Marcus Schulz ist CEO der Argo Group. Der Personaldienstleister verfügt weltweit über 44 Standorte und beschäftigt 3.200 Mitarbeiter. Im Interview äußert sich Schulz über die Entwicklung der Branche und erklärt, für wen sich Zeitarbeit besonders eignet.
Steffen Guthardt
DHZ: Herr Schulz, was bewegt die Zeitarbeitsbranche aktuell?
Schulz: Der Fachkräftemangel dominiert derzeit alles. Davon sind aber nicht nur wir betroffen, sondern auch andere Branchen wie das Handwerk.
DHZ: Worauf führen Sie den Mangel in Ihrer Branche zurück?
Schulz: Durch die gute Konjunktur im vergangenen Jahr haben viele Betriebe wieder verstärkt eingestellt, so dass die gut ausgebildeten Kräfte natürlich schnell vom Markt waren. Zudem macht uns die demographische Entwicklung zu schaffen. Immer mehr qualifizierte Arbeitnehmer treten in den Ruhestand ein, während nicht genügend junge Fachleute nachkommen.
DHZ: Wie versuchen Sie dem Trend entgegenzuwirken?
Schulz: Wir müssen sehr viel stärker in die eigene Rekrutierung von Fachkräften investieren. Zudem fokussieren wir uns mehr denn je auf unsere Stammkunden wie Linde oder die Deutsche Lufthansa.
DHZ: Aber ist die Zeitarbeit überhaupt eine interessante Alternative für Arbeitnehmer?
Schulz: Ich sehe drei Gruppen für die Zeitarbeit als besonders geeignet. Das sind zum einen ältere Arbeitnehmer. Sie bringen viel Erfahrung und Expertise mit, die jüngere Arbeitnehmer nicht aufweisen können. Dennoch sind Ältere teilweise schwierig zu vermitteln.
DHZ: Warum?
Schulz: Teilweise bestehen unbegründete Vorurteile. Das können etwa Angst vor Krankheiten, fehlender Stressresistenz oder mangelnder Leistungsbereitschaft sein. Deshalb haben wir viel gut ausgebildete, ältere Bewerber, die anderweitig keine Stelle gefunden haben.
DHZ: Wen sprechen Sie noch an?
Schulz: Wir fokussieren uns immer mehr auf Menschen, die nicht nur einen Job suchen, sondern sich auch weiterbilden wollen. Hier nehmen wir und unsere Wettbewerber richtig viel Geld in die Hand und schaffen eine ernste Alternative zu den Angeboten von der Bundesagentur für Arbeit. Da wir sehr eng mit den Unternehmen zusammenarbeiten, können wir spezifischer nach Kundenwünschen ausbilden und erhöhen damit die Chance auf einen langfristigen Verbleib im Betrieb.
DHZ: Und die dritte Gruppe?
Schulz: Wir versuchen verstärkt, gut ausgebildete Arbeitskräfte aus dem Ausland – etwa Krankenschwestern oder Schweißer – für deutsche Betriebe zu