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Beruf und Familie Elternzeit: Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

Wer ein Kind bekommt, kann sein Arbeitsverhältnis für eine bestimmte Zeit ruhen lassen. Die Elternzeit ist ein gesetzlich geregelter Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber. Danach kehren die meisten Mütter in Deutschland nur in einen Halbtagsjob zurück. Frauen mit Kindern sind deshalb statistisch gesehen weniger berufstätig als in vielen anderen Ländern.

Rund 70 Prozent der Mütter in Deutschland sind erwerbstätig. Damit entsprechen sie dem OECD-Durchschnitt wie eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung nun ergeben hat. Da die meisten Frauen jedoch nur in Teilzeit arbeiten, wenn sie Kinder bekommen haben, ist die zusammengefasste Arbeitszeit der deutschen Frauen geringer als in anderen Ländern.

Mit 39 Prozent arbeiten der Studie zufolge derzeit überdurchschnittlich viele Mütter in Deutschland in Teilzeit. Zudem ist ihre Wochenarbeitszeit mit rund 20 Stunden vergleichsweise kurz. Damit kommt auch zustande, dass in keinem OECD-Land Frauen mit Kindern so wenig zum Haushaltseinkommen beitragen wie in Deutschland.

Elternzeit und Teilzeitarbeit: Frauendomänen

Schaut man sich die Verteilung bei der Teilzeitbeschäftigten hierzulande an, so wird klar, dass die reduzierte Arbeitszeit noch immer eine Frauendomäne ist. 2015 waren nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) von allen Teilzeitbeschäftigten 80,2 Prozent Frauen, 19,8 Prozent waren Männer. Damit arbeitet fast jede zweite beschäftigte Frau (46 Prozent) in Teilzeit – bei den Männern ist es jeder Zehnte.

Doch vor dem Wiedereinstieg in den Job steht die Elternzeit – und auch diese wird in Deutschland vorrangig von den Frauen genutzt. Einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2015 zufolge nahmen westdeutsche Mütter im Durchschnitt 20 Monate Elternzeit nach dem ersten Kind, ostdeutsche 15 Monate. Die meisten Väter gehen mithilfe der Partnermonate beim Elterngeld für höchstens zwei Monate in Elternzeit. Jeder fünfte Vater nutzt die Elternzeit überhaupt nicht und nimmt für das Kind keine Auszeit vom Beruf.

Dabei ist die Elternzeit ein gesetzlich geregelter Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber und dieser wurde in den vergangenen Jahren immer flexibler gestaltet. Doch was gilt im Detail und welche Formalien sind dabei einzuhalten?

Zum 1. Juli 2015 wurden die Regelungen zur Elternzeit verändert und flexibler gestaltet. Zur gleichen Zeit hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eingeführt, dass Eltern zwischen dem Basiselterngeld und dem sogenannten Elterngeld Plus wählen können, wenn sie ihr Kind selbst betreuen und nach der Geburt eine bestimmte Zeit in Voll- oder Teilzeit zuhause bleiben.

Was bedeutet Elternzeit?

Die Elternzeit ist eine Zeit, in der sich Arbeitnehmer unbezahlt von ihrer Beschäftigung freistellen lassen können, um ihr Kind zu betreuen. Jeder Elternteil hat einen Rechtsanspruch auf Elternzeit. Dieser gilt grundsätzlich bis das zu betreuende Kind sein drittes Lebensjahr vollendet hat. Bis zu 24 Monate dieser Zeit können jedoch auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden – allerdings nicht über das Alter von acht Jahren des Kindes hinaus.

Besteht während der Elternzeit Kündigungsschutz?

Während der Elternzeit gilt für den Arbeitnehmer ein Kündigungsschutz. Dieser beginnt mit der Antragstellung – frühestens jedoch acht Wochen vor Beginn der Elternzeit und endet, wenn die beantragte Freistellung abgelaufen ist. In der Elternzeit können Mütter und Väter nur in Ausnahmesituationen – etwa im Fall einer Insolvenz – gekündigt werden.

Wann und wie wird Elternzeit beantragt?

Der Arbeitgeber muss der Elternzeit rein formal gesehen nicht zustimmen, denn es besteht ja ein Rechtsanspruch darauf. Doch trotzdem muss der Arbeitnehmer einen Antrag auf Elternzeit bei seinem Arbeitgeber stellen und dabei Formalien einhalten. So muss der Antrag spätestens sieben Wochen vor dem Beginn der Elternzeit eingereicht werden, damit der Arbeitgeber genügend Zeit hat, eine geeignete Vertretung zu finden.

