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Kluft zwischen Gemeinden Gewerbesteuer: Städte locken Betriebe zum Standortwechsel

Die Unterschiede bei den Gewerbesteuern in Deutschland werden immer größer: Je nach Standort können Firmen ihre Belastung durch einen Umzug in eine andere Stadt halbieren. Reiche Orte in Bayern oder Hessen profitieren und locken Firmen an.

Auf der Suche nach einem Firmensitz mit Steuervorteil müssen Unternehmen nicht ins Ausland abwandern. Ein Umzug innerhalb Deutschlands kann ausreichen, um Hunderttausende Euro zu sparen. Zum Beispiel von Oberhausen im Ruhrgebiet nach Eschborn in Hessen oder Unterhaching in Bayern. Hier sind die Gewerbesteuer-Sätze besonders niedrig. Deshalb geht die Schere zwischen reichen und armen Städten nach einer aktuellen Studie des Prüfungs- und Beratungskonzerns EY immer weiter auseinander.

Betriebe eher bereit umzuziehen

"Die Spreizung zwischen den Kommunen nimmt von Jahr zu Jahr zu", sagt Kathrin Andrae, die das Referat Öffentliche Finanzen beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) leitet. Durch die Digitalisierung sind viele Betriebe bei der Wahl des Standortes flexibler und eher bereit, ihren bisherigen Sitz aufzugeben, um dadurch Kosten zu sparen. "Der Wettbewerb um günstige Standorte wird intensiver – und der Gewerbesteuer-Hebesatz ist dabei ein wichtiges Kriterium", so Andrae.  

Für Städte und Gemeinden gehört die Gewerbesteuer zu den wichtigsten Einnahmequellen. Fällig wird sie auf den Gewinn der Betriebe, die im Ort angesiedelt sind. Wie viel Steuern sie letztlich zahlen müssen, entscheidet der sogenannte Hebesatz, mit dem der Steuermessbetrag multipliziert wird. Diesen Hebesatz können die Kommunen jedes Jahr selbst festlegen und damit letztlich selbst über die Höhe der Steuern entscheiden. "Vor allem in Regionen mit einer großen Zahl finanzschwacher Kommunen wurden in den vergangenen Jahren massiv die Steuern erhöht", sagt Bernhard Lorentz von EY.

Reiche Gemeinden locken Firmen in Scharen an

Reiche Gemeinden wie Grünwald bei München leisten sich hingegen einen extrem niedrigen Satz und ziehen Firmen damit in Scharen an: In dem noblen Vorort, der vor allem als Wohnsitz etlicher Promis bekannt ist, sind nach Angaben des Kämmerers Raimund Bader zurzeit knapp 7.000 Firmen gemeldet - bei rund 11.000 Einwohnern. Mit einem Hebesatz von 240 Prozent gehört die Gemeinde bundesweit zu den günstigsten Standorten für Betriebe. Dank der Vielzahl der dort gemeldeten Firmen ist die Kasse aber trotzdem gut gefüllt. Im vergangenen Jahr konnte sich Bader  über Gewerbesteuer-Einnahmen von 172 Millionen Euro freuen, das waren etwa 30 Millionen mehr als noch 2014.

Im Schnitt liegt der Hebesatz in Deutschland laut DIHK bei den Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern bei 431 Prozent. Tendenz steigend. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Städten enorm. Am höchsten war der Hebesatz für die Gewerbesteuer 2015 unter den größeren Städten in Oberhausen im Ruhrgebiet mit 550 Prozent. Am niedrigsten in Eschborn in Hessen 280 Prozent, wo sich unter anderem die Deutsche Börse, die Autovermietung Hertz oder die Hotelkette Best Western angesiedelt haben.

Riesige Unterschiede bei kleinen Gemeinden

Noch deutlicher fallen die Unterschiede bei den Hebesätzen aus, wenn auch kleinere Gemeinden berücksichtigt werden: EY ermittelte als günstigsten Standort bundesweit das rheinland-pfälzische Gau-Algesheim mit einem Satz von 65 und als teuersten Dierfeld (ebenfalls Rheinland-Pfalz) mit stolzen 900.

Wie stark sich die Unterschiede für Firmen auswirken, zeigt eine Beispielrechnung: Für ein mittelständisches Unternehmen mit einem Jahresgewinn von 500.000 Euro ergibt sich in Eschborn eine Belastung von 49.000 Euro. Dagegen muss der Betrieb in Oberhausen 96.250 Euro bezahlen. Kurzfristig können Kommunen mit einer Anhebung der Gewerbesteuern also ihre Kasse füllen - langfristig droht aber die Flucht der Betriebe. dpa/dhz

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