Zuordnungswahlrecht Vorsteuerabzug für privat gekauften Pkw: So funktioniert´s

Wer sich im Jahr 2020 privat einen Pkw gekauft hat, darf diesen unter bestimmten Voraussetzungen dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen. Vorteil: Selbstständige können die Vorsteuer so vom Finanzamt zurückverlangen. Welche Voraussetzungen gelten und warum Unternehmer nicht allzu lange mit der Zuordnungsentscheidung warten sollten.

Der neue Pkw wird hin und wieder auch für betriebliche Zwecke genutzt? Selbstständige können in diesem Fall unter Umständen die Vorsteuer vom Finanzamt zurückfordern. - © Michael S. Schwarzer - stock.adobe.com

Selbstständige können einen privat gekauften Pkw oder einen anderen privat gekauften Gegenstand dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen, wenn sie nachweisen können, dass sie diesen nachweislich zu mindestens zehn Prozent unternehmerisch nutzen (§ 15 Abs. 1 Satz 2 UStG).

Beispiel: Sie haben sich im Jahr 2020 einen privaten Pkw für 40.000 Euro zuzüglich 7.600 Euro Mehrwertsteuer gekauft. Nach Ablauf des Jahres 2020 haben Sie aus Aufzeichnungen zur Pkw-Nutzung ableiten können, dass Sie den neuen Privat-Pkw zu mindestens zehn Prozent für Ihr Unternehmen genutzt haben. Folge: Sie haben nun das Wahlrecht, den Pkw im Privatvermögen zu belassen oder Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuzuordnen. Entscheiden Sie sich für Zweiteres, winkt eine Vorsteuererstattung in Höhe von 7.600 Euro sowie die Vorsteuererstattung aus den laufenden Kosten.

Zuordnungsentscheidung zeitnah zu treffen

Die Entscheidung, ob ein Gegenstand dem Privatvermögen oder dem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuzuordnen ist, ist grundsätzlich bei Leistungsbezug in der betreffenden Umsatzsteuer-Voranmeldung zu treffen. Kann ein Unternehmer im Jahr 2020 aber noch nicht mit Gewissheit sagen, ob er einen Gegenstand zu mindestens zehn Prozent unternehmerisch genutzt hat, muss er die Zuordnungsentscheidung „zeitnah“ treffen. In diesem Fall über die Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2020.

Als zeitnah wird die Regelabgabefrist für die Umsatzsteuererklärung angesehen, jedoch ohne die Fristverlängerung für Unternehmer, die ihre Steuererklärungen von einem Steuerberater erstellen lassen (Abschnitt 15.2c Abs. 16 Satz 4 Umsatzsteuer-Anwendungserlass). Da die Abgabefrist für die Umsatzsteuererklärung im ATAD-Umsetzungsgesetz vom 31. Juli 2021 auf den 31. Oktober 2021 verlängert wurde, muss die Zuordnungsentscheidung also spätestens durch Abgabe einer Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2020 bis 31. Oktober 2021 getroffen werden.

Praxis-Tipp: Hier wird die Finanzverwaltung in Kürze eine Stellungnahme veröffentlichen. Selbst wenn Sie Ihre Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2020 von einem Steuerberater erstellen lassen, haben Sie mit der Abgabe nicht Zeit bis Ende Mai 2022. Möchten Sie einen Gegenstand dem Unternehmensvermögen zuordnen und ist das in den Umsatzsteuervoranmeldungen 2020 noch nicht geschehen, muss diese Zuordnung bis spätestens Ende Oktober durch Abgabe einer Umsatzsteuer-Jahreserklärung 2020 vorgenommen werden.

Folgen bei Zuordnung eines Gegenstandes zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen

Bei Zuordnung eines Privat-Pkws zum umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen gibt es also den Vorsteuerabzug aus dem Kaufpreis und aus den laufenden Pkw-Kosten. Doch im Gegenzug muss für die nichtunternehmerische Nutzung dieses Fahrzeugs ein Eigenverbrauch umsatzsteuerlich erfasst werden. Das sollten Selbstständige beim Zuordnungswahlrecht unbedingt bedenken.

Wahlrecht bei Umsatzsteuer und Ertragsteuer unterschiedlich ausüben

Sie können das Wahlrecht bei der Umsatzsteuer bzw. bei der Einkommensteuer übrigens unterschiedlich ausüben. Sie können den Pkw Ihrem umsatzsteuerlichen Unternehmensvermögen zuordnen und ihn ertragsteuerlich als Privatvermögen behandeln. In diesem Fall dürfen Sie zumindest für die betrieblich gefahrenen Kilometer die tatsächlichen Fahrtkosten oder pauschale Betriebsausgaben vom Gewinn abziehen.