Auch wenn die Elternzeit auf verschiedene Phasen verteilt werden kann, muss sich der Arbeitnehmer bei der Beantragung für die nächsten zwei Jahre festlegen. Er muss dem Arbeitgeber eindeutig sagen, wie lange und – wenn die Möglichkeit der Aufteilung genutzt werden soll – in welchen Zeitspannen er die Elternzeit nutzen möchte.

Grundsätzlich kann jeder Elternteil seine gesamte Elternzeit in drei Zeitabschnitte aufteilen. Wird der dritte Abschnitt jedoch nach dem dritten Geburtstag des Kindes gewählt, kann der Arbeitgeber diesen aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Eine Verteilung auf weitere beziehungsweise mehr als drei Zeitabschnitte ist nur mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.

Soll Elternzeit zwischen dem dritten Geburtstag und der Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes genommen werden, gibt es für diesen Zeitabschnitt eine gesonderte Anmeldefrist. Sie beträgt 13 Wochen vor deren Beginn der Elternzeit.

Hat man nach der Elternzeit Anspruch auf genau den alten Arbeitsplatz?

Wer in Elternzeit ist, behält einen Anspruch auf seine Arbeitsstelle, so wie sie im Arbeitsvertrag beschrieben ist: mit den darin festgelegten Aufgaben und Arbeitszeiten. Das heißt aber noch nicht, dass man automatisch auf exakt seine alte Stelle zurückkehren darf. Der Arbeitgeber hat hierbei das Recht, den Arbeitnehmer auch an anderer Stelle einzusetzen, solange die neue Tätigkeit im Wesentlichen dem entspricht, was im Arbeitsvertrag festgeschrieben ist.

Darf man während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten?

Bis zu 30 Wochenstunden kann jeder Arbeitnehmer beschäftigt und gleichzeitig in Elternzeit sein. Grundsätzlich besteht für diese Reduzierung der Arbeitszeit im Rahmen von 15 bis 30 Wochenstunden ein Rechtsanspruch.

Doch diesem kann der Arbeitgeber aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Allerdings muss er das schriftlich tun. Für die Ablehnung hat der Arbeitgeber eine Frist von vier Wochen, wenn die Elternzeit vor dem bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes ausgeübt werden soll. Für die Zeit zwischen dem dritten Geburtstag und der Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes besteht eine Frist von acht Wochen, in denen der Arbeitgeber eine Ablehnung formulieren muss.

Der Rechtsanspruch auf Verringerung der Arbeitszeit gilt in allen Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten. Und auch in umgekehrter Richtung gibt es einen Anspruch, den der Arbeitnehmer geltend machen kann: Nach der Elternzeit darf er wieder in dem Umfang arbeiten wie davor – also zu seiner vorherigen Arbeitszeit zurückkehren.

Ist man während der Elternzeit krankenversichert?

Pflichtversicherte Arbeitnehmer bleiben in der gesetzlichen Krankenversicherung beitragsfrei versichert, solange Sie Elternzeit in Anspruch nehmen und das Beschäftigungsverhältnis in dieser Zeit weiter besteht. Für denjenigen, der während Ihrer Elternzeit in Teilzeit arbeitet, können jedoch Beiträge für diese Arbeit anfallen. Das gilt auch für freiwillig versicherte Arbeitnehmer.

Elternzeit früher beenden: Was rechtlich gilt

Wenn Mitarbeiter ihre Elternzeit vorzeitig beenden wollen, brauchen sie in der Regel die Zustimmung ihres Arbeitgebers. "So ein Wunsch komme in der Praxis häufig vor", sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Heidelberg. Mancher reicht zum Beispiel zunächst für anderthalb Jahre Elternzeit ein und stellt dann nach der Geburt des Kindes fest, dass er bereits nach einem Jahr wieder arbeiten gehen kann. Passt dem Arbeitgeber das nicht, kann er dem Mitarbeiter den Wunsch jedoch verwehren. Denn er hat womöglich eine Elternzeitvertretung eingestellt, und braucht nicht zwei Personen auf der Position.

