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Steuer aktuell Betriebsausgabenabzug für private Telefonnutzung

Setzt ein Unternehmer die Kosten für die betriebliche Telefonanlage als Betriebsausgabe ab, muss für Privatgespräche der private Nutzungsanteil ermittelt werden. Die sogenannte unentgeltliche Wertabgabe.

Wenn Sie die Kosten Ihrer betrieblichen Telekommunikationsanlage voll als Betriebsausgaben absetzen, müssen Sie für Ihre Privatgespräche den privaten Nutzungsanteil ermitteln, diesen als Betriebseinnahmen erfassen und darauf Umsatzsteuer zahlen - vorausgesetzt, es wird eine umsatzsteuerpflichtige Tätigkeit ausgeübt. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte unentgeltliche Wertabgabe bzw. Privatentnahme.

Unterschied zwischen Gewerbetreibenden und Arbeitnehmern

Bei Land- und Forstwirten, Gewerbetreibenden und Freiberuflern gibt es bezüglich der privaten Telefonnutzung einen gravierenden Unterschied gegenüber Arbeitnehmern:

Bei Arbeitnehmern ist die Nutzung von betrieblichen Telefonen, Faxgeräten, Computern mitsamt Internet steuer- und sozialversicherungsfrei (§ 3 Nr. 45 EStG). Dabei kommt es nicht auf den Umfang der Privatnutzung an.

Bundesfinanzhof bestätigt Versagung der Steuerfreiheit

Bei Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Land- und Forstwirten gilt diese Großzügigkeit der Steuerfreiheit leider nicht. Nach Auffassung des Fiskus würde eine Anwendung dieser Befreiungsvorschrift die Möglichkeit eröffnen, gezielt private Aufwendungen in den steuerrelevanten betrieblichen Bereich zu verlagern und auf diese Weise ungerechtfertigte Steuererleichterungen zu erlangen. Der Arbeitnehmer hingegen habe diese Möglichkeit nicht, weil er zunächst auf die Erlaubnis seines Arbeitgebers zur unentgeltlichen privaten Mitbenutzung der Telekommunikationsanlagen angewiesen sei (BMF-Schreiben vom 6.5.2002, DStR 2002 S. 999). Die Versagung der Steuerfreiheit für die private Nutzung eines betrieblichen Telefonanschlusses durch Freiberufler, wurde durch den Bundesfinanzhof in mehreren Entscheidungen bestätigt (BFH-Urteil v. 21.06.2006, XI R 50/05; BFH-Urteil v. 14.03.2007, XI R 1/06; BFH/NV v. 29.06.2007, V B 1/06). Danach ist die auf Arbeitnehmer beschränkte Einkommensteuerfreiheit der Vorteile aus der privaten Nutzung von betrieblichen Personalcomputern und Telekommunikationsgeräten mit dem allgemeinen Gleichheitssatz vereinbar.

Teilwert als Bewertungsgrundlage für Gewinneinkünfte

Bei den Gewinneinkünften sind die Aufwendungen für betriebliche Telekommunikationsgeräte zunächst in vollem Umfang Betriebsausgaben (§ 4 Abs. 4 EStG). Die private Nutzung durch den Betriebsinhaber ist als Entnahme zu erfassen, die den steuerlichen Gewinn erhöht und damit den Betriebsausgabenabzug insoweit kompensiert (§ 4 Abs. 1 Satz 2 EStG).

Die Bewertung der Privatentnahme erfolgt mit dem sogenannten Teilwert (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Unter Teilwert werden hier die tatsächlichen Selbstkosten verstanden. Da es aber sehr schwierig ist, den Umfang der Privatnutzung genau zu beziffern, können die anteiligen Telefonkosten geschätzt werden. In Baden-Württemberg legt die Finanzverwaltung für den privaten Telefonanteil einen Richtwert von 360 Euro zugrunde.

Weitere Steuertipps gibt es im DHZ-Steuerarchiv.

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