Tag des Ausbildungsplatzes Handwerk nimmt ältere Bewerber ins Visier

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die Schere von Angebot und Nachfrage hat sich im Vergleich zu den Vorjahren geschlossen. Der diesjährige "Tag des Ausbildungsplatzes" nimmt Jugendliche und junge Erwachsene ins Visier, die aus unterschiedlichen Gründen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt sind.

Karin Birk

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    Deutschland geht der Nachwuchs aus. Beim diesjährigen "Tag des Ausbildungsplatzes" stehen vor allem junge Erwachsene ab 30 Jahren im Fokus.
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    Auf duale Studiengänge im Handwerk wird hingewiesen. Die Weiterbildung zum Meister bringt eine höhere "Bildungsrendite".

Trotz anhaltender Schwierigkeiten bei der Nachwuchssicherung hat sich das Handwerk ehrgeizige Ziele gesetzt. „Wir wollen das Niveau des Vorjahres in jedem Fall wieder erreichen“, sagt ZDH-Geschäftsführer, Dirk Palige, zum Tag des Handwerks im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer zu Leipzig in Borsdorf. Ziel sei es, nicht nur die doppelten Abiturjahrgänge zu nutzen, sondern auch ältere Bewerber ohne Ausbildung und schwächere Schulabgänger für eine Lehre im Handwerk zu begeistern. Anders als noch vor ein paar Jahren habe sich der Ausbildungsmarkt völlig geändert. "Die Bewerber haben die Wahl – die Unternehmer die Qual“, sagte er.

Auch Heinrich Alt, Mitglied des Vorstandes der Bundesagentur für Arbeit, warnt vor Engpässen. "Deutschland geht der Nachwuchs aus“, sagt er. Ein reibungsloser Übergang von der Schule in den Beruf  sei wichtiger denn je, eine früh einsetzende Berufsorientierung deshalb entscheidend. Die Handwerkskammer zu Leipzig ist sich dessen bewusst und kooperiert schon seit längerem mit allen Schulformen, selbst Kindergartenkinder werden für Naturwissenschaft und Technik begeistert, sagt ihr Präsident Ralf Scheler.

Potential bei jungen Erwachsenen

Doch selbst wer im ersten Anlauf keinen Weg in die duale Ausbildung schafft, sollte nach Ansicht von Alt eine zweite Chance bekommen. "Auch für einen 30jährigen macht eine Lehre noch Sinn“, sagte er mit Blick auf die rund eine Million junger Erwachsener im Alter von 25 bis 35 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Ob arbeitslos oder erwerbstätig, ob alleinerziehend oder nicht, wer noch keinen Beruf erlernt habe, sollte dies nachholen können. Auch ZDH-Geschäftsführer Palige sieht hier noch Potential.  "Wir haben die Leute im Visier“, versichert er und verweist auf Teilzeitausbildungen für Alleinerziehende.

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Darüberhinaus gilt sein Augenmerk den Abiturienten: "In diesem Jahr erwarten wir eine weitere Steigerung“, sagt er mit Blick auf die doppelten Abiturjahrgänge in Nordrhein-Westfalen und Hessen. Schon 2012 habe die Zahl um 1,1 auf 9,2 Prozent zugenommen. Ziel müsse es sein, die Jugendlichen auf interessante Perspektiven wie die Weiterbildung zum Meister oder die rund 120 dualen Studiengänge im Handwerk hinzuweisen. Noch immer bringe die Weiterbildung zum Meister eine höhere "Bildungsrendite“ als ein Studium, betont er.  

Selbst wer sich in der Schule nicht leicht tut, soll über betriebliche Einstiegsqualifikationen die Chance bekommen, einen der rund 130 Handwerksberufe zu erlernen. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe sei nach wie vor hoch, versicherte Palige, selbst wenn die Zahl der Ausbildungsbetriebe zuletzt um drei Prozent auf 161.000 Betriebe zurückgegangen sei. Als Grund nannte er die rückläufigen Lehrlingszahlen. Die waren zum Beginn des Lehrjahres 2012/2013 um 4,3 Prozent auf knapp 147.000 zurückgegangenen.