Versicherungen Thorsten Rudnik: Das sollten Handwerker bei Versicherungen beachten

Versicherungsberater Thorsten Rudnik rät, bei Versicherungen immer erst existenbedrohende Risiken zu bedenken. Auch die Familie gehört für den Ernstfall abgesichert.

Sabine Hildebrandt-Woeckel

Als Erstes an die Absicherung von Leib und Leben denken – für sich und die Familie. ­Alles andere kommt bei Versicherungen an zweiter Stelle. - © Foto: imago/blickwinkel

Wer Familie hat, möchte diese im Ernstfall auch abgesichert wissen. Versicherungsberater Thorsten Rudnik erläutert, worauf Sie achten sollten.

Thorsten Rudnik. - © Foto: privat

DHZ: Herr Rudnik, was sind die wichtigsten Schritte zum richtigen Versicherungsschutz?

Rudnik: Stellen Sie eine Rangliste der Risiken auf. Existenzbedrohende Risiken müssen immer zuerst und in voller Höhe abgesichert werden. Hierzu gehören alle Haftpflichtrisiken, die Absicherung der eigenen Arbeitskraft bei Krankheit oder Unfall und ein ausreichender Hinterbliebenenschutz. Besteht hier guter Schutz, müssen auch teure Vermögenswerte (Gebäude, Inventar oder das Auto) versichert werden. Viele Versicherungen, die nur kleine Risiken abdecken, sind entbehrlich.

DHZ: Wie stelle ich denn den Hinterbliebenenschutz sicher?

Rudnik: Ganz wichtig ist die Risiko-Lebensversicherung, die nicht mit einem Sparvertrag kombiniert wird. Mit einer Risiko-Lebensversicherung können hohe Summen zu bezahlbaren Beiträgen versichert werden.

DHZ: Wie ermittele ich die Summe, die ich absichern sollte?

Rudnik: Ausgehend vom möglichen schlimmsten Fall des Todes oder einer Berufsunfähigkeit muss geklärt werden, ob und welche Ansprüche aus der gesetzlichen oder bereits bestehenden privaten Versicherungen, beispielsweise Kapital-Lebensversicherungen, vorhanden sind. Weitere Einkünfte, wie Zins- oder Mieteinnahmen, können ebenfalls berücksichtigt werden. Eine entstehende Versorgungslücke sollte dann voll geschlossen werd

"Spätestens ab dem 40. Lebensjahr sollte man sich mit dem Thema Pflege beschäftigen"

DHZ: Was ist denn mit Kapital-Lebensversicherungen?

Rudnik: Besteht eine solche Police dauerhaft, kann die dort versicherte Todesfallsumme berücksichtigt werden. Mit einer Kapital-Lebensversicherung kann aber nie ein vollständiger Schutz erreicht werden. Das wäre für eine Familie unbezahlbar, denn wir reden beim Hinterbliebenenschutz immer von höheren sechsstelligen Summen. Von Neuabschlüssen rate ich ab.

DHZ: Gibt es irgendwelche handwerks­typischen Aspekte zu beachten?

Rudnik: Handwerker haben gerade bei Abschluss der wichtigen Berufsunfähigkeitsversicherung Schwierigkeiten. Versicherer lehnen häufig ab oder verlangen horrende Zuschläge. Für manche Handwerker wird sie unbezahlbar. In diesen Fällen sollte zumindest eine private Unfallversicherung mit hoher Invaliditätsabsicherung abgeschlossen werden.

DHZ: Für wen muss ich Versicherungen abschließen? Nur für mich selbst oder auch für meinen Partner? Was ist, wenn der gar nicht berufstätig ist?

Rudnik: Auch nicht berufstätige Partner tragen oft erheblich durch häusliche Leistungen zum Familieneinkommen bei. Fallen diese durch Krankheit, Unfall oder sogar Tod aus, entsteht eine große Lücke im Budget. Deshalb sollte auch der Partner eine Risiko-Lebensversicherung und eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Schließt der Partner keine Berufsunfähigkeitsversicherung ab, sollte zumindest eine hohe Unfallversicherung bestehen.

