunden nach Auftragserteilung meist eine 30-prozentige Anzahlung, die er gegen einen Ausfall von seinen Banken mit einer Bürgschaft absichern lässt. Dieses Verfahren sei in der Branche üblich, erklärt er. Hofacker muss nun ausloten, was bei den Banken geht. Wohlgemerkt nicht nur bei einer Bank. Denn, so sein Rat an andere Betriebe: Mit einer Bank kommt man nicht weit.

Denn will man gute Konditionen, braucht es Auswahl, sagt Hofacker. Nur wenn man den Banken auch Konkurrenzangebote vorlegen kann, könne man sicherstellen, dass Banken einem halbwegs vernünftige Konditionen anbieten. Und das gelte für alle Bankgeschäfte.

Wobei man dann immer noch nicht sicher sein könne, dass man überhaupt ein gutes Angebot zu sehen bekommt. Hofacker lässt im Gespräch keinen Zweifel daran, dass Handwerksunternehmen bei Banken nicht gerade als Premiumkunden behandelt werden. Das treffe nicht allein auf die derzeitige Niedrigzinsphase zu, von der die Betriebe herzlich wenig profitierten, so der kaufmännische Leiter. Zwar haben alle Banken Mittelstandsoffensiven gestartet, meinen aber oft nur große industrielle Mittelständler damit.

Ratings, Sicherheiten etc.: Anforderungen an Betriebe steigen fortlaufend

Die günstigen Zinskonditionen etwa würden nicht an die Kunden weitergegeben und die Kreditmittel die den Kreditinstituten zur Verfügung stehen, würden nicht ausgeschüttet. "Die Banken streichen Wahnsinnsgewinne ein und sind andererseits saumäßig unflexibel", sagt Hofacker. Gleichzeitig steigen aber die Anforderungen von Seiten der Banken an die Unternehmen: Ratings, Formulierung von Wachstumszielen, Bereitstellung von Sicherheiten, Bindung ans Institut und seine angeschlossenen Versicherungsangebote.

Gründe genug, nach anderen Finanzierungsformen zu suchen und sich von Banken unabhängig zu machen. Nicht nur für Käfer Werkzeugbau. Eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young bestätigt eine Tendenz zur Abkehr vom Hausbankprinzip, das die Abwicklung aller Finanzierungsdienstleistungen über ein Kreditinstitut vorsieht. Demnach setzen viele deutsche Mittelständler mehr und mehr auf eigene Stärken. Die Erhöhung der Eigenkapitalquote etwa ist für 38 Prozent der Unternehmer das wichtigste Ziel. Das sind neun Prozentpunkte mehr als im Jahr 2005. Die Betriebe sind erfolgreich mit der Strategie. Mittlerweile verzeichnen 50 Prozent aller Mittelständler eine Quote von über 20 Prozent. 2005 lag die Quote bei der Hälfte aller mittelständischen Unternehmen bei sieben Prozent.

Vertrauensverlust: Inhaber haben ihre Lehren gezogen

Die Studie ermittelte noch andere Indizien für eine schleichende Abkehr. Auch die gesunkene Anzahl der Besprechungen mit der Hausbank zeigt das. Weniger als jeder zweite Mittelständler bespreche Finanzierungsentscheidungen noch sehr häufig oder regelmäßig mit seiner Hausbank. Das sei ein immenser Vertrauensverlust. Schließlich hätten sich vor acht Jahren noch drei Viertel der Unternehmen mit Fragen zu Finanzierungsentscheidungen sehr häufig oder regelmäßig an ihre Hausbank gewandt.

Seite 2: Warum Banken vermehrt um Betriebe werben müssen.

Für Franz Falk ist der Fall klar. "Die Betriebsinhaber haben ihre Lehren aus den Jahren 2008 und 2009 gezogen", sagt der Betriebsberater der Handwerkskammer Region Stuttgart. Er weiß, dass die Unternehmen misstrauisch geworden sind nach der Finanzkrise und sich nicht mehr von einer Bank abhängig machen wollen. Viele seiner Kunden, ähnlich wie Käfer Werkzeugbau setzen jetzt auf einen Finanzierungsmix aus Eigenkapital, Genussscheinen, stillen Beteiligungen oder Leasing.

