Personalplanung Zeitarbeit auf historischem Hoch

Die Zeitarbeit befindet sich in Deutschland weiter auf Wachs­tumskurs. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten im Jahresdurchschnitt auf knapp 900.000 an. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet das einen Zuwachs von rund 15 Prozent.

Steffen Guthardt

In der Zeitarbeitsbranche sind Schweißer besonders gefragt. - © Fotolia

Damit nahm die Zeitarbeit in den vergangenen zehn Jahren – mit Ausnahme von 2009 – kontinuierlich zu. Entsprechend kletterte auch der Anteil der Zeitarbeitnehmer an allen Erwerbstätigen am deutschen Arbeitsmarkt 2011 um 0,3 Prozentpunkte auf 2,2 Prozent. Zum Vergleich: 2004 war nur jeder 100. Arbeitnehmer in Deutschland in der Zeitarbeit beschäftigt.

Trotz der erfreulichen Entwicklung zeigen die Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aber auch einen deutlichen Abfall der Beschäftigungszahlen in der zweiten Jahreshälfte 2011. Besonders im Dezember kam es zu einem Einbruch und die Anzahl der Zeitarbeiter sank um 6,9 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Nach Ansicht des Bundesarbeitgeberverbands der Personaldienstleister (BAP) eine typische saisonale Entwicklung, die keinen Anlass zur Unruhe geben sollte. Gerade in den Monaten Mai bis Juni, wenn das Arbeitsaufkommen bei den Betrieben besonders hoch ist, steigt vorübergehend die Nachfrage an zusätzlichem Personal und verflacht dann wieder in den Winter hinein.

Mit steigender Nachfrage erkennen auch immer mehr Unternehmer die Zeitarbeit als lukratives Geschäftsmodell. Seit 2003 stieg die Zahl der Zeitarbeitsfirmen, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben, um 50 Prozent an. Auch immer mehr Dienstleister aus dem Ausland entdecken den deutschen Markt für sich und gründen hierzulande neue Niederlassungen. In den vergangenen neun Jahren kamen 2.000 Standorte in Deutschland hinzu.

Viele Kurzzeitarbeitslose

Doch wer ist überhaupt bereit, einen Job in der Zeitarbeit ohne langfristige Perspektive anzunehmen? Den Analysen zufolge nutzen vor allem Kurzzeitarbeitslose diese Möglichkeit, um die Phase bis zu einem neuen Beschäftigungsverhältnis zu überbrücken.  Immerhin rund ein Drittel der Arbeitnehmer ist nahtlos aus einer anderen Beschäftigung in die Zeitarbeit übergegangen. Nur jeder zehnte Zeitarbeitnehmer war zuvor über ein Jahr arbeitslos. Die Studie zeigt auch: Der typische Zeitarbeitnehmer ist männlich. Nur jeder Vierte aus dieser Beschäftigungsgruppe ist eine Frau. Ein Grund dafür liegt in den Wirtschaftsbereichen, die besonders stark von der Zeitarbeit Gebrauch machen (siehe Interview). Die metallverarbeitenden Branchen oder der Automobilsektor sind trotz aller Anstrengungen eben immer noch eine Männerdomäne.