Von dieser grundsätzlichen Regel gibt es jedoch Ausnahmen. Wird etwa der Partner schwer krank, muss der Arbeitgeber einer vorzeitigen Beendigung der Arbeitszeit zustimmen. Denn dann kann es für die finanzielle Existenz der Familie notwendig sein, dass der andere schneller als geplant wieder einsteigt. "Das sind aber Härtefälle und die greifen nur selten", erklärte Eckert, der auch Mitglied im Vorstand des Deutschen Anwaltvereins ist.

Teilzeitarbeit als Kompromiss

Liegt kein Härtefall vor und der Arbeitgeber lehnt die vorzeitige Beendigung der Elternzeit ab, kann eine Option für den Mitarbeiter sein, Teilzeitarbeit während der Elternzeit zu beantragen. Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, zwischen mindestens 15 und maximal 30 Stunden wöchentlich während der Elternzeit zu arbeiten. Voraussetzung ist, dass der Betrieb mindestens 15 Mitarbeiter hat und der Arbeitnehmer bereits seit mindestens sechs Monaten in der Firma ist. Den Teilzeitantrag kann der Arbeitgeber nur ablehnen, wenn er dafür dringende betriebliche Gründe hat, erklärte Eckert. Die Voraussetzungen dafür seien wiederum sehr hoch. Früher als geplant in Teilzeit zurückzukehren, ist deshalb häufig kein Problem.

Mancher hat zunächst auch nur eine sehr kurze Elternzeit von wenigen Monaten eingereicht und möchte dann gerne verlängern. "Das ist wiederum schwer möglich und geht nur mit der Zustimmung des Arbeitgebers", sagte Eckert.

Tipps: So nutzt man die Elternzeit für den Job

Ein Jahr Elternzeit: In der Firma kann währenddessen viel passieren und sich einiges verändern. Doch wie hält man am besten Kontakt zur Arbeitsstelle? Und kann man sich in diese Zeit eine Fortbildung legen? Tipps, um die Elternzeit auch für den Job optimal zu nutzen.

Wer in Elternzeit geht, denkt trotzdem noch oft an die Arbeit und man fragt sich häufig, wie sich die Dinge im Betrieb entwickeln. Doch wie bleibt man am besten mit seiner Firma in Kontakt und wie oft sollte man sich bei seinem Chef melden? Wie sieht es mit Fortbildungen während der Elternzeit aus? Tipps, wie die Elternzeit auch für den Job genutzt werden kann.

Fortbildung während der Elternzeit

Während der Elternzeit eine Fortbildung zu machen, kann eine gute Möglichkeit sein, beruflich am Ball zu bleiben. "Zu viel sollte man sich aber nicht vornehmen. Zehn Stunden pro Woche sind machbar", sagt Silke Mekat, Coach zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das gilt jedenfalls dann, wenn man tagsüber alleine mit dem Kind zu Hause ist, weil der Partner bei der Arbeit ist, und man keine fremde Hilfe wie Großeltern hat. Sich mehr vorzunehmen, setze einen sonst womöglich zu stark unter Druck. Praktikabel sei auch, einmal pro Monat ein Wochenende lang eine Weiterbildung zu machen und dazwischen im Selbststudium zu lernen, so Mekat.

Mit dem Chef und Kollegen in Kontakt bleiben

Wer in der Firma nicht vergessen werden will, sollte mit dem Chef und Kollegen in Kontakt bleiben. So weit - so logisch. Doch wie macht man das konkret? Mekat empfiehlt, sich kurz nach der Geburt zum Beispiel mit einem Babyfoto zurückzumelden. Danach sollte man sich beim Chef regelmäßig melden. Etwa alle sechs Wochen sind angemessen. "Gut ist auch, mit dem Vorgesetzten abzusprechen, dass einen ein bestimmter Kollege auf dem Laufenden hält, den man gerne mag. Mit ihm kann man beispielsweise regelmäßig telefonieren", sagt die Expertin.

An Betriebsfeiern teilnehmen

Vom Sommerfest bis zur Weihnachtsfeier stehen im Unternehmen in der Regel zahlreiche Feiern an. Diese sollte man auch während der Elternzeit möglichst besuchen. Dadurch zeige man ebenfalls, dass man noch da ist und Interesse an der Firma und den Kollegen hat. Außerdem sollten Mitarbeiter anregen, dass sie weiter Zugang zum Intranet haben, um in der Firma auf dem Laufenden zu sein, sagt Mekat.

