Deutschlands Großstädte werden attraktiver. Immer mehr junge Leute zieht es in die Metropolen, wie verschiedene Studien belegen. Den größten Boom erleben München und Frankfurt, wo mit dem Bevölkerungswachstum auch die Mietpreise steigen.
Ulrich Steudel

Das Häuschen im Grünen ist für die Generation Smartphone offenbar kein erstrebenswertes Lebensziel mehr, konstatiert das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Für die 14 Städte mit mehr als einer halben Million Einwohner haben die Wissenschaftler ein Bevölkerungswachstum von knapp fünf Prozent zwischen den Jahren 2000 und 2011 ermittelt. Heute leben 16,5 Prozent der Bundesbürger in Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Bremen, Leipzig, Dresden, Hannover oder Nürnberg. Im Jahr 2000 waren es noch 15,5 Prozent.
Bonn besonders produktiv
Aber auch kleinere Städte locken mit glänzenden Perspektiven. So verzeichnete die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn zwischen 2005 und 2010 einen Zuwachs an Erwerbstätigen von 9,8 Prozent. Bonn gehört damit zu den Städten mit der höchsten Arbeitsproduktivität. In einem Städteranking des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) und der Privatbank Berenberg rangiert Bonn hinter Frankfurt und München auf Platz drei der 30 größten Städte.
ste BonnDie Studie untersucht vor allem die Zukunftsfähigkeit der Wirtschaftsmetropolen, wobei Frankfurt vor allem mit seinem hohen Anteil an hochqualifizierten Beschäftigten von 18,7 Prozent überzeugen konnte. „Es kommt nicht darauf an, welche Stadt die höchsten Gewerbesteuereinnahmen erzielt oder die beste Beschäftigungsquote hat, entscheidend ist, wie sich die Städte und Regionen auf lange Sicht im Wettstreit um qualifizierte Arbeitskräfte und innovative Branchen behaupten“, sagte Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann.
Alles dreht sich um Frankfurt
Das größte Pfund von Frankfurt ist der gute Standort in der Mitte Deutschlands mit einer exzellenten Infrastruktur mit Flughafen, Autobahnkreuz und ICE-Verbindungen. Von keiner anderen Stadt aus gelangt man so schnell in die 25 wichtigsten europäischen Metropolen, sagte HWWI-Direktor Thomas Straubhaar. Mit einem Anteil von 17,3 Prozent ausländischer Studenten ist Frankfurt so international wie keine andere deutsche Großstadt.
Seite 2: München mit konstant hoher Lebensqualität
München kaum noch steigerungsfähig
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) unterscheidet bei ihrem zusammen mit der "Wirtschaftswoche" erstellten Städteranking zwischen absolutem Niveau und Dynamik. Insgesamt 90 sozioökonomische Indikatoren fließen in die Wertung ein.
ste MünchenDas Niveau der lebenswertesten Stadt in Deutschland sei kaum noch steigerungsfähig: München hat die wenigsten Arbeitslosengeld II-Empfänger (3,9 auf 100 Einwohner), die geringste Arbeitslosenquote (5,1 Prozent), die meisten Gewerbeanmeldungen (4,5 je 1.000 Einwohner) und verzeichnet die wenigsten Straftaten (7.564 je 100.000 Einwohner).
Magdeburg, Oldenburg und Kassel legen zu
Dass das kaum noch zu verbessern ist, zeigt das Dynamikranking, das die Entwicklung zwischen 2006 bis 2011 beleuchtet. Hier belegt das konstant bestens aufgestellte München nur den 46. Platz. Vor allem kleinere Städte hingegen entwickeln sich prächtig – allen voran Magdeburg. In der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ist die Arbeitslosigkeit innerhalb von fünf Jahren mit 7,5 Prozentpunkte am stärksten gesunken. Auf den Plätzen folgen Oldenburg und Kassel, wo die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze um 17,1 Prozent gestiegen und der Anteil von Schulabgängern ohne Hauptschulabschluss um 5,1 Prozentpunkte gesunken ist.
Fazit: In Deutschland wächst nicht nur das Bruttosozialprodukt, auch die Bevölkerungszahl legt zu. Aufgrund der Zuwanderung aus Ost- und Südeuropa hat die Bundesrepublik seit 2011 pro Jahr um 100.000 bis 200.000 Einwohner gewonnen, während die Bevölkerung zuvor sieben Jahre lang geschrumpft war. Am stärksten profitieren können davon offenbar die großen Städte, wo Arbeitsplätze für qualifizierte Fachkräfte für Wohlstand sorgen.

