Recht + Steuern -

Beruf und Familie Elternzeit: Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

Wer ein Kind bekommt, kann sein Arbeitsverhältnis für eine bestimmte Zeit ruhen lassen. Die Elternzeit ist ein gesetzlich geregelter Anspruch gegenüber dem Arbeitgeber. Doch was gilt im Detail und welche Formalien sind dabei einzuhalten?

Zum 1. Juli 2015 wurden die Regelungen zur Elternzeit verändert und flexibler gestaltet. Zur gleichen Zeit hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eingeführt, dass Eltern zwischen dem Basiselterngeld und dem sogenannten Elterngeld Plus wählen können, wenn sie ihr Kind selbst betreuen und nach der Geburt eine bestimmte Zeit in Voll- oder Teilzeit zuhause bleiben.

Was bedeutet Elternzeit?

Die Elternzeit ist eine Zeit, in der sich Arbeitnehmer unbezahlt von ihrer Beschäftigung freistellen lassen können, um ihr Kind zu betreuen. Jeder Elternteil hat einen Rechtsanspruch auf Elternzeit. Dieser gilt grundsätzlich bis das zu betreuende Kind sein drittes Lebensjahr vollendet hat. Bis zu 24 Monate dieser Zeit können jedoch auch auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden – allerdings nicht über das Alter von acht Jahren des Kindes hinaus.

Besteht während der Elternzeit Kündigungsschutz?

Während der Elternzeit gilt für den Arbeitnehmer ein Kündigungsschutz. Dieser beginnt mit der Antragstellung – frühestens jedoch acht Wochen vor Beginn der Elternzeit und endet, wenn die beantragte Freistellung abgelaufen ist. In der Elternzeit können Mütter und Väter nur in Ausnahmesituationen – etwa im Fall einer Insolvenz – gekündigt werden.

Wann und wie wird Elternzeit beantragt?

Der Arbeitgeber muss der Elternzeit rein formal gesehen nicht zustimmen, denn es besteht ja ein Rechtsanspruch darauf. Doch trotzdem muss der Arbeitnehmer einen Antrag auf Elternzeit bei seinem Arbeitgeber stellen und dabei Formalien einhalten. So muss der Antrag spätestens sieben Wochen vor dem Beginn der Elternzeit eingereicht werden, damit der Arbeitgeber genügend Zeit hat, eine geeignete Vertretung zu finden.

Auch wenn die Elternzeit auf verschiedene Phasen verteilt werden kann, muss sich der Arbeitnehmer bei der Beantragung für die nächsten zwei Jahre festlegen. Er muss dem Arbeitgeber eindeutig sagen, wie lange und – wenn die Möglichkeit der Aufteilung genutzt werden soll – in welchen Zeitspannen er die Elternzeit nutzen möchte.

Grundsätzlich kann jeder Elternteil seine gesamte Elternzeit in drei Zeitabschnitte aufteilen. Wird der dritte Abschnitt jedoch nach dem dritten Geburtstag des Kindes gewählt, kann der Arbeitgeber diesen aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Eine Verteilung auf weitere beziehungsweise mehr als drei Zeitabschnitte ist nur mit Zustimmung des Arbeitgebers möglich.

Soll Elternzeit zwischen dem dritten Geburtstag und der Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes genommen werden, gibt es für diesen Zeitabschnitt eine gesonderte Anmeldefrist. Sie beträgt 13 Wochen vor deren Beginn der Elternzeit.

Hat man nach der Elternzeit Anspruch auf genau den alten Arbeitsplatz?

Wer in Elternzeit ist, behält einen Anspruch auf seine Arbeitsstelle, so wie sie im Arbeitsvertrag beschrieben ist: mit den darin festgelegten Aufgaben und Arbeitszeiten. Das heißt aber noch nicht, dass man automatisch auf exakt seine alte Stelle zurückkehren darf. Der Arbeitgeber hat hierbei das Recht, den Arbeitnehmer auch an anderer Stelle einzusetzen, solange die neue Tätigkeit im Wesentlichen dem entspricht, was im Arbeitsvertrag festgeschrieben ist.

Darf man während der Elternzeit in Teilzeit arbeiten?

