CSR-Preis der Bundesregierung Handwerker zeigen soziales Bewusstsein

Kleine Betriebe können etwas bewegen: Erstmals würdigte die Bundesregierung sozial und ökologisch engagierte Unternehmen mit dem "Corporate Social Responsibility"-Preis. Auch zwei Handwerksbetriebe erhielten die Auszeichnung.

Mirabell Schmidt

Die Goldschmiede Thomas Becker erhielt die Auszeichnung für die Verwendung Ökofairer Materialien. - © Foto: Gero Breloer

Zum ersten Mal hat die Bundesregierung Ende April fünf Unternehmen mit dem Corporate Social Responsibility (CSR)-Preis ausgezeichnet. Den Preis erhielten Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit unter sozialen, ökologischen und ökonomisch verträglichen Gesichtspunkten gestalten.

Ausgezeichnet wurde unter anderem die Goldschmiede Thomas Becker aus Hamburg. Der Betrieb stellt Schmuck aus recyceltem Edelmetall und Edelsteinen, sowie umweltschonend und fair gehandelten Rohstoffen her. "Während meiner Ausbildung habe ich mitbekommen, dass die verwendeten Materialien vor allem aus Drittweltländern stammen und die Arbeiter dort unwürdig behandelt werden", erzählt Thomas Becker, Geschäftsführer der Goldschmiede.

Kleine Betriebe können etwas ausrichten

Als er sich 1997 selbstständig machte, suchte er deshalb nach alternativen Materialquellen. "Ich lud Kunden ein, nachzusehen, ob sie noch alte Schmuckstücke oder Zahngold zu Hause haben, um die Materialien einzuschmelzen und daraus ein neues Schmuckstück zu fertigen."

Inzwischen arbeitet der Betrieb mit "OroVerde", einem Projekt für nachhaltigen Bergbau. Mit der Bewerbung wolle er zeigen, dass auch kleine Betriebe in Sachen Umweltschutz und fairen Arbeitsbedingungen etwas ausrichten können. "Mich hat es gewurmt, dass Handwerker-Kollegen immer sagen, sie können ohnehin nichts ausrichten. Die Akzeptanz auf dem Markt dafür ist da", sagt Becker.

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Die Unternehmen konnten sich bis Ende November 2012 in vier Kategorien per Fragebogen für den Preis bewerben. Unterschieden wurde zwischen kleinen (1-49 Mitarbeiter), mittleren (50-499 Mitarbeiter), großen (500-4.999 Mitarbeiter) und größten Unternehmen (mehr als 5.000 Mitarbeiter). In einer zweiten Auswahlrunde beurteilten unabhängige gesellschaftliche Akteure die Projekte der Bewerber. Auf dieser Grundlage entschied schließlich eine Expertenjury. Zusätzlich vergab die Bundesregierung einen Sonderpreis "für eine besonders überzeugende CSR-Maßnahme".

Auszubildende werden an soziale Arbeit herangeführt

Diesen Sonderpreis erhielt ebenfalls ein Handwerksbetrieb: Die Türenmann Stuttgart GmbH hat die Arbeit in sozialen Projekten als festen Bestandteil in den Ausbildungsplan integriert. In diesem Rahmen stellt der Betrieb Projekte für und mit Non-Profit Organisationen auf die Beine, an denen sich die eigenen Auszubildenden beteiligen.

Die Türenmann Stuttgart GmbH wurde mit dem Sonderpreis für ihr soziales Engagement ausgezeichnt. - © Foto: Gero Breloer
CSR-Preis Türenmann Stuttgart

Entstanden ist die Idee durch ein Zusammentreffen mit der "Nikolauspflege" aus Stuttgart, für die die Lehrlinge eine Garderobe schreinerten. Die Auszubildenden übernehmen bei den Projekten von Beratung bis Auslieferung alle Arbeitsschritte. "Die Projekte sind zunächst dafür da, den Ausbildungsplan der Azubis zu ergänzen. Der zusätzliche Profit durch das soziale Engagement entsteht nebenbei", erläutert Geschäftsführer Tobias Rehder.

Die Bundesregierung hatte die Auszeichnung im vergangenen Jahr initiiert, um besonderes soziales und ökologisches Engagement von Unternehmen zu würdigen. Bereits 2010 hatte die Regierung einen Aktionsplan zur nationalen CSR-Strategie entwickelt und das "Nationale CSR-Forum" ins Leben gerufen, an dem sich auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks beteiligt.

Die Auszeichnung soll eine Verpflichtung für Unternehmen sein, auch weiterhin engagiert zu handeln. Weitere Preisträger sind die Tchibo GmbH, die Hipp GmbH & Co. Produktion KG sowie die Studiosus Reisen München GmbH.