Baubranche bleibt weiter krisenfest - Konjunktur - deutsche handwerks zeitung

Konjunktur - 12.10.2012

Herbstumfrage der Creditreform

Baubranche bleibt weiter krisenfest

Viele Mittelständler in Deutschland sehen ihre Geschäftslage nicht mehr so positiv wie im vergangenen Jahr. Das ergab die Herbstumfrage der Creditreform. Gänzlich unbeeindruckt zeigt sich hingegen die Baubranche. Die Baufirmen schätzen ihre Geschäftslage nahezu unverändert positiv ein. Von einem Problem sind jedoch alle Branchen betroffen.

scusi - Fotolia
Noch zeigt sich die Baubranche vom konjunkturellen Abschwung unbeeindruckt. Viele Baubetriebe rechnen aber mit einem Auftragsrückgang.

"Die deutsche Konjunktur zeigt erste Anzeichen einer Abkühlung", sagte Helmut Rödl am Mittwoch in München bei der Vorstellung der Herbstumfrage. Dies signalisieren die Äußerungen der befragten Mittelständler in den Wirtschaftsbereichen Verarbeitendes Gewerbe, Bau, Handel und Dienstleistungen.

Nachdem die Geschäftslage des vergangenen Jahres sehr positiv beurteilt wurde, zeigen sich die befragten Betriebe jetzt doch erheblich zurückhaltender. Insgesamt sind die Aufträge zurückgegangen. Konnten im Vorjahr noch 36,6 Prozent der befragten Betriebe ein Auftragsplus vermelden, sind es im Herbst 2012 nur noch 29,6 Prozent. Damit aber immer noch positiv.

Nur die Baubranche ist von den Auftragsrückgängen nicht betroffen. Die Bauunternehmer bewerten jedoch die zukünftige Auftragslage am schlechtesten. Nach dem dicken Auftragspolster der vergangenen Monate werde sich die Auftragskurve im Bau saisonbedingt wieder nach unten entwickeln: Für die kommenden Monate rechnet nur jedes neunte Bauunternehmen (11,6 Prozent) mit einem Auftragsplus.

Genau wie bei den Auftragseingängen fällt die Umsatzlage im Bau am besten aus. 43,4 Prozent der Bauunternehmen verzeichneten im vergangenen halben Jahr gestiegene Umsätze – das sind sogar 6,7 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Insgesamt knickt der Umsatz bei den Mittelständlern ein und liegt derzeit auf dem Vorkrisenniveau von 2008. Im Handel ist die Umsatzsituation am schlechtesten.

Neue Mitarbeiter schwer zu finden

Die rückläufige Umsatzentwicklung lässt sich laut Helmut Rödl von der Creditreform unter anderem damit erklären, dass in den vergangenen Monaten immer weniger Unternehmen in der Lage waren, gegenüber ihren Kunden höhere Preise durchzusetzen. Am häufigsten waren die Unternehmen aus dem Bau in der Lage, steigende Angebotspreise gegenüber ihren Kunden zu rechtfertigen (25,8 Prozent).

Die kleinen und mittleren Betriebe wollen deshalb in den kommenden Monaten weniger Personal als jetzt einstellen. Es werden aber immer noch Mitarbeiter gesucht – vor allem am Bau. Jedoch haben vor allem kleine und mittlere Betriebe Schwierigkeiten damit, geeignetes Personal zu finden.

Die aktuelle Herbstumfrage zeigt: 38,6 Prozent der befragten Mittelständler hatten bei der Besetzung offener Fachkräfteposten Probleme. 15,6 Prozent der Unternehmen waren schlichtweg nicht in der Lage, die freien Facharbeiterstellen zu besetzen. Auf ausländische Fachkräfte haben jedoch nur wenige Unternehmen zurückgegriffen und auch in Zukunft dürfte das Ausland im Hinblick auf die Besetzung offener Stellen keine Option sein, ergab die Herbstumfrage der Creditreform.

Trotz des insgesamt negativen Trends bei den Aufträgen und beim Umsatz planen knapp 50 Prozent der befragten kleinen und mittleren Betriebe ein Investitionsvorhaben. Rödl: "Damit wird immerhin der vierthöchste Wert der vergangenen zehn Jahre erreicht."

Das zeige auch, so Rödl, dass der deutsche Mittelstand "weiter stabil ist". Für Deutschland sei das wichtig, denn der robuste Mittelstand "ist ein wichtiger Faktor für die gute wirtschaftliche Situation in Deutschland." rh

 

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