Aus Bewerbermangel suchen viele Unternehmer Personal im Ausland. Es kommen motivierte und kompetente Menschen – aber auch mit Heimweh im Gepäck. Zwei Beispiele.
Barbara Oberst

Jörg Noack, Elektromeister aus Gingen an der Fils
Als Jörg Noack in seinem Postfach die Werbung eines privaten Personaldienstleisters fand, reagierte er spontan: "Ich füllte einen Kontaktbogen aus, auf dem ich notierte, welche Ausbildung und Berufserfahrung meine Leute brauchen und welche Sprachkenntnisse ich erwarte", erzählt Noack. "Die Personalberatung stellte mir sofort erste Bewerber vor."
Zwar suchte Elektromeister Noack dringend Fachkräfte und machte gleich drei Kandidaten aus, die gut zu seinem Unternehmen passen würden. Trotzdem zögerte er. "Wir haben schon Mitarbeiter mit Migrationshintergrund und sie haben alle mindestens ein Vierteljahr gebraucht, um sprachlich klarzukommen. Ich habe mich gescheut, diesen Weg noch einmal zu gehen." Jetzt, wo Nicolas Lazaro Roldan in dem 30-Mann-Betrieb angekommen ist, zweifelt der Chef nicht mehr.
"Das ist eine Riesenleistung, die er da vollbringt."
Die sprachliche Hürde sei zwar trotz guter Vorbereitung hoch, doch das Engagement des spanischen Elektroinstallateurs dafür enorm: "Er hat sich in kürzester Zeit schon die Hälfte des notwendigen Arbeitsspektrums angeeignet", begeistert sich sein Chef. "Das ist eine Riesenleistung, die er da vollbringt." Obwohl ein zweiter Spanier noch in der Probezeit Noacks Unternehmen wieder in Richtung Heimat verlassen hat, setzt der Elektromeister auf die spanische Karte: "Wir warten jetzt auf einen weiteren Mann."
Knapp 25 Prozent der Spanier sind ohne Arbeit. Nicolas Lazaro Roldan aus Valencia war einer von ihnen. Trotz guter Ausbildung fand der Elektroinstallateur in seiner Heimat keine Anstellung. "Meine Mutter ist gebürtige Deutsche und so kam ich auf die Idee, hier zu suchen", erklärt der 28-Jährige. Eine private Arbeitsvermittlung, die er im Netz fand, half ihm bei der Auswanderung.
Trotz kühlem Wetter, Heimweh und Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache sieht Lazaro Roldan seine Zukunft in Deutschland: "Für mich ist am wichtigsten, dass ich jetzt Arbeit habe. Ich möchte nicht mehr so schnell zurück nach Spanien. Mein Leben ist jetzt hier."
Seite 2: Warum sich Fleischermeister Edgar Linhose zuerst wie auf einem Sklavenmarkt fühlte
Edgar Linhose, Fleischermeister aus Ringgau
"Wie auf dem Sklavenmarkt", fühlte sich Edgar Linhose beim ersten Kontakt mit seinen neuen spanischen Auszubildenden. Das Arbeitsamt hatte gerufen, rund 40 Spanier waren zu einem Schnupper- und Kennenlerntag ins nordhessische Witzenhausen gekommen – und jede Menge deutsche Unternehmer, die verzweifelt nach Azubis und Fachkräften suchten. "Das lief nicht ganz glücklich", urteilt Fleischermeister und Gastronom Linhose über die chaotische Veranstaltung. Immerhin: "Zwei Spanierinnen haben bei mir dann ein Praktikum gemacht und zum September die Ausbildung zur Köchin begonnen. Einen Fleischer-Azubi, den ich auch gesucht habe, habe ich aber nicht bekommen."
"Wir müssen Leute nachziehen, sonst gehen hier in zehn Jahren die Lichter aus."
Der 52-Jährige tut viel, damit seine beiden neuen Kräfte bleiben. Das Geld für einen Autokauf hat er ihnen vorgestreckt, beim Abschluss von Haftpflicht- und Autorechtsschutzversicherungen hat er sie ebenfalls unterstützt. "Sonst kommen die von hier aus überhaupt nicht zur Berufsschule", erläutert der Chef von 25 Mitarbeitern. Auch die Unterkunft stellt Linhose zu einem günstigen Preis zur Verfügung.
Dennoch sieht er Hemmnisse. "Die Frauen sind sehr motiviert, aber trotz eines Sprachkurses in Spanien haben sie hier mit Deutsch im Grunde bei null angefangen. Wir haben sie verdonnert, viel Deutsch zu sprechen, und sie besuchen weiter Kurse. Aber ob das reicht, um in drei Jahren die Gesellenprüfung zu schaffen? Das wird kein Zuckerschlecken." Zu seiner Entscheidung steht Linhose trotzdem: "Ich betrachte das als Herausforderung. Wir Unternehmer müssen junge Leute nachziehen, sonst gehen hier in zehn Jahren die Lichter aus."
noack-elektrotechnik.de , derteichhof.de
Mehr als nur Arbeitskräfte
Maschinenbau, Metall- und Elektroberufe sowie Klempnerei, Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sind die Handwerksbranchen, die deutschlandweit am häufigsten unter Fachkräftemangel leiden. Auch die Nahrungsmittelbranche kämpft in vielen Regionen um Mitarbeiter.
Mittlerweile gibt es viele Ansätze, um gezielt Arbeitskräfte aus dem Ausland anzuwerben. Wer sich dafür interessiert, sollte die zwei wichtigsten Hindernisse kennen: Die wenigsten Fachkräfte, gerade aus Spanien, haben Deutsch- oder andere Fremdsprachenkenntnisse. Entsprechend schwierig ist für sie der Einstieg in die Sprache.
Weil das duale Bildungssystem eine deutsche Besonderheit ist, lässt sich auch die fachliche Qualifikation nicht ohne weiteres vergleichen. Arbeitgeber müssen sehr genau beschreiben, über welche Fähigkeiten ihre Bewerber verfügen sollten.
- Sprachkurse für ihre neuen Mitarbeiter organisieren und sie im Spracherwerb unterstützen,
- schon vor der Anreise eine günstige Wohnung für die Mitarbeiter finden,
- die Fremden bei wichtigen Behördengängen, beispielsweise für die Kranken- oder die Haftpflichtversicherung, unterstützen,
- die Neuankömmlinge auch sozial integrieren. Viele sind erstmals von Familie und Freunden getrennt. Angebote zur Freizeitgestaltung können das Heimweh lindern.
Nützliche Links
- arbeitsagentur.de:Suchwort: „Zentrale Auslands- und Fachvermittlung“: Die Stelle der Bundesagentur für Arbeit, die Fachkräfte und Auszubildende aus dem Ausland an Betriebe vermittelt.
- handwerkskammer.de: Viele Handwerkskammern haben eigene Projekte oder Kooperationen ins Leben gerufen, um Fachkräfte und Auszubildende aus dem Ausland zu gewinnen, so zum Beispiel die Handwerkskammer für München und Oberbayern in einer Kooperation mit Spanien oder die Handwerkskammer Halle, die portugiesische Auszubildende vermittelt hat. Informationen bietet die jeweilige Handwerkskammer vor Ort.
- g-i-consult.com: Aus den Erfahrungen im eigenen SHK-Betrieb hat Geschäftsführer Uwe Holzvoigt mit einer in Spanien lebenden deutschen Juristin eine Beratungsfirma gegründet, die Personal aus Spanien und Lateinamerika an Mittelständler vermittelt.
- make-it-in-germany.com: Das mehrsprachige Willkommensportal des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, das sich an Unternehmer und Bewerber aus dem Ausland wendet.
- pod-personalberatung.de: Privater, auf SHK und Elektro spezialisierter Personalberater.