Ausbildungsserie Zuckerfest: Das gilt für die Freistellung eines Lehrlings

Das Zuckerfest ist ein hoher islamischer Feiertag. Auch Lehrlinge, die zu dieser Religion gehören, feiern das Fest oftmals mit ihrer Familie. Sie brauchen dafür einen freien Tag. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt in seiner Ausbildungsserie, was bei einer Freistellung des Azubis zu beachten ist und wer diese genehmigen darf.

Zuckerfest
Das Zuckerfest ist einer der wichtigsten islamischen Feiertage. Es wird am Tag des Fastenbrechens gefeiert, wenn der Ramadan endet. - © Fevziie - stock.adobe.com

Vor kurzem fand das Fest des Fastenbrechens oder Zuckerfest statt. Das ist ein islamischer Feiertag, im Anschluss an den Fastenmonat Ramadan. Höhepunkt  ist der erste Tag, der mit der Sichtung des Neulichtes nach dem Neumond beginnt. In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage, ob und unter welchen Bedingungen eine Lehrkraft die betroffenen Lehrlinge am Tag des Zuckerfestes vom Unterricht in der Berufsschule freistellen kann.

Geht das überhaupt und wie geht man im Betrieb mit dieser Freistellung um? Wer darf sie gestatten? Und welche Formalien sind dafür notwendig?

Zuckerfest: Freistellung nur auf Antrag

Nach den Regelungen im Lehrvertrag haben die Ausbildenden die Pflicht, die Lehrlinge zum Besuch der Berufsschule anzuhalten und dafür freizustellen. Die jungen Leute haben die Pflicht am Berufsschulunterricht teilzunehmen, für den sie freigestellt wurden. Die Berufsschulzeit ist somit ein Teil der vereinbarten, täglichen Arbeitszeit.

Hieraus ergibt sich, dass die Lehrlinge rechtzeitig in ihrem Ausbildungsbetrieb einen Antrag auf Freistellung einreichen müssen. Die Ausbildenden entscheiden dann, ob sie dem zustimmen und die Ausfallzeit mit dem Zeitguthaben oder Urlaub verrechnet wird. Die Lehrerinnen und Lehrer können nicht, anstelle der Ausbildenden, über die Freistellung entscheiden.

Freistellung für das Zuckerfest: Regelungen im eigenen Bundesland beachten

Grundsätzlich gilt hierbei allerdings auch das, was in Deutschland auch bei gesetzlich festgelegten Feiertagen gilt: Die Regelungen unterscheiden sich manches Mal je nach Bundesland. So gibt es ja auch einige gesetzlich Feiertage, die nur in bestimmten Bundesländern. Dazu zählen Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Friedensfest, Mariä Himmelfahrt, Reformationstag, Allerheiligen und Buß- und Bettag.

In Deutschland ist das Zuckerfest kein gesetzlicher Feiertag. Doch in fast allen Bundesländern können Schüler muslimischen Glaubens am ersten Tag des Zuckerfests vom Unterricht – und somit auch vom Berufsschulunterricht – freigestellt werden. Dies und auch eine Freistellung von der betrieblichen Arbeit braucht jedoch der Absprache mit dem Ausbilder.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.