Steuersparmodell Dienstwagen Steuersparmodell: Minijob mit Dienstwagen kombinieren

Ein Minijob-Arbeitsverhältnis mit nahen Angehörigen kann mit einer clever vereinbarten Dienstwagenüberlassung kombiniert werden. Was Sie beachten müssen, um vom Steuersparmodell Dienstwagen zu profitieren.

Firmenwagen stehen in einer Reihe im Autohaus
Der BFH bestätigte seine Rechtsprechung bei Zuzahlungen zu Anschaffungskosten eines Dienstwagens. - © tong2530 – stock.adobe.com

Gehen Ehegatten ein Arbeitsverhältnis in Form eines Minijobs ein, ist die Arbeitszeit meist flexibler, jeder Cent des Arbeitsverhältnisses ist bei steuerlicher Anerkennung des Finanzamts als Betriebsausgabe abziehbar und der Minijob-Ehegatte muss sein Minijob-Gehalt nicht mehr versteuern. Die Versteuerung bei Minijobs erfolgt durch den Arbeitgeber mit einer Pauschalabgabe von zwei Prozent. Der Bundesfinanzhof hat in einem aktuellen Urteil (BFH, Beschluss v. 16.12.2020, Az. VI R 19/18) ein weiteres interessantes ­Steuersparmodell anerkannt, das im Folgenden näher beleuchtet wird.

Kombination Minijob mit Dienstwagenüberlassung

In dem Streitfall beim Bundesfinanzhof stellte ein Sohn seinen Vater im Betrieb als Minijobber an. Vereinbart wurde ein monatliches Minijob-Gehalt von nur 75 Euro. Zusätzlich wurde als Ergänzung zum Arbeitsvertrag ein Kfz-Überlassungsvertrag abgeschlossen. Dieser sah vor, dass der Arbeitgeber dem Minijobber einen Dienstwagen überlassen muss.

Diesen Dienstagen darf der Minijobber (hier der Vater) nicht nur betrieblich, sondern auch privat und für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit verwenden. Im Gegenzug verpflichtet sich der Minijobber dazu, sich mit einem Einmalbetrag von 20.000 Euro am Kaufpreis des Dienstwagens zu beteiligen. Die Zuzahlung wird für einen Zeitraum von 96 Monaten bezahlt. Zusatzabsprache: Sollte der Dienstwagen vorzeitige zurückgegeben, veräußert oder getauscht werden, muss der Arbeitgeber dem Minijobber für jeden nicht genutzten Monat 1/96 der geleisteten Zuzahlung erstatten.

Tipp: Diese Thematik gilt nicht nur bei Anstellung eines Elternteils im Betrieb, sondern auch bei Minijob-Arbeitsverhältnissen mit allen anderen nahen Angehörigen, also speziell auch mit Ehegatten oder Kindern.

Problematik auf den Punkt gebracht

Strittig war in dem Streitfall, ob die Zuzahlungen des Minijob-Vaters auf die vereinbarte Laufzeit von 96 Monaten zu verteilen sind oder ob die Zuzahlungen so lange vom geldwerten Vorteil für die Dienstwagennutzung abgezogen werden, bis nichts mehr übrig ist. Eine Frage, deren Antwort eine erhebliche steuerliche Tragweite hat. Denn je nachdem, wie man die Zuzahlung des Minijobbers zu den Anschaffungskosten verteilt, liegt entweder nur kurz oder bei cleverer Vereinbarung für die gesamte vereinbarte Laufzeit ein Minijob-Verhältnis vor.

Steuerliche Behandlung von Zuzahlungen

Die Richter des Bundesfinanzhofs bestätigten die Rechtsprechung zur steuerlichen Behandlung von Zuzahlungen des Arbeitnehmers zu den Anschaffungskosten des Dienstwagens. Solche Zuzahlungen mindern den als Arbeitslohn zu versteuernden geldwerten Vorteil. Dasselbe gilt, wenn der Arbeitnehmer ein Nutzungsentgelt für die Privatnutzung bezahlt oder wenn er bestimmte Fahrzeugkosten wie Leasingraten oder Benzin übernimmt. Ein negativer – steuersparender – Arbeitslohn darf durch die Anrechnung der Zuzahlungen auf den geldwerten Vorteil nicht entstehen.

So rechnet das Finanzamt (falsch)

Nicht einig waren sich der Lohn­steuer­prüfer des Finanzamts und der Arbeitgeber. Bei einer Lohnsteuerprüfung beim Arbeitgeber ignorierte der Lohnsteuerprüfer, dass die als Einmalzahlung geleistete Zuzahlung des Minijobbers zum Kaufpreis des Dienstwagens von 20.000 Euro für einen Zeitraum von 96 Monaten geleistet wurde. Der Prüfer verrechnete die Zuzahlung in jedem Jahr in Höhe des vollen geldwerten Vorteils. Dadurch war die Zuzahlung nach drei Jahren aufgebraucht.

