Die Zukunft Handwerk 2025 ist vorbei. DHZ-Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg reflektiert, was sie aus zwei Tagen Branchenkongress mitgenommen hat – und sich für 2026 wünscht.

Als Markenbotschafterin der Zukunft Handwerk habe ich bereits seit Mitte letzten Jahres in meinen Workshops und Vorträgen von dem Kongress erzählt – und es freut mich riesig, wie viele sich von meiner Begeisterung anstecken haben lassen.
Überall auf dem Gelände war es geschäftig – auf den Gängen, vor den Bühnen, bei den Ausstellern. Wer nicht im Gespräch war, eilte zum nächsten Programmpunkt. Besonders schön war die lockere Atmosphäre: Das wertschätzende "Du" prägte die zweitägige Veranstaltung – und es war leicht, ins Gespräch zu kommen.
Highlights: Was ich aus den zwei Tagen Zukunft Handwerk mitnehme
Am ersten Tag hatte ich ein langes Gespräch mit Tischlerin Johanna Röh, die sich für einen besseren Mutterschutz für Selbstständige einsetzt. Wir sind schon länger im Austausch, und auch dieses Mal haben wir intensiv über das Thema diskutiert. Umso eindrücklicher war es, dass meine Steinmetzkollegin Luisa Lüttig am zweiten Tag im Panel zur Betriebsübernahme genau dieses Thema ansprach. Sie sprach offen über ihre Zurückhaltung, den elterlichen Betrieb in fünfter Generation zu übernehmen – denn die Vereinbarkeit von Familie und Selbstständigkeit ist für Handwerkerinnen nach wie vor eine große Herausforderung. Dieses Thema gehört dringend auf die politische Agenda.
Direkt im Anschluss durfte ich auch das nächste Panel begleiten – diesmal ging es um die Generation Z und die Nachwuchsgewinnung. Besonders beeindruckt hat mich Cehan San, der auf Azubimessen Schülerinnen und Schüler eine Lampe bauen lässt, wobei mehrere Gewerke zusammenarbeiten. Ein kreativer und praxisnaher Ansatz, um das Handwerk für junge Menschen erlebbar zu machen.
Inspirierend war für mich auch Oliver Oettgen, der in seiner Keynote eine Klopapierrolle hochhielt und sagte: "Wenn ein Inhaber noch darüber entscheidet, wie viele Lagen eine Rolle Klopapier haben soll, die für den Betrieb gekauft wird, dann läuft etwas schief."
Ein klarer Appell für moderne Führung, Vertrauen in Mitarbeitende und die Notwendigkeit, am Unternehmen zu arbeiten, statt nur im Unternehmen.
Und natürlich möchte ich noch Sprecherin und Moderatorin Nina-Carissima Schönrock hervorheben. Sie hat mit Humor und Leichtigkeit zum dritten Mal die Forumsbühne moderiert und für lebendige Diskussionen gesorgt – für mich eine wahre Inspiration in Sachen Moderation.
Ein Blick nach vorn – 2026
Die Veranstaltung hat sich weiterentwickelt und bereits viele starke Impulse gesetzt. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir noch stärker gesellschaftsrelevante Themen ins Handwerk tragen:
- Wie sieht moderne Führung aus?
- Welche Rolle spielen Digitalisierung, KI und Automation – und wie verändert das die Arbeitswelt im Handwerk?
- Wie macht man die Sinnhaftigkeit eines Handwerksberufs sichtbar – gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels?
- Welche Karrierewege gibt es über den Meister hinaus – und wie können wir Weiterbildung für alle greifbarer machen?
Neben inhaltlichen Impulsen spielt auch die Frage eine Rolle, wer diese Themen vermittelt und wie divers sie repräsentiert werden. Ein Punkt, der mir und vielen anderen aufgefallen ist: Die Vielfalt auf den Bühnen könnte noch stärker die wahre Zukunft des Handwerks widerspiegeln.
Ich wünsche mir für die kommenden Jahre, dass wir noch mehr (junge) Handwerkerinnen und Handwerker, Frauen, Nachfolgerinnen und Nachfolger sowie Menschen aus unterschiedlichen Gewerken auf die Bühne holen – denn sie sind es, die das Handwerk morgen gestalten werden. Ihre Perspektiven sind eine Bereicherung für alle und sollten noch sichtbarer werden.
Zusätzlich wäre es schön, wenn das Netzwerken noch gezielter gefördert würde. Eine Art Gewerke-Stammtisch, bei dem sich Handwerkerinnen und Handwerker gezielt zu ihren Fachrichtungen austauschen können, wäre eine großartige Ergänzung.
Zukunft Handwerk – ich komme wieder
Für mich steht jedenfalls fest: Ich möchte auch 2026 wieder dabei sein, mit einer Keynote auf der IKK Classic Stage stehen und an mindestens einer Paneldiskussion teilnehmen. Die Begegnungen auf der Zukunft Handwerk haben mir bestätigt, dass meine Stimme für das Handwerk gehört wird. So unglaublich viele Menschen sprachen mich an, fragten nach einem gemeinsamen Foto oder erzählten mir, dass sie mich letztens auf einer anderen Veranstaltung sprechen hörten, meine LinkedIn-Beiträge verfolgten, meine Kolumne lesen oder meinen Podcast hören.
Ich bin gespannt, welche Impulse 2026 gesetzt werden, und freue mich darauf, auch dann wieder ein Teil dieser besonderen Veranstaltung zu sein.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint alle 14 Tage exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Abonnieren Sie den kostenlosen DHZ-Newsletter, um keine Ausgabe zu verpassen.