Banken müssen um Betriebe werben

Für die Banken könne diese Abkehr zum Rentabilitätsproblem werden, sagt Falk. Habe eine Hausbank zum Beispiel Genussscheine oder mezzanine Produkte einmal ausgereicht, habe sie über längere Zeit keinen Kontakt mehr zum Betrieb. Um den Betrieb an sich zu binden oder gar neue Produkte zu verkaufen, müssten die Bankberater die sonst regelmäßigen Treffen erst neu arrangieren. Banken müssen um Betriebe werben.

Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) weist bereits auf die besondere Beziehung des Mittelstands zu den Banken hin. Das Hausbankprinzip habe sich bewährt und gewährleiste eine Finanzierung auch bei internationalen Geschäften.

Jörg Hofacker setzt dagegen weiter auf Unabhängigkeit und rät anderen Betrieben, fortlaufend Liquidität und Eigenkapital zu erhöhen – zum Beispiel durch konsequente Kostensenkung. Käfer Werkzeugbau etwa will ab 2015 alle Verbindlichkeiten aus Eigenkapital finanzieren.

Seite 3: Alternavtie Finanzierungsformen

Mezzaninkapital

Das Lexikon übersetzt den Begriff Mezzaninkapital mit Hybridkapital. Dirk Buddensiek, Geschäftsführer der MBG Mittelständische Beteiligungsgesellschaft Baden-Württemberg, präzisiert: "Mezzaninkapital steht in der Bilanz zwischen dem Eigen- und dem Fremdkapital, zählt jedoch zum Eigenkapital", wobei das auch genau der Pluspunkt ist: Denn durch eine höhere Eigenkapitalquote verbessert sich das Rating eines Unternehmens. Bei Mezzaninkapital handelt es sich nicht um eine einzelne Finanzierungsform, sondern um einen Sammelbegriff. Darunter fallen beispielsweise Genussrechte, Wandelanleihen aber auch bestimmte KfW-Darlehen und stille Beteiligungen. Im Handwerk geht es dabei fast ausschließlich um stille Beteiligungen. Mezzaninkapital ist nicht mit Stimmrecht verbunden.

Wo gibt es Mezzaninkapital: Vergeben wird Mezzaninkapital von Venture-Capital-Gesellschaften, Banken und deren Beteiligungsgesellschaften oder auch Versicherungen, privaten Investoren oder speziellen Fonds. Einen Überblick über Bürgschaftsbanken und mittelständische Beteiligungsgesellschaften gibt der Dachverband der Bürgschaftsbanken auf seine Homepage: vdb-info.de .

Leasing

Leasingverträge haben einen ähnlichen Charakter wie Mietverträge. Von der Miete unterscheidet sich Leasing durch die Tatsache, dass die mietvertraglich geschuldete Wartungs- und Instandsetzungsleistung bzw. der Gewährleistungsanspruch auf den Leasingnehmer umgewälzt wird. Dies geschieht im Austausch gegen die Abtretung der Kaufrechte seitens des Leasinggebers und die Finanzierungsfunktion beim Leasing. Der Leasingnehmer trägt hierbei die Sach- und Preisgefahr. Leasingverträge sind somit "atypische" Mietverträge.

Als Leasinggeber treten sowohl unabhängige Leasingunternehmen auf, als auch mit den Interessen einer Bank oder eines Herstellers verbundene Leasingunternehmen. Leasingverträge können mit zusätzlichen Vereinbarungen wie der Übernahme der Wartung des überlassenen Objekts durch den Leasinggeber gegen einen monatlichen Pauschalpreis verbunden sein. Seit Ende 2008 ist Finanzierungsleasing in Deutschland eine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung im Sinne desKreditwesengesetzes (KWG) . Quelle: Wikipedia