Das Problem dabei: Ab dem vierten Jahr war der angestellte Vater durch diese Berechnung kein Minijobber mehr (siehe Berechnung "Fehlerhafte …"). Soviel kann schon verraten werden: Nach Ansicht des Bundesfinanzhofs rechnet das Finanzamt hier falsch.

(Fehlerhafte) Anrechnung von Zuzahlungen des Arbeitnehmers auf den geldwerten Vorteil

Beispiel: Eine GmbH stellt den Vater des GmbH-Gesellschafters mit einem Monatsgehalt von 75 Euro als Minijobber an. Die GmbH überlässt dem Minijobber einen Dienstwagen und der Vater beteiligt sich mit einem Einmalbetrag von 20.000 Euro für einen Überlassungszeitraum von 96 Monaten. Der geldwerte Vorteil für die private Nutzung des Fahrzeugs und für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeit beträgt jährlich 6.876 Euro. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie die Finanzämter den Arbeitslohn hier bislang errechneten.

Jahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 4
Minijobgehalt900 Euro900 Euro900 Euro900 Euro
Geldwerter Vorteil Dienstwagennutzung+6.876 Euro+6.876 Euro+6.876 Euro+6.876 Euro
Abzüglich Zuzahlungen von 20.000 Euro-6.876 Euro-6.876 Euro-6.248 Euro0 Euro
Gesamter Jahresarbeitslohn900 Euro900 Euro900 Euro1.528 Euro7.776 Euro
Arbeitslohn pro Monat75 Euro75 Euro127,33 Euro648 Euro
Minijob (= Monatsgehalt von maximal 450 Euro)?jajajanein
Fazit: Nach der (falschen) Berechnungsmethode des Finanzamts liegt ab Jahr 4 kein Minijob-Arbeitsverhältnis mehr vor. Statt 2 Prozent Lohnsteuer muss die Lohnsteuer in diesem Fall nach den individuellen Verhältnisse berechnet und vom Arbeitnehmer getragen werden.

So rechnet der Bundesfinanzhof (richtig)

Wird im Überlassungsvertrag über den Dienstwagen für die Zuzahlung des Minijobbers ein Zeitraum genannt, muss das Finanzamt die Zuzahlungen auf diesen Zeitraum verteilen. Der Clou dabei: Wer hier clever rechnet, rettet für den gesamtem Zuzahlungszeitraum das Vorliegen eines Minijob-Verhältnisses (siehe Berechnung "Korrekte …").

(Korrekte) Anrechnung von Zuzahlungen des Arbeitnehmers auf den geldwerten Vorteil

Beispiel: Siehe Beispielsfall zum Kasten "Fehlerhafte Anrechnung von Zuzahlungen des Arbeitnehmers auf den geldwerten Vorteil"

Jahr 1Jahr 2Jahr 3Jahr 4 bis 8
Minijobgehalt900 Euro900 Euro900 Euro900 Euro
Geldwerter Vorteil Dienstwagennutzung+6.876 Euro+6.876 Euro+6.876 Euro+6.876 Euro
Abzüglich Zuzahlungenvon 20.000 Euro(verteilt auf 96 Monate = 2.500 Euro pro Jahr)-2.500 Euro-2.500 Euro-2.500 Euro-2.500 Euro
Gesamter Jahresarbeitslohn5.276 Euro5.276 Euro5.276 Euro5.276 Euro
Arbeitslohn pro Monat440 Euro440 Euro440 Euro440 Euro
Minijob (= Monatsgehalt von maximal 450 Euro)?jajajaja
Fazit: Nach der (korrekten) Berechnungsmethode des Bundesfinanzhofs liegt erst ab Jahr 9 kein Minijob-Arbeitsverhältnis mehr vor. Für die Laufzeit von 96 Monaten (= 8 Jahre) müssen für den Arbeitslohn also nur 2 Prozent pauschale Lohnsteuer vom Arbeitgeber abgeführt werden.

Bundesfinanzhof verneint Gestaltungsmissbrauch

Das Finanzamt wollte die Berechnungsmethode vor Gericht noch mit dem Argument kippen, dass hier ein steuerlicher Gestaltungsmissbrauch nach § 42 Abgabenordnung (AO) vorliegt. Mit anderen Worten: Eine solche Gehaltsvereinbarung aus Kombination eines niedrigen Minijob-Gehalts kombiniert mit einem Dienstwagen und der Zuzahlung des Arbeitnehmers ist wirtschaftlich nicht zu begründen.

Auch diesem Argument zeigten die Richter des Bundesfinanzhofs die rote Karte und urteilten zu Gunsten von Arbeitgeber und Minijobber. Damit das Minijob-Arbeitsverhältnis insbesondere mit Familienangehörigen vom Finanzamt in Zukunft anerkannt wird, sollte hier kein Alleingang gewagt werden. Im Vorfeld sollten Unternehmer unbedingt ihren Steuerberater einschalten, um keine verhängnisvollen steuerlichen Fehler zu machen.