Steigende Spritkosten Benzinpreise: So entlasten Sie Ihre Mitarbeiter und sich selbst

Extrem hohe Spritpreise an den Tankstellen belasten Arbeitnehmer, die mit dem Auto zur Arbeit fahren. Doch es gibt Möglichkeiten, das Finanzamt zu beteiligen. Auch der Arbeitgeber kann helfen.

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Hohe Spritkosten belasten Arbeitnehmer. Arbeitgeber können helfen. - © Anselm - stock.adobe.com

"Ich bin dann mal weg!" – ein Satz, den Arbeitgeber von ihren Mitarbeitern bald häufiger hören könnten. Denn durch die hohen Spritpreise an Deutschlands Zapfsäulen lohnen sich Jobs mit weitem Arbeitsweg teilweise nicht mehr.

Fährt ein Arbeitnehmer an 22 Tagen einfach 40 Kilometer zur Arbeit, muss er bei einem Verbrauch von sechs Litern/100 Kilometer und einem Preis von zwei Euro/Liter mit rund 211 Euro Spritkosten pro Monat rechnen. Da sucht sich mancher Arbeitnehmer lieber heimatnah einen Betrieb. Zumal Wertverlust und die Kosten für Reparaturen, Versicherung und Steuern noch oben drauf kommen. Das Zauberwort, um Arbeitnehmer jetzt zu halten: Fahrtkostenzuschuss.

Fahrtkostenzuschuss mit Pauschalversteuerung

Zahlt ein Handwerksbetrieb seinen Mitarbeitern einen Fahrtkostenzuschuss in der Höhe der als Werbungskosten abziehbaren Fahrtkosten und übernimmt zusätzlich die Lohnsteuer mit 15 Prozent (§ 40 Abs. 2 Sätze 2 und 3 EStG), kommt der Zuschuss im Geldbeutel in voller Höhe an. Ein riesiger Vorteil gegenüber der klassischen Gehaltserhöhung, die nicht selten zur Hälfte für Steuern und Sozialabgaben draufgeht.

Beispiel: Arbeitnehmer Huber soll zur finanziellen Entlastung für die Fahrtkosten einen Fahrtkostenzuschuss bekommen. Er fährt monatlich an 22 Tagen einfach 20 Kilometer zur Arbeit. Beträgt der Fahrtkostenzuschuss maximal 132 Euro im Monat und übernimmt sein Chef die pauschalen Steuern von 10,70 Euro im Monat (15 Prozent Lohnsteuer und sieben Prozent Kirchensteuer), kommt der Zuschuss ohne Abzüge bei Huber an.

Zuschuss auch für Minijobber und Ehegatten

Der Fahrtkostenzuschuss mit Übernahme der Pauschalsteuer durch den Arbeitgeber bewirkt, dass dieser nicht zum steuerpflichtigen Arbeitslohn führt. Demnach können auch Minijobber, die 450 Euro im Monat verdienen, in den Genuss des Fahrtkostenzuschusses kommen, ohne ihren Status als Minijobber zu verlieren. Auch dem im Handwerksbetrieb angestellten Ehegatten kann der Zuschuss ausgezahlt werden. Hier gilt jedoch der Fremdvergleich: Wenn, dann müssen alle Mitarbeiter den Zuschuss erhalten. Würde nur der Ehegatte einen Fahrtkostenzuschuss erhalten und die anderen Mitarbeiter nicht, würde das Finanzamt diesen Zuschuss steuerlich nicht zum Abzug vom Gewinn zulassen, weil das Gehaltsextra als nicht fremdüblich eingestuft wird.

Gehaltsextra Tankgutschein

Soll es nicht gleich ein Fahrtkostenzuschuss werden, den der Arbeitnehmer für immer und ewig erwartet, können Betriebsinhaber auch auf Benzingutscheine setzen. Diese Gutscheine bleiben bis zu ­einem Wert von 50 Euro pro Monat steuer- und abgabenfrei.

Chauffeur-Service in Erwägung ziehen

Wohnen Mitarbeiter nicht allzu weit auseinander, kann es auch sinnvoll sein, die Arbeitnehmer im Rahmen einer Sammelbeförderung von zu Hause abzuholen, an die jeweiligen Einsatzorte zu chauffieren und nach Feierabend wieder nach Hause zu fahren. Auch eine Möglichkeit, den Arbeitnehmer finanziell von den Fahrtkosten zu entlasten.

So sparen Unternehmer Steuern

Auch selbständige Handwerker sollten Wegen suchen, auf die steigenden Spritpreise an den Tankstellen zu reagieren. Hier einige Steuerspar-Überlegungen für den betrieblichen Fuhrpark:

1. Umrüstung auf Flüssiggas

Wer in die Fahrzeuge seines Fuhrparks eine Flüssiggasanlage einbauen lässt, spart künftig Spritkosten. Wird der Wert für die Privatnutzung dieser Fahrzeuge nach der 1-Prozent-Regelung ermittelt, erhöht der nachträgliche Einbau dieser Anlage übrigens nicht den für die 1-Prozent-Regelung maßgeblichen Bruttolistenpreis. Trotz des Einbaus der Anlage ändert sich an der Zurechnung zum Gewinn für die Privatnutzung nichts.

2. Umstieg auf Elektroauto interessant

Kostenbewusste Betriebe liebäugeln mit dem Kauf mehrerer Elektrofahrzeuge. Und das lohnt sich steuerlich in der Regel. Denn bei Ermittlung des Privatanteils winken bei Nutzung eines Elektroautos zumindest ertragsteuerliche Vergünstigungen. Wird kein Fahrtenbuch geführt, ist der zu versteuernde Privatanteil grundsätzlich nach der 1-Prozent-Methode zu ermitteln.

Das bedeutet im Klartext: Ein Prozent des inländischen Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung müssen monatlich dem Gewinn für die Privatnutzung hinzugerechnet werden. Wird ein Elektro-Firmenwagen oder ein Hybrid-Elektro-Firmenwagen genutzt, müssen unter bestimmten Voraussetzungen nur 25 oder 50 Prozent des inländischen Bruttolistenpreises gewinnerhöhend erfasst werden. Bei Führung eines Fahrtenbuchs werden die Abschreibung des Pkws bzw. die Leasingraten nur mit 25 oder 50 Prozent bei Ermittlung der Gesamtkosten erfasst. Ausführliche Infos dazu finden Sie in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 5. November 2021 (abrufbar hier).

Wichtig: Die steuerlichen Vergünstigungen für Elektro-Firmenwagen oder Hybrid-Elektro-Firmenwagen gelten bei Ermittlung der Umsatzsteuer für die Privatnutzung nicht. Ausführliche Informationen zur Umsatzsteuer für die Privatnutzung finden Sie in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 7. Februar 2022 (abrufbar hier).

3. Privat-Pkw: Fahrtenbuch führen

Nutzt ein Unternehmer auch seinen Privat-Pkw für betriebliche Fahrten, kann er anstatt der Kilometerpauschale von 30 Cent je betrieblich gefahrenen Kilometer die tatsächlichen Kosten je Kilometer als Betriebsausgaben abziehen. Dazu ist es jedoch notwendig, dass ein Fahrtenbuch geführt wird. Vorteil: Angesichts der hohen Spritpreise dürfte es einfach sein, mehr als 30 Cent je Kilometer vom Gewinn abziehen zu dürfen.