Auf Seite 2 lesen Sie, ob Sterbegeldversicherungen sinnvoll sind und ob sich Selbstständige anders absichern müssen als Angestellte. >>>

DHZ: Und was ist mit den Kindern?

Rudnik: Wichtig ist auch hier, dass guter Haftpflichtschutz besteht. Gerade für Familien mit Kindern bieten die Versicherer moderne Policen an, die speziell dem Bedarf entsprechen. Für die Kinder selbst empfehle ich eine Invaliditätsabsicherung, die sowohl Krankheiten wie auch Unfälle absichert. Eine Krankenhaus-Zusatzversicherung kann, sofern finanziell möglich, sinnvoll sein. Sparen für die Ausbildung der Kinder steht ganz am Ende.

DHZ: Auch das Thema "Pflege" wird ja immer wichtiger, was raten Sie in diesem Zusammenhang?

Rudnik: Spätestens ab dem 40. Lebensjahr sollte man sich auch mit diesem Thema beschäftigen. Die privaten Krankenversicherer bieten verschiedene Tarife an. Zu empfehlen sind die Pflegetagegeldversicherungen. Wichtig: Eine Pflegeversicherung sollte nicht nur die Pflegestufe 3 versichern, sondern in allen Pflegestufen und auch bei Demenz leisten. Für bereits erkrankte Personen kommt auch der staatlich geförderte "Pflege-Bahr" in Betracht.

"Selbstständige haben in der Regel einen höheren Bedarf an privater Absicherung"

DHZ: Beliebt sind auch Sterbegeldversicherungen? Wie stehen Sie dazu?

Rudnik: Sterbegeldversicherung gehören zu den Top 5 der überflüssigen Versicherungen. Um Beerdigungskosten abzusichern, schließt man besser frühzeitig eine kleine Risiko-Lebensversicherung ab und spart parallel die nötige Summe an. Bei Sterbegeldversicherungen bekommen Angehörige meist weniger raus als einbezahlt wurde.

DHZ: Müssen sich Selbstständige anders absichern als Angestellte?

Rudnik: Selbstständige haben in der Regel einen höheren Bedarf an privater Absicherung bei Krankheit, Berufsunfähigkeit oder Tod. Selbstständige, die privat krankenversichert sind, müssen auf den Zusatz einer Krankentagegeldversicherung achten. Und auch für die Firma müssen zusätzliche Versicherungen abgeschlossen werden. Hier ist besonders an den Haftpflichtschutz für die selbstständige Tätigkeit zu denken. Wichtig ist aber auch, dass das Betriebsgebäude mit Inhalt und eine mögliche Betriebsunterbrechung ausreichend versichert sind. Hat der Selbstständige für sein Unternehmen einen Kredit beansprucht, sollte hierfür eine Risiko-Lebensversicherung für den Todesfall vereinbart werden.

Thorsten Rudnik war mehr als 20 Jahre im Verbraucherschutz tätig, davon mehr als acht Jahre im Vorstand und als Pressesprecher beim Bund der Versicherten. Seit Anfang 2014 arbeitet er als zugelassener Versicherungsberater.

Welche Versicherung brauche ich?
Unverzichtbar Wichtig Weniger wichtig Überflüssig
alle Haftpflichtversicherungen
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private Unfallversicherungalle anderen Kranken-
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Sterbegeld-
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Risiko-Lebensversicherungprivate Pflege-ZusatzversicherungRechtsschutz-
versicherung
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Lebensversicherung
für Kinder: Invaliditätsversicherungfür Kinder: stationäre
Zusatzversicherung
Reiserücktritts-
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Aussteuer- oder
Ausbildungs-
versicherungen
– private Krankentagegeld-
Versicherung
– Auslandsreise-
Krankenversicherung
Kfz-Kaskoversicherung
(bei teuren Fahrzeugen)
– Jugendschutzbriefe
– Unfallversicherung mit
Prämienrückgewähr
Wohngebäude-
versicherung
Hausratversicherung– Insassen-Unfallversicherung
– weitere Sachversicherunge für
Glas, Fahrrad, Reisegepäck,
Handy, Brillen