Im Kampf um Fachkräfte lassen sich Handwerker einiges einfallen, um ihre Mitarbeiter an den Betrieb zu binden. Weil sie nicht mit dicken Gehaltsschecks locken können, sind es vor allem Zusatzleistungen, die als Zeichen der Wertschätzung angenommen werden.
Michael Sudahl

Für Markus Wasserle sind Zusatzleistungen für die Mitarbeiter eine Selbstverständlichkeit. Der Gesellschafter des gleichnamigen Reinigungsunternehmens mit Sitz in Landsberg hat einen ganzen Strauß an Bindungsmaßnahmen zusammengestellt.
Weil drei Viertel des Personals weiblich sind, bietet er etwa Selbstverteidigungskurse für Frauen an. Weil in seiner Firma Menschen aus mehr als 20 Ländern arbeiten, lädt der 32-Jährige zum internationalen Kochkurs ein. Oder er mietet kurzerhand einen komfortablen Reisebus, um mit 60 seiner 170 Leute nach Berlin auf eine Fachmesse zu fahren.
Der Aufwand lohnt sich
"Das alles fördert den Gemeinschaftssinn und macht den Menschen Spaß", ist sich Wasserle sicher. Und er ergänzt: Er fordere im Arbeitsalltag viel Engagement von seinen Mitarbeitern, dafür wolle er neben dem Tariflohn etwas zurückgeben. Der Aufwand lohnt sich. Die Fluktuation ist gering. "Wer das erste halbe Jahr übersteht, bleibt lange bei uns", verdeutlicht der Mittelständler, der neben weichen auch harte Zusatzleistungen bietet.
In einem Paket, das den Unternehmer 30 Euro pro Mitarbeiter und Monat kostet, bietet Wasserle Versicherungsschutz. Weil viele seiner ausländischen Mitarbeiter ihren Urlaub in ihren Heimatländern verbringen, ist in dem Paket eine Auslandsversicherung mit drin.
Daneben bezahlt der Chef den Zahnersatz. Denn eine entsprechende Rahmenpolice hat Wasserle ebenfalls für die Mitarbeiter abgeschlossen. Hinzu kommt eine Versicherung, die das Krankengeld übernimmt. "So dass nach sechs Wochen Ausfallzeit das Gehalt nicht auf 67 Prozent abfällt", wie Wasserle sagt. Denn das würde manchem große Geldsorgen bereiten.
Diese Art der Zusatzversicherungen sind im Kommen, weiß Markus Sobau. Der Chef von Confina Finanzplanung in Mannheim berät Handwerksbetriebe. "Die Firmen müssen es schaffen, ihre Mitarbeiter emotional an den Betrieb zu binden – der Benzin-Gutschein reicht da nicht mehr", sagt der Versicherungsmakler. Sobau rennen die Chefs derzeit die Bude ein.
Wem die Gesundheit seiner Leute am Herzen liegt, für den ist eine betriebliche Krankenversicherung ein guter Tipp. Sie spart dem Arbeitnehmer die Ausgaben etwa für Brille, Zahnersatz, Chefarzt- oder Heilpraktiker-Behandlung. Und er hat Anspruch auf ein Zweibett-Zimmer im Krankenhaus.
Lästige Fragen entfallen
Vorteil für die Chefs: "Sie können die Versicherungen erst mal für ein Jahr abschließen, etwa als Bonus für erfolgreiche Mitarbeiter, und später bei Bedarf verlängern", rät Sobau. Die Arbeitnehmer kommen so an einen Vertrag, den sie sich selbst nicht leisten wollen. Eine private Zahnzusatzversicherung kostet bis zu 40 Euro im Monat.
Ganz wichtig: Schließt ein Handwerker mehr als fünf Verträge bei einem Versicherer ab, entfallen lästige Gesundheitsfragen. Das ist interessant für ältere Menschen. Oder Allergiker, Asthmatiker oder Mitarbeiter mit anderen chronischen Vorerkrankungen. Für Arbeitgeber hingegen ist die betriebliche Krankenversicherung mit wenig Aufwand zu haben: Pakete gibt es ab zehn Euro pro Monat und Beschäftigten.
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Gefragt sind zudem betriebliche Altersvorsorgeverträge, die der Chef aufstockt. Kälteanlagenbauermeister Bernd Dinger bietet das jedem seiner 18 Mitarbeiter an. 90 Prozent haben zugegriffen. "Ich bin der Meinung, dass die gesetzliche Rente später einmal nicht ausreicht", sagt der Chef von Dinger und Schwarz aus Heidelberg. Daher redet der Firmengründer bereits mit den Lehrlingen über Altersvorsorge.
Konkret bedeutet das: Zahlt ein Mitarbeiter 150 Euro pro Monat in die betriebliche Altersvorsorge ein, hat er nur 75 Euro netto weniger auf dem Gehaltsstreifen, sein Chef legt 50 Euro obendrauf, was ihn fast nichts kostet. Denn die Aufstockung ist von Sozialabgaben befreit. Dinger: "Ich gebe die Einsparung einfach meinen Leuten zurück."
Tipps zur Mitarbeiterbindung
- Der Benzingutschein ist eine Möglichkeit, um Mitarbeitern einen Benefit zu geben. Genauso gut kommen an: Massagestunden, Sicherheitstrainings, Koch- oder Sprachkurse oder der klassische Betriebsausflug.
- Bei finanziellen Zusatzleistungen wie betrieblicher Altersvorsorge oder Krankenversicherung auf Freibeträge achten. Finanzplaner, Steuerberater und die Kammer können helfen.
- Warum nicht einen persönlichen Anlass wie ein Jubiläum nehmen, um Zusatzleistungen einzuführen Nach zehn Jahren Firmenzugehörigkeit eine Betriebsrente zu spendieren, ist zum Beispiel ein guter Anlass.
- Immer wieder gerne empfohlen: Berufsbekleidung, die der Chef bezahlt. Der einheitliche Auftritt fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl und damit die Bindung an den Betrieb.