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Steuer 2015 Die besten Steuertipps für die Bilanz

Für Unternehmen, die ihren Gewinn durch Bilanzierung ermitteln, können zukünftige Investitionen schon jetzt abziehen oder auch eine 20-prozentige Sonderabschreibung könnte winken. Hier die besten Steuertipps für 2015.

Ermitteln Sie Ihren Gewinn durch Bilanzierung, werden Sie die Bilanzerstellung höchstwahrscheinlich Ihrem Steuerberater übertragen. Doch dieses Jahr sollten Sie nicht passiv bleiben, sondern mit dem Steuerberater mögliche Steuerspartipps rund um das Thema Bilanzierung diskutieren. Hier einige Anregungen, worüber Sie mit Ihrem Berater sprechen können.

1. Übergang zur Bilanzierung

Sind Sie zum 1. Januar 2015 von der Einnahmen-Überschussrechnung zur Bilanzierung gewechselt, müssen Sie 2015 zwei verschiedene Gewinne versteuern. Zum einen den Steuerbilanzgewinn, zum anderen den Übergangsgewinn, der sich durch die unterschiedlichen Methoden bei der Einnahmen-Überschussrechnung und bei der Bilanzierung ergibt. Für den Übergangsgewinn können Sie beim Finanzamt einen Antrag stellen, dass dieser auf drei Jahre verteilt besteuert wird.

Konkret: Der Übergangsgewinn 2015 in Höhe von 30.000 Euro soll verteilt werden. Versteuerung 2015: 10.000 Euro, 2016: 10.000 Euro und 2017: 10.000 Euro.

2. Investitionsabzugsbetrag auch bei Bilanzierung

Sie planen in den Jahren 2016 bis 2018 Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen (PC, Werkzeug, Maschine, Pkw etc.)? Dann dürfen Sie bei Bilanzierung schon vom Gewinn 2015 40 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten als Betriebsausgabe abziehen (Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG).

Voraussetzung: Der Wert des Betriebsvermögens zum 31. Dezember 2015 lag nicht über 235.000 Euro.
Tipp: Der Investitionsabzugsbetrag wird nicht in der Bilanz gebucht, sondern außerbilanzmäßig vom Gewinn abgezogen.

3. 20-prozentige Sonderabschreibung nutzen

Haben Sie 2015 ein bewegliches Wirtschaftsgut gekauft, zum Beispiel einen neuen Transporter, profitieren Sie möglicherweise von der Sonderabschreibung in Höhe von 20 Prozent nach § 7g Abs. 5 EStG. Dazu müssen Sie einen Blick in Ihre Bilanz 2014 werfen. Die Sonderabschreibung winkt Ihnen 2015, wenn der Wert des Betriebsvermögens zum 31. Dezember 2014 (Vorjahresbilanz) nicht über 235.000 Euro lag.

Beispiel: Kauf eines Transporters für 30.000 Euro. Reguläre Abschreibung bei sechs Jahren Nutzungsdauer = 5.000 Euro; Sonderabschreibung von 6.000 Euro = Gesamtabschreibung 2015 von 11.000 Euro.

4. Gewinnrealisierung bei Abschlagszahlungen

Eigentlich sollten Bauunternehmer ihre erhaltenen Abschlagszahlungen aus Werkverträgen in der Bilanz zum 31. Dezember 2015 erstmals als Gewinn ausweisen, wenn bereits ein Anspruch auf die Abschlagszahlung bestand. Damit sollten die Grundsätze zum Urteil des Bundesfinanzhofs vom 14. Mai 2014 umgesetzt werden. Mit Schreiben vom 18. März 2016 hat das Bundesfinanzministerium diese fragwürdige Gewinnrealisierung wieder verworfen.

Tipp: Die Gewinnrealisierung gilt danach nur für Planungsleistungen eines Ingenieurs nach § 8 Abs. 2 HOAI alte Fassung (BMF, Schreiben v. 18.03.2016, Az.: IV C 6 – S 2130/ 15/10001).

5. Rückstellung für Kosten einer Betriebsprüfung

Bei Handwerksbetrieben, die als Großbetrieb eingestuft sind, steht das Finanzamt alle paar Jahre vor der Tür und prüft praktisch alle Bilanzen und Steuererklärungen. Steht also fest, dass in absehbarer Zeit wieder eine Prüfung stattfindet, darf der Betriebsinhaber in der Bilanz schon vor Prüfungsbeginn eine gewinnmindernde Rückstellung für die möglichen Kosten im Zusammenhang mit dieser Betriebsprüfung bilanzieren. In diese Rückstellung dürfen allerdings nicht die vermuteten Steuernachzahlungen einbezogen werden, sondern die Ausgaben für Steuerberater, extra Raumkosten oder die Kosten für das Hinzuziehen eines Bilanzbuchhalters (Finanzgericht Baden-Württemberg, Az.: 3 K 2555/09).

6. Sammelpostenmethode 2015 nicht immer ein Muss

Sie können Gegenstände des beweglichen Anlagevermögens im Preissegment zwischen netto 150,01 und 1.000 Euro in einem Sammelposten bilanzieren. Er wird dann über fünf Jahre verteilt abgeschrieben.

Das Besondere: Die Abschreibung über fünf Jahre ändert sich selbst dann nicht, wenn ein Gegenstand vor Ablauf dieser fünf Jahre aus dem Betrieb ausscheidet oder defekt wird.

Beispiel: Im Sammelposten 2015 in Höhe von 20.000 Euro ist ein Werkzeug im Wert von 900 Euro enthalten, das 2016 verschrottet wird. An der fünfjährigen Abschreibung ändert sich trotz Verschrottung nichts.

Ausnahme: Wurden die Anschaffungskosten für einen Gegenstand im Sammelposten erfasst und dieser schied bereits bis zum 31. Dezember 2015 aus oder wurde defekt, können die Anschaffungskosten ausnahmsweise aus dem Sammelposten 2015 ausgegliedert und 2015 in voller Höhe abgeschrieben werden (BMF, Az.: IV C 6 – S 2180/09/10001, Tz. 10).

Lesen SIe hier auch die zehn besten Steuertipps zur Einnahmen-Überschussrechnung >>

Weitere Informationen zur Bilanzierung

  • Nutzungsabschreibung: Beim Kauf einer teuren Maschine oder eines teuren Nutzfahrzeugs, deren Nutzung über die Jahre hinweg voraussichtlich schwankt, können Sie statt der moderaten linearen Abschreibung die eher unbekannte Abschreibung nach Leistungseinheiten wählen (§ 7 Abs. 1 Satz 6 EStG).
  • Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG): Haben Sie 2015 GWG im Wert von netto maximal 150 Euro gekauft, müssen Sie diese Ausgaben nicht über die Nutzungsdauer verteilt abschreiben. Es winkt vielmehr ein Sofortabzug im Jahr 2015. Voraussetzung: Der Gegenstand muss eigenständig, sprich ohne weitere Geräte verwendet werden können. Beispiel: Bohrmaschine = GWG, Bohrer = kein GWG, da ohne Bohrmaschine nicht nutzbar.
  • Rückstellungen: Besteht das Risiko, dass Sie Garantiearbeiten erledigen müssen, können Sie in der Bilanz dafür eine gewinnmindernde Rückstellung bilden. Die Höhe der Rückstellung sollte sich am Durchschnitt der Ausgaben für Garantien der letzten drei Jahre bemessen.
  • Pauschalwertberichtigung: Dass Forderungen gegen Kunden ausfallen, ist keine Besonderheit. Deshalb lässt das Finanzamt eine pauschale Wertminderung auf die bestehenden Nettoforderungen zu. Ohne Rückfragen wird meist eine Pauschalwertberichtigung von einem Prozent anerkannt. Bei einem höheren Prozentsatz sollten Sie als Nachweis die Forderungsausfälle der Vorjahre heranziehen.

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