Ausstellung in Hamburg Die Welt der Bösen Dinge – oder die Frage nach gutem Geschmack

Für den einen ist es kitschig, für den anderen ein Schmuckstück: Über guten Geschmack lässt sich streiten. Oder? Dieser Frage geht das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg nach und zeigt in der Ausstellung "Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" etliche Exponate, die so mancher in die Kategorie Geschmacksverirrung einordnen würde.

Mirabell Schmidt

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    © Foto: Armin Herrmann
    Ein Unterleib als Aschenbecher: Darf in keinem Haushalt fehlen.
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    © Foto: Armin Herrmann
    Nackte Frau zu Diens­ten: Ihre Brüste geben Salz und Pfeffer.

Alle Jahre wieder bekommt man sie, als Mitbringsel, zum Geburtstag oder zu Weihnachten: Dinge, die man eigentlich nicht braucht. Oder wer wollte nicht einen Salzstreuer in Form einer nackten Frau auf seinem Esstisch stehen haben, wenn die Schwiegereltern zu Besuch kommen? Oder einen USB-Stick im Design eines abgeschnittenen Daumens, geschenkt vom besten Freund?

Was ist "Dekorbrutalität"?

Über Geschmack lässt sich streiten, heißt es. Stimmt das? Wissenschaftler sind sich darin jedenfalls nicht einig. Das Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg (MKG) greift dieses Thema in der Ausstellung "Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" auf und zeigt die Sammlung vom Werkbundarchiv – Museum der Dinge in Berlin.

Das Konzept der Ausstellung basiert auf einer Systematik vom Kunsthistoriker Gustav E. Pazaurek Anfang des 20. Jahrhunderts. Dieser wollte damit guten und schlechten Geschmack im Kunstgewerbe unterscheiden.

Seite 2: Tauschbörse für Böse Dinge. >>>

Pazaurek wählte für seine Kategorien drastische Worte, wie "Dekorbrutalitäten", "Materialvergewaltigung" oder "funktionelle Lügen". Als Direktor des Stuttgarter Landesgewerbemuseums eröffnete er die "Abteilung der Geschmacksverirrungen" und sammelte im Laufe der Jahre über 900 Negativbeispiele des guten Geschmacks. Sein Ziel: Die Menschen zu gutem Geschmack erziehen.

Böse Dinge zum Tausch

Was Besucher selbst als Dekorbrutalität oder Materialvergewaltigung empfinden, können sie in der Ausstellung herausfinden. Mit rund 60 Exponaten aus dem ehemaligen Pazaurek’schen "Schreckens­kabinett" und zeitgenössischen Designprodukten bietet sie ausreichend Material für einen langen Streit über guten Geschmack.

Zugleich veranstaltet das Museum in Hamburg eine Tauschbörse. Interessierte haben dort die Möglichkeit, zu offenbaren, welche "bösen Dinge" sie zu Hause angesammelt haben und normalerweise gerne verstecken. Dinge, die sie "verschenken, aber selbst nicht bekommen möchten", können Besucher gegen unsinnige Dinge anderer tauschen. Der ursprüngliche Besitzer verewigt sich auf einem Kärtchen und erklärt dem neuen Eigentümer, warum er es für "böse" hält.

Dabei wird sicherlich einiges an überflüssigen Souvenirs oder altbackenen Deko-Stücken hervorgekramt. Außerdem haben sich Studenten der Kunsthochschule Kiel im Projekt "Name that Thing" dem Thema "Kitschkunst" gewidmet und Objekte aus der Sammlung des MKG unter anderem in Filmen neu inszeniert. Die Ergebnisse werden am Rande der Ausstellung präsentiert.

"Böse Dinge. Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" ist bis zum 15. September 2013 im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg zu sehen.