Diese kleinen Tipps helfen, um auch während der Elternzeit beruflich am Ball zu bleiben, ohne dabei die elterlichen Pflichten zu weit in den Hintergrund zu stellen. dhz/dpa

BAG-Rechtsprechung zu Elternzeit und Urlaub

Urlaub über zwei Elternzeiten hinweg übertragbar

Hat ein Mitarbeiter vor Antritt seiner Elternzeit noch Resturlaub, muss der Arbeitgeber den Resturlaub nicht nur über die Elternzeit hinaus, sondern auch über eine zweite Elternzeit hinaus übertragen, wenn diese sich nahtlos an die erste Elternzeit anschließt.

Mit dieser Entscheidung vom 20. Mai 2008 (Az.: 9 AZR 219/07) änderte das Bundesarbeitsgericht (BAG) seine bisherige Rechtsprechung.

Spätestens im 2. Urlaubsjahr Resturlaub gewähren 

Hat ein Arbeitnehmer den ihm zustehenden Urlaub vor dem Beginn der Elternzeit nicht oder nicht vollständig erhalten, muss der Arbeitgeber den Resturlaub entsprechend dem Gesetz nach der Elternzeit im laufenden oder im nächsten Urlaubsjahr gewähren. Endet das Arbeitsverhältnis während der Elternzeit oder wird es danach nicht fortgesetzt, ist der Urlaub abzugelten, das heißt in Geld auszuzahlen.

Das BAG war vor dem Urteil der Ansicht, dass der wegen der ersten Elternzeit übertragene Urlaub mit Ablauf des auf diese Elternzeit folgenden Urlaubsjahrs verfällt, wenn der Mitarbeiter ihn aufgrund einer zweiten Elternzeit nicht nehmen konnte. Diese Rechtsprechung hat das Gericht aufgegeben.

Nunmehr hat es im Wege einer verfassungs- und europarechtskonformen Auslegung des Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetzes entschieden, dass der Arbeitgeber den Resturlaub weiter übertragen muss, wenn der Arbeitnehmer den Resturlaub nach der ersten Elternzeit wegen einer zweiten Elternzeit nicht nehmen kann. Dabei stützten sich die Richter auf den allgemeinen Gleichheitssatz des Grundgesetzes, die Gleichbehandlungsrichtlinie, die Vorgaben der Arbeitszeitrichtlinie und die Wertungen aus der Mutterschutzrichtlinie.

Urlaub bei beendetem Arbeitsverhältnis

Nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses können Arbeitgeber den Erholungsurlaub eines Arbeitnehmers nicht mehr wegen dessen Elternzeit kürzen.

Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz regelt, dass der Arbeitgeber den Erholungsurlaub für jeden vollen Kalendermonat der Elternzeit um ein Zwölftel kürzen kann. Die Kürzung des Erholungsurlaubs muss der Arbeitgeber allerdings gegenüber dem Arbeitnehmer erklären – auch für Jahre, in denen der Arbeitnehmer gar nicht gearbeitet hat. Sie tritt nicht automatisch ein. Da nur der Urlaubsanspruch selbst und nicht der Urlaubsabgeltungsanspruch gekürzt werden kann, urteilte das Bundesarbeitsgericht, dass eine Kürzung des Erholungsurlaubs nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses unzulässig ist.

Aufgabe der Surrogatstheorie 

Hintergrund dieser Entscheidung ist die Aufgabe der sogenannten Surrogatstheorie durch das Bundesarbeitsgericht. Sie hat zur Folge, dass der Anspruch auf Abgeltung, das heißt Auszahlung des Urlaubs nicht mehr Surrogat, also Ersatz des Urlaubsanspruchs, sondern ein reiner Geldanspruch ist.

Tipp: Arbeitgeber sollten bei Elternzeit künftig den Jahresurlaub unverzüglich kürzen und dem Arbeitnehmer die Kürzung mitteilen, zum Beispiel bereits im Schreiben, in dem die Elternzeit bestätigt wird.

Urlaubskürzung wegen Elternzeit: So geht's

Beispiel: Ein Vater meldet beim Chef ab 7. September 2017 zwei Monate Elternzeit an.
Lösung: Der Chef kann nur ein Zwölftel des Jahresurlaubs 2017 kürzen, da der Vater nur im Kalendermonat (!) Oktober vom Ersten bis zum Letzten des Monats Elternzeit hat. Marcus Halder

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