Investitionsabzugsbetrag, Corona-Prämie und mehr Zum Jahresstart: 16 wichtige Steueränderungen

Das Jahressteuergesetz 2020, das Zweite Corona-Steuerhilfegesetz und andere Gesetze enthalten Neuregelungen, die Unternehmer im neuen Jahr beachten sollten. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Ob Homeoffice-Pauschale, Corona-Prämie oder Investitionsabzugsbetrag – 2021 bringt einige Steueränderungen. - © Dilok – stock.adobe.com

1. Investitionsabzugsbetrag Neuigkeit 1

Planen Sie in den Jahren 2021 bis 2023 Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen, können Sie bereits für 2020 einen Teil dieser voraussichtlichen Investitionskosten als Betriebsausgaben abziehen. Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Einkommensteuergesetz (EStG) steigt ab 2020 von 40 auf 50 Prozent der voraussichtlichen Investitionskosten.

2. Investitionsabzugsbetrag Neuigkeit 2

Neue Voraussetzung für den Abzug des 50-prozentigen Investitionsabzugsbetrags für geplante Investitionen ist ab 2020, dass der Gewinn vor Abzug nicht mehr als 200.000 Euro beträgt. Dabei spielt es keine Rolle mehr, ob Sie bilanzieren oder Ihren Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln.

3. Investitionsabzugsbetrag Neuigkeit 3

Das Finanzamt akzeptierte den Investitionsabzugsbetrag bisher nur, wenn der Gegenstand im Jahr der Investition und im Folgejahr ausschließlich im beziehungsweise für den Handwerksbetrieb genutzt wird. Neu: Ab 2020 wird es nicht beanstandet, wenn der Gegenstand im Jahr des Kaufs und im Folgejahr vermietet wird.

4. Investitionsabzugsbetrag Neuigkeit 4

Normalerweise kippt der Investitionsabzugsbetrag rückwirkend, wenn die Investition in den folgenden drei Jahren nicht realisiert wird. Doch 2020 ticken die Uhren wegen Corona anders. Haben Sie 2017 einen Investitionsabzugsbetrag vom Gewinn abgezogen, konnten aber 2020 wegen finanzieller Engpässe nicht investieren, darf das Finanzamt den Steuerbescheid 2017 nicht ändern. Wegen Corona haben Sie für die Investition noch bis 31. Dezember 2021 Zeit (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz).

5. Beratungsleistungen bei Kündigung steuerfrei

Müssen Sie einen Mitarbeiter entlassen und Ihnen entstehen in diesem Zusammenhang Kosten für Beratungsleistungen zu dessen beruflicher Neuorientierung (sogenannte Outplacement- oder Newplacement-Beratung), muss der Arbeitnehmer dafür keine Lohnsteuer bezahlen. Dieser Vorteil ist für ihn nach § 3 Nr. 19 EStG neuerdings steuerfrei.

6. Pauschale für das Homeoffice

Die neue Homeoffice-Pauschale winkt allen Arbeitnehmern und Unternehmern rückwirkend ab 2020 für alle Tage, an denen sie ausschließlich zu Hause gearbeitet haben. Als Werbungskosten beziehungsweise Betriebs­ausgaben dürfen 5 Euro pro Tag, maximal 600 Euro pro Jahr abgezogen werden. Minijobber gehen leider leer aus. Denn geringfügig Beschäftigte mit einem Monatsgehalt von maximal 450 Euro müssen nichts versteuern.

7. Gehaltsextras überprüfen

Viele steuerfreie oder -begünstigte Gehaltsextras gibt es nur, wenn diese zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden. Im Jahressteuergesetz 2020 wurden die Voraussetzungen dafür erstmals definiert. Gewähren Sie Gehaltsextras wie die Corona-Prämie, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Steuerberater, ob diese Zahlungen an den Mitarbeiter nach dem Jahressteuergesetzes 2020 noch steuerfrei beziehungsweise steuerbegünstigt sind oder ob Anpassungen notwendig sind.

8. Steuerfreie Corona-Prämie

Wie bereits in der DHZ-Ausgabe 24/2020 erwähnt, haben Sie nun mehr Zeit die steuerfreie Corona-Prämie nach § 3 Nr. 11a EStG in Höhe von bis zu 1.500 Euro auszuzahlen. Der Auszahlungszeitraum für dieses steuerfreie Gehaltsextra wurde bis zum 30. Juni 2021 verlängert. Doch aufgepasst: Es dürfen insgesamt nicht mehr als 1.500 Euro steuerfrei ausbezahlt werden. Es dürfen also nicht 2020 1.500 Euro und im Jahr 2021 noch einmal 1.500 Euro steuerfrei bezahlt werden.

9.  Ehrenamt höher steuerfreigestellt

Engagieren Sie sich nebenberuflich ehrenamtlich als Übungsleiter, Ausbilder oder Betreuer, dürfen Sie bis Ende 2020 bis zu 2.400 Euro steuerfrei dafür bekommen (sogenannte Übungsleiterpauschale nach § 3 Nr. 26 EStG). Ab 2021 bleiben für Ihr nebenberuflich ehrenamtliches Engagement Einnahmen von bis zu 3.000 Euro steuerfrei.

10. Fristverlängerung für Steuererklärungen 2019

Lassen Sie die Steuererklärungen 2019 von einem Steuerberater erstellen, müsste diese eigentlich Ende Februar 2021 ans Finanzamt übermittelt werden. Klappt das zeitlich – aus welchen Gründen auch immer – nicht, müssen Sie vorerst nicht mit einem Schätzbescheid rechnen. In einem Gesetzesentwurf ist vorgesehen, eine Fristverlängerung bis Ende August 2021 zu gewähren. Zinsen auf Steuernachzahlungen für 2019 sollen frühestens ab Oktober 2021 anfallen.

11. Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld

Erhalten Mitarbeiter im Jahr 2021 Kurzarbeitergeld und Sie leisten Zuschüsse, um deren finanziellen Nachteile einzudämmen, bleiben diese unter bestimmten Voraussetzungen nach § 3 Nr. 28a EStG steuerfrei. Die Steuerfreiheit wurde bis zum 31. Dezember 2021 ausgedehnt.

12. Identifikationsnummer anfordern

Stellen Sie einen neuen Mitarbeiter ein, benötigen Sie dessen Steueridentifikationsnummer, um die monatlich ans Finanzamt abzuführende Lohnsteuer korrekt berechnen zu können. Hat der Mitarbeiter keine Identifikationsnummer, kann sich der Arbeitgeber erstmals ab 2021 ans Wohnsitzfinanzamt des Mitarbeiters wenden und eine Bescheinigung über die Lohnsteuerabzugsmerkmale anfordern. Voraussetzung: Der Mitarbeiter bevollmächtigt den Arbeitgeber dazu (§ 39e Abs. 8 Satz 1 EStG).

13. Degressive Abschreibung

Auch bei Investitionen ins bewegliche Anlagevermögen dürfen Sie statt der linearen Abschreibung die in der Regel höhere degressive Abschreibung wählen. Die degressive Abschreibung beträgt das 2,5-fache des linearen Abschreibungssatzes, maximal jedoch 25 Prozent der Anschaffungskosten beziehungsweise des Restbuchwerts pro Jahr. Diese Änderung wurde bereits im Zweiten Corona-Steuerhilfegesetz beschlossen.

14. Steuererleichterungen verlängert

Da kein Ende der Corona-Pandemie in Sicht ist, hat das Bundesfinanzministerium die Steuervergünstigungen für von der Corona-Krise betroffene Unternehmer verlängert. Für Steuern, die bis zum 31. März 2021 fällig werden, kann unter anderem eine zinslose Stundung bis Ende Juni 2021 beim Finanzamt beantragt werden. Bieten Sie dem Finanzamt eine Ratenzahlung an, wird sogar bis zum 31. Dezember gestundet, ohne dass Sie dafür Stundungszinsen bezahlen müssen (BMF-Schreiben v. 22.12.2020).

15. Umsatzsteuer in der Gastronomie

Die Mehrwertsteuersenkung wurde zwar zum 1. Januar 2021 rückgängig gemacht, die Erleichterungen für die Gastronomie gelten aber bis zum 30. Juni 2021. Das bedeutet: In der Buchhaltung, der Kassensoftware und der Rechnungsstellung müssen wieder 19 oder 7 Prozent Umsatzsteuer ausgewiesen werden. Für Mahlzeiten, die im Restaurant verzehrt werden (sollte wieder geöffnet sein), müssen bis zum 30. Juni 2021 aber nur 7 Prozent Umsatzsteuer abgeführt werden.

16.  Brexit und Umsatzsteuer

Haben Sie Geschäftsbeziehungen zur Firmen und Privatleuten aus Großbritannien und Nordirland, müssen Sie aufgrund des Brexits umsatzsteuerliche Änderungen beachten. Grundsätzlich handelt es sich bei diesen Ländern seit 1. Januar 2021 um Drittländer. Ausnahme: Nord­irland wird im Warenverkehr ab 1. Januar 2021 umsatzsteuerlich weiterhin als Mitgliedsstaat der Europäischen Union behandelt (BMF-Schreiben v. 10.12.2020).