Bis zu 30 Wochenstunden kann jeder Arbeitnehmer beschäftigt und gleichzeitig in Elternzeit sein. Grundsätzlich besteht für diese Reduzierung der Arbeitszeit im Rahmen von 15 bis 30 Wochenstunden ein Rechtsanspruch.

Doch diesem kann der Arbeitgeber aus dringenden betrieblichen Gründen ablehnen. Allerdings muss er das schriftlich tun. Für die Ablehnung hat der Arbeitgeber eine Frist von vier Wochen, wenn die Elternzeit vor dem bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres des Kindes ausgeübt werden soll. Für die Zeit zwischen dem dritten Geburtstag und der Vollendung des achten Lebensjahres des Kindes besteht eine Frist von acht Wochen, in denen der Arbeitgeber eine Ablehnung formulieren muss.

Der Rechtsanspruch auf Verringerung der Arbeitszeit gilt in allen Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten. Und auch in umgekehrter Richtung gibt es einen Anspruch, den der Arbeitnehmer geltend machen kann: Nach der Elternzeit darf er wieder in dem Umfang arbeiten wie davor – also zu seiner vorherigen Arbeitszeit zurückkehren.

Ist man während der Elternzeit krankenversichert?

Pflichtversicherte Arbeitnehmer bleiben in der gesetzlichen Krankenversicherung beitragsfrei versichert, solange Sie Elternzeit in Anspruch nehmen und das Beschäftigungsverhältnis in dieser Zeit weiter besteht. Für denjenigen, der während Ihrer Elternzeit in Teilzeit arbeitet, können jedoch Beiträge für diese Arbeit anfallen. Das gilt auch für freiwillig versicherte Arbeitnehmer.

Elternzeit früher beenden: Was rechtlich gilt

Wenn Mitarbeiter ihre Elternzeit vorzeitig beenden wollen, brauchen sie in der Regel die Zustimmung ihres Arbeitgebers. "So ein Wunsch komme in der Praxis häufig vor", sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Heidelberg. Mancher reicht zum Beispiel zunächst für anderthalb Jahre Elternzeit ein und stellt dann nach der Geburt des Kindes fest, dass er bereits nach einem Jahr wieder arbeiten gehen kann. Passt dem Arbeitgeber das nicht, kann er dem Mitarbeiter den Wunsch jedoch verwehren. Denn er hat womöglich eine Elternzeitvertretung eingestellt, und braucht nicht zwei Personen auf der Position.

Von dieser grundsätzlichen Regel gibt es jedoch Ausnahmen. Wird etwa der Partner schwer krank, muss der Arbeitgeber einer vorzeitigen Beendigung der Arbeitszeit zustimmen. Denn dann kann es für die finanzielle Existenz der Familie notwendig sein, dass der andere schneller als geplant wieder einsteigt. "Das sind aber Härtefälle und die greifen nur selten", erklärte Eckert, der auch Mitglied im Vorstand des Deutschen Anwaltvereins ist.

Teilzeitarbeit als Kompromiss

Liegt kein Härtefall vor und der Arbeitgeber lehnt die vorzeitige Beendigung der Elternzeit ab, kann eine Option für den Mitarbeiter sein, Teilzeitarbeit während der Elternzeit zu beantragen. Arbeitnehmer haben die Möglichkeit, zwischen mindestens 15 und maximal 30 Stunden wöchentlich während der Elternzeit zu arbeiten. Voraussetzung ist, dass der Betrieb mindestens 15 Mitarbeiter hat und der Arbeitnehmer bereits seit mindestens sechs Monaten in der Firma ist. Den Teilzeitantrag kann der Arbeitgeber nur ablehnen, wenn er dafür dringende betriebliche Gründe hat, erklärte Eckert. Die Voraussetzungen dafür seien wiederum sehr hoch. Früher als geplant in Teilzeit zurückzukehren, ist deshalb häufig kein Problem.

Mancher hat zunächst auch nur eine sehr kurze Elternzeit von wenigen Monaten eingereicht und möchte dann gerne verlängern. "Das ist wiederum schwer möglich und geht nur mit der Zustimmung des Arbeitgebers", sagte Eckert. dpa/dhz

Downloads
© deutsche-handwerks-zeitung.de 2016 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare

Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

* = Pflichtfelder. Bitte ausfüllen