WorldSkills in Shanghai Zweimal Gold: Möbelschreiner und Betonbauer holen WM-Titel

Beim größten Berufsvergleich der Welt holt Team Germany zweimal Gold, einmal Silber, dreimal Bronze und 15 Exzellenzmedaillen – insgesamt 22 Auszeichnungen. Die Goldmedaillen gehen ans Handwerk: an den Möbelschreiner Tobias Kelz und das Duo Tim Arnold und Jakob Distler im Stahlbetonbau. Wie die WorldSkills 2026 liefen – und auf welchem Platz Deutschland im Medaillenspiegel landet.

Tim Arnold (links) und Jakob Distler feiern ihren WM-Titel im Stahlbetonbau bei den WorldSkills 2026 in Shanghai. - © WorldSkills International

Bei den WorldSkills 2026 in Shanghai steht das deutsche Handwerk in drei Disziplinen auf dem Treppchen: Tobias Kelz gewinnt Gold als Möbelschreiner, Tim Arnold und Jakob Distler holen Gold im Beton- und Stahlbetonbau, Florian Dorer gewinnt Silber als Zimmerer. Insgesamt erzielt die Deutsche Berufe-Nationalmannschaft mit Spitzenkräften aus Industrie, Handwerk und Dienstleistung bei der Weltmeisterschaft der Berufe 22 Auszeichnungen – darunter zwei Goldmedaillen, eine Silbermedaille und drei Bronzemedaillen sowie 15 Exzellenzmedaillen und eine Silbermedaille im Sonderwettbewerb Speed Programming.

Ein Punkt Vorsprung: Kelz kämpft sich zur Goldmedaille

Mit 731 von 800 Punkten und nur einem Punkt Vorsprung auf den Silbermedaillengewinner gelingt Möbelschreiner Tobias Kelz denkbar knapp der Sieg. Im Wettbewerb fertigte er ein anspruchsvolles Möbelstück aus Massivholz und Plattenwerkstoffen. 22 unterschiedliche Eckverbindungen musste er dabei präzise ausführen. Einzelne Werkstückteile wurden bereits während des Wettbewerbs bewertet, bevor Kelz sie am Ende zum fertigen Möbelstück zusammensetzte. Ein Kampf gegen die Uhr: Der Möbelschreiner vollendete sein Stück erst unmittelbar vor Ablauf der Zeit.

"Hier Gold gewonnen zu haben und Weltmeister zu sein, fühlt sich saugut an! Ich habe für zuhause zwar noch keine Party geplant, aber damit könnte ich langsam mal anfangen", sagt Kelz.

Thomas Radermacher, Präsident von Tischler Schreiner Deutschland, kommentiert: "Das sind Momente, die Gänsehaut verursachen. Tobias Kelz hat sich diese Goldmedaille mit außergewöhnlichem Können, großer Disziplin und beeindruckender Nervenstärke verdient."

Kelz hatte sich über Landes- und Bundeswettbewerbe bis in die Nationalmannschaft vorgearbeitet und sich Anfang 2026 in einem Auswahlwettbewerb gegen weitere Kandidaten durchgesetzt. In mehreren Trainingswochen an der Holzfachschule Bad Wildungen hatte er sich auf die Anforderungen in Shanghai vorbereitet.

"Die Freude über diese Ergebnisse ist riesig. Solche Erfolge kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Ergebnis einer hervorragenden Ausbildung, intensiver Förderung und vieler Stunden harter Arbeit", sagt Katharina Gamillscheg, Hauptgeschäftsführerin von Tischler Schreiner Deutschland.

