Große Koalition Das sind die neuen Bundesminister

Sechs Posten für die SPD, sechs für die CDU und drei für die CSU: die Kabinettsliste steht. Viele bekannte Namen sind darunter, aber auch so manch neues Gesicht. Doch wer sind die neuen Bundesminister und Bundesministerinnen und welche Ämter hatten sie zuvor inne?

Das Bundeskabinett (noch mit Agrarminister Friedrich, der mittlerweile sein Amt aufgegeben hat). - © Foto: picture alliance/Michael Kappeler/dpa

Angela Merkel bleibt Bundeskanzlerin – das war direkt nach der Wahl im September klar. Das Rätselraten um die Posten im Kabinett der neuen Bundesregierung hat nun auch ein Ende. Die Namen der neuen Bundesminister sind offiziell bekannt gegeben. Doch neben vielen altbekannten Gesichtern bietet das neue Kabinett auch Neuigkeiten.

Diese Bundesminister sind neu

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. - © Foto: picture alliance/Hannibal Hanschke/dpa

Barbara Hendricks (61/SPD) wird Bundesumweltministerin: Die bisherige SPD-Schatzmeisterin wird künftig im Umweltministerium auch für alle Bauprojekte des Bundes zuständig sein. In Düsseldorf arbeitete die 61-Jährige fast zehn Jahre als Sprecherin für SPD-Finanzminister der Landesregierung. 1998 wurde sie Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium. Bis 2007 arbeitete sie auf diesem Posten mit den SPD-Finanzministern Oskar Lafontaine, Hans Eichel und Peer Steinbrück zusammen. Seit Oktober 2007 ist Hendricks Schatzmeisterin der SPD. Kontakt zur Umweltpolitik hatte die promovierte Historikerin, als sie von 1991 bis 1994 im NRW-Umweltministerium das Referat für grenzüberschreitende Studien leitete.

Bundesjustizminister Heiko Maas. - © Foto: picture alliance/Hannibal Hanschke/dpa

Heiko Maas (47/SPD) über nimmt das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz: Bisher war er Wirtschaftsminister im Saarland. Für den studierten Juristen ist der Umzug ins Bundesjustizministerium ein Chance, endlich einen höheren Posten zu bekommen. Dreimal bewarb er sich für die SPD um das Amt des Regierungschefs in Saarbrücken, dreimal zog er den Kürzeren. Von 1999 bis 2012 stand der gebürtige Saarländer an der Spitze der Landtagsfraktion, seit 2000 führt er auch die Landes-SPD. 1998 übernahm er als damals jüngster Minister in Deutschland das Umweltministerium – wenngleich nur kurz, denn die SPD musste bereits ein Jahr später der absoluten CDU-Mehrheit weichen. Aber Triathlet Maas hatte einen langen Atem, machte weiter, führte von 1999 bis 2012 die SPD-Fraktion. Nach vier vergeblichen Anläufen steuert der SPD-Landesvorsitzende in der schwarz-roten Saar-Koalition derzeit das Wirtschaftsministerium.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller. - © Foto: picture alliance/Hannibal Hanschke/dpa

Gerd Müller (58/CSU) wird Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Nach acht Jahren als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium steigt der promovierte Wirtschaftspädagoge überraschend zum Entwicklungsminister auf. Müller war im Herbst 2008 schon einmal als Agrarminister gehandelt worden: Damals wechselte Horst Seehofer aus dem Agrarressort als Ministerpräsident nach Bayern. Die Stelle im Landwirtschaftsministerium bekam dann aber Parteifreundin Ilse Aigner. Erste Erfahrungen in internationaler Politik sammelte Müller als Abgeordneter des Europäischen Parlaments von 1989 bis 1994. Im Agrarministerium war er mit Themen der Welternährung befasst. Mitglied des Bundestags ist der auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsene CSU-Politiker seit 1994 als Abgeordneter des Wahlkreises Oberallgäu, Kempten, Lindau. Müller hat zwei Kinder.

Jetzt für die Landwirtschaft im Einsatz: Christian Schmidt. - © Foto: dapd

Nach dem Rücktritt von Hans-Peter Friedrich wird CSU-Kollege Christian Schmidt (58) neuer Bundesagrarminister: Schmidt war zuletzt parlamentarischer Staatssekretär im Entwicklungsministerium. Er ist Jurist und sitzt seit 1990 für die CSU im Bundestag. Von 2005 bis 2013 war er Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Seit Oktober 2011 ist der Mittelfranke zudem stellvertretender Vorsitzender der CSU.







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Diese Bundesminister wechseln ihr Amt


Peter Altmaier (55/CDU) wird neuer Kanzleramtschef: Der bisherige Umweltminister wird im Kanzleramt Nachfolger von Roland Pofalla. Als Umweltminister brachte er nach der Entlassung seines Vorgängers Norbert Röttgen 2012 neuen Schwung in die Energiewende, konnte aber viele Probleme nicht abräumen. Der kommunikative, selbstironische Saarländer gilt als wichtiger Mann für Merkel. Er ist politisch gut vernetzt, kennt sich in der Europapolitik bestens aus und spricht viele Sprachen fließend.

Als überraschendster Wechsel gilt der Posten von Ursula von der Leyen (55/CDU), die das Bundesverteidigungsministerium übernimmt: Sie wechselt vom Arbeitsministerium ins Verteidigungsressort. Deutschland erhält damit erstmals eine Verteidigungsministerin. Die frühere niedersächsische Sozialministerin und CDU-Vize gilt wegen ihres scharfen Verstandes und ihrer Redegewandtheit als Allroundtalent in der Partei, ist aber nicht sehr beliebt. Von der Leyen ist die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht und hat sieben Kinder.

Thomas de Maiziére (59/CDU) wird künftig das Bundesinnenministerium leiten: Er wechselt aus dem Verteidigungsministerium ins Innenressort, das er bereits von Oktober 2009 bis März 2011 leitete. Als Verteidigungsminister geriet de Maizière wegen des gescheiterten Rüstungsprojekts "Euro-Hawk" massiv in die Kritik. Der aus Bonn stammende und als ruhig und besonnen geltende Politiker war schon als Nato-Generalsekretär im Gespräch. Als Kanzleramtsminister in der großen Koalition von 2005 bis 2009 erwarb er sich großen Respekt, wurde bis zur Drohnen-Affäre sogar als möglicher Merkel-Nachfolger gehandelt.

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Diese bekannten Politiker bekommen einen Ministerposten

Sigmar Gabriel (54/SPD) wird Bundeswirtschafts- und Energieminister: Der SPD-Vorsitzende übernimmt das deutliche aufgewertete Wirtschaftsministerium. 2009 wurde er jüngster Parteichef seit Willy Brandt. Der gelernte Lehrer war zudem mit 40 Jahren in Niedersachsen jüngster deutscher Ministerpräsident (1999-2003). Von 2005 bis 2009 erwarb er sich als Bundesumweltminister Ansehen und Expertise im Bereich Erneuerbare Energien. Der SPD-Chef ist in zweiter Ehe mit einer Zahnärztin verheiratet und hat eine kleine Tochter.

Andrea Nahles (43/SPD) übernimmt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Die bisherige SPD-Generalsekretärin wird sich als Arbeits- und Sozialministerin vorrangig um die Rente kümmern und auch den vereinbarten gesetzlichen Mindestlohn forcieren. Als SPD-Generalsekretärin hat sie erst den Wahlkampf organisiert, dann die Koalitionsverhandlungen und anschließend den Mitgliederentscheid über die große Koalition. Die frühere Juso-Chefin zählt längst nicht mehr zu den Parteilinken. Sie ist verheiratet und hat eine kleine Tochter.

Alexander Dobrindt (43/CSU) wird Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: Der CSU-Generalsekretär führt künftig als Nachfolger von Peter Ramsauer das um digitale Infrastruktur aufgewertete Verkehrsressort. Das darf als Belohnung für den erfolgreichen CSU-Wahlkampf gesehen werden: Parteichef Horst Seehofer hatte ihm daher einen Ministerposten versprochen. Dobrindt tritt an die Stelle von Peter Ramsauer, der das Ministerium vier Jahre lang führte. Er scheidet aus der Bundesregierung aus. Als Generalsekretär war Dobrindt während der Koalitionsverhandlungen eines der wichtigsten CSU-Sprachrohre.

Neuer Bundesaußenminister wird Frank-Walter Steinmeier (57/SPD): Der bisherige SPD-Fraktionschef kehrt auf den Posten zurück, den er bis 2009 schon einmal innehatte. Zu rot-grünen Zeiten war er Kanzleramtschef, strickte für Gerhard Schröder an der Reform-"Agenda 2010" mit. Dann wurde der Jurist geachteter Außenminister (2005 bis 2009). Seitdem der Westfale und Schalke-04-Fan in Brandenburg seinen Wahlkreis hat, ist die Region seine zweite Heimat geworden. Bei der Bundestagswahl gewann er das einzige Direktmandat der SPD im Osten. Steinmeier ist verheiratet mit einer Verwaltungsrichterin.

Manuela Schwesig (39/SPD) wird neue Bundesfamilienministerin: Die bisherige Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern gilt als "das Gesicht" der ostdeutschen SPD. Dies ist die Krönung ihrer bisherigen Blitzkarriere seit ihrem Parteieintritt 2003. Die gebürtige Brandenburgerin studierte Steuerrecht und folgte ihrem Mann, mit dem sie einen Sohn hat, nach Schwerin. Zwischen 2002 und 2008 arbeitete sie im dortigen Finanzministerium. 2008 übertrug Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) der damals 34-jährigen Diplom-Finanzwirtin das Sozialressort. Seit 2009 ist sie auch SPD-Vize. Als Ministerin würde Schwesig auch für das von der SPD heftig bekämpfte Betreuungsgeld zuständig sein.

Hermann Gröhe (52/CDU) wird künftig das Bundesgesundheitsministerium leiten: Als Nachfolger für Daniel Bahr von der FDP wird der CDU-Generalsekretär neuer Bundesgesundheitsminister. Er hat großen Anteil an dem erfolgreichen Bundestagswahlkampf, an dessen Ende 41,5 Prozent für CDU/CSU standen. In der CDU hatte es gerade deshalb mitunter offen Kritik gegeben, weil er als zu wenig angriffslustig galt. Mitte der 90er Jahre zählte er zu dem Kreis von CDU-Nachwuchspolitikern, der sich in der "Pizza-Connection" regelmäßig mit Grünen-Politikern traf. Gröhe war in der Unionsfraktion Justiziar und lange Sprecher für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Im Kanzleramt war er für die Bund-Länder- Zusammenarbeit zuständig. Er ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Diese Bundesminister bleiben im Amt


Wolfgang Schäuble (71/CDU) bleibt Bundesfinanzminister: Der altgediente Amtsinhaber bleibt. Sein jetziges Ministerium leitet er seit 2009. Davor war er – in der letzten großen Koalition von 2005 bis 2009 – schon zum zweiten Mal Bundesinnenminister. Für die Union ist er der Mann mit der größten Regierungserfahrung: Neben seinen Ämtern als Ressortchef war Schäuble Chef der Bundestags-Unionsfraktion und CDU-Parteivorsitzender. 1990 wurde er während einer Wahlkampfveranstaltung niedergeschossen. Seitdem sitzt Schäuble im Rollstuhl. Mehrfach sah es so aus, dass Gesundheitsprobleme seine Laufbahn beenden könnten. Doch er kämpfte sich immer wieder zurück. Er gilt als glühender Europäer, zäh und mitunter mürrisch.

Auch das Bundesbildungsministerium behält seine jetzige Chefin. Johanna Wanka (62/CDU) wird als Amtsinhaberin ihr Ministerium weiter führen. Sie kam erst Anfang 2013 ins Amt – nach dem Rücktritt von Bildungsministerin Annette Schavan. Die CDU stuft das Ressort als eines der wichtigsten im Kabinett ein. Mit den Milliardenausgaben für die Forschung kann man mit diesem Haus viele Punkte bei Wissenschaftlern und Studenten machen. Die promovierte Mathematikerin aus Sachsen war viele Jahre Kultusministerin in Brandenburg und Niedersachsen. Im Wendejahr 1989 war sie Gründungsmitglied des oppositionellen Neuen Forums in Merseburg. Wanka ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie gilt als konservativ und pragmatisch und ist eine Verfechterin von Studiengebühren. dpa