Tobias Kelz bei den WorldSkills
Möbelschreiner Tobias Kelz bei der Arbeit an seinem Wettbewerbsstück in Shanghai: Bei den WorldSkills entscheiden Millimeter – jede Abweichung kostet Punkte, jede Sekunde zählt. - © WorldSkills International

Gold im Stahlbetonbau, Silber für den Zimmerer

Schleppen, richten, schalen, betonieren – und das fünfmal: Tim Arnold und Jakob Distler gewinnen mit dieser Leistung Gold im Beton- und Stahlbetonbau, gegen acht Teams aus aller Welt. Die Aufgabe: Im Zweierteam fünf Module errichten – darunter eine Wandkreuzung mit herzförmiger Aussparung und einem Hexagon in Anlehnung an das WorldSkills-Logo, eine sechsstufige Treppe in Form einer chinesischen Gartenbrücke, einen Tisch auf hexagonaler Basis sowie einen Bewehrungskorb und eine Betonstele mit eingearbeitetem WorldSkills-Logo und der Jahreszahl 26. Sämtliche Bauteile mussten vollständig eingeschalt und betoniert werden – eine große zeitliche Herausforderung.

Arnold sagt nach der Siegerehrung: "Wir wussten zwar, dass wir nicht schlecht dran waren. Aber mit Gold hatten wir nicht gerechnet. Jetzt geht es nach Hause und dann wird erstmal so richtig mit Freunden und Familie gefeiert." Distler findet schlichtere Worte: "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll: einfach geil!"

>> Wie Bundestrainerin Jule Janson Tim Arnold und Jakob Distler auf Shanghai vorbereitet hat: Zum Interview

STahlbetonbauer aus deutschland bei worldskills 2026
Tim Arnold und Jakob Distler beim Betonieren in Shanghai: Fünf Module musste das Duo unter Zeitdruck errichten. - © WorldSkills Germany / Frank Erpinar

Einen Pavillon in Holzständerbauweise, drei Module, teils nach eigenen Berechnungen, teils nach CAD-Plänen: Florian Dorer holt damit Silber als Zimmerer – Platz zwei von 16 Teilnehmern. Die Konstruktion bestand aus einer Balkenlage als Unterbau, vier Wänden mit integrierter Tür und Strebe sowie einem Walmdach mit schrägem Giebel. Dorer hatte drei Jahre lang Geometrie trainiert, die Königsdisziplin im Zimmererhandwerk, und sich auf eine entsprechend anspruchsvolle Aufgabe vorbereitet. In Shanghai sah die Aufgabe jedoch anders aus: praxisnäher, eher wie etwas, das man von der Baustelle kennt. Dorer passte sich an und lieferte trotzdem ein starkes Ergebnis. "Das viele Trainieren hat sich ausgezahlt", sagt er trotz des anders gewählten Trainingsschwerpunkts.

"Was für eine starke Leistung unseres Teams! Alle haben gekämpft, alles gegeben und gezeigt, was in ihnen steckt", sagt Rüdiger Otto, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), der das Team nach Shanghai begleitete.

Dorer bei Worldskills
Säge, Maß, Silber: Zimmerer Florian Dorer bei den WorldSkills in Shanghai – Platz zwei von 16 Teilnehmern. - © WorldSkills Germany / Frank Erpinar

Bronze für Cyber Security, Landschaftsgärtner und Water Technology

Drei weitere Bronzemedaillen gehen ebenfalls an Deutschland: Lucas Rother und Luke Finn Zamponi gewinnen Bronze in der Disziplin Cyber Security. Die beiden erhalten zudem die "Best-of-Nation"-Medaille als die deutschen Teilnehmer mit der höchsten Punktzahl im gesamten Team. Marc-Aurel Spalek und Lennard Weitzmann holen Bronze als Landschaftsgärtner. Elias Sichler gewinnt Bronze in der Disziplin Water Technology.

"Es ist so ein unbeschreibliches Gefühl. Die ganze Arbeit hat sich gelohnt! Wir danken unserem Betrieb, Familien und Freunden, die uns auf dem Weg unterstützt haben", sagen Weitzmann und Spalek.

15 Exzellenzmedaillen für herausragende Leistungen

Neben den Podiumsplätzen erhalten 16 weitere Teilnehmer in 15 Wettbewerben eine Exzellenzmedaille – sie wird vergeben, wer mindestens 700 von 800 möglichen Punkten erreicht:

  • Lars Wagner – Anlagenmechaniker SHK
  • Finn Gücker – Bauschreiner
  • Daniel Meyr – CNC-Drehen
  • Chiara Lammenett – Digital Construction
  • Leo Kloft – Elektroinstallation
  • Noah Seiler – Fahrzeuglackierer
  • Niko Schleicher – Fliesenleger
  • Timo Jansen – Kälte- und Klimatechnik
  • Hannes Wirsing – Kfz-Mechatronik
  • Lara Riedmair – Konditorin
  • Leonhard Eham – Maurer
  • Markus Lober und Luis Preissinger – Mechatronik
  • Nils Jakubzick – Mobile App Development
  • Dennis Hilfinger – Software Applications Development; außerdem Silber im Sonderwettbewerb Speed Programming
  • Miklas Schmidt – Web Technologies

Deutschland auf Platz 11 – China dominiert

Mehr als 1.400 Teilnehmer aus über 70 Ländern und Regionen traten in 64 Disziplinen an. Der Medaillenspiegel wird nach durchschnittlichen Medaillenpunkten berechnet – also nicht allein nach der Zahl der Medaillen, sondern auch danach, in wie vielen Disziplinen ein Land antritt. Deutschland belegt mit 31 Teams Platz elf und erreicht 1,03 durchschnittliche Medaillenpunkte.

Gastgeber China dominierte den Wettbewerb: In allen 64 Disziplinen vertreten, gewann China 41 Goldmedaillen, elf Silbermedaillen, vier Bronzemedaillen und sechs Exzellenzmedaillen – Platz eins mit 3,30 Punkten. Dahinter folgten Korea (Platz zwei, 1,76 Punkte), die Schweiz (Platz drei, 1,50 Punkte) und Frankreich (Platz vier, 1,47 Punkte).

"Duale Ausbildung bietet eine starke Basis"

Michael Hafner, Vorstandsvorsitzender von WorldSkills Germany, zieht ein positives Fazit: "Unsere jungen Fachkräfte haben sich gegen starke Konkurrenz behauptet, insbesondere auch in einem Gastgeberland wie China, das berufliche Spitzenleistung mit großer Konsequenz fördert. Der Wettbewerb zeigt: Unsere duale Ausbildung bietet eine starke Basis."

Hubert Romer, Geschäftsführer und Official Delegate von WorldSkills Germany, ergänzt: "Mit insgesamt 22 Auszeichnungen hat unser Team in zahlreichen Disziplinen seine internationale Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Entscheidend ist für mich neben der Zahl der Medaillen vor allem die Gesamtleistung unseres Teams und das internationale Ranking, das daraus entsteht."

Catrin Hannken, Abteilungsleiterin "Berufliche Bildung und lebensbegleitendes Lernen" im Bundesbildungsministerium, macht sich vor Ort selbst ein Bild und sagt: "Mit ihren Leistungen machen sie sichtbar, welchen hohen Wert eine gute Ausbildung für unser Land hat, und können andere junge Menschen für diesen Weg begeistern. Gerade angesichts der Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt ist das ein wichtiges Signal: Die berufliche Bildung bleibt eines der zentralen Fundamente unseres Landes."

Blick nach vorn: EuroSkills 2027 in Düsseldorf, WorldSkills 2028 in Japan

Nach den WorldSkills 2026 richtet sich der Blick bereits auf die nächsten Wettbewerbe. 2027 richtet Deutschland gemeinsam mit Luxemburg die Europameisterschaft der Berufe, die EuroSkills, in Düsseldorf aus. Rund 150.000 Besucher und 800 Fachkräfte aus ganz Europa werden erwartet. Die nächste WorldSkills findet vom 15. bis 20. November 2028 in Aichi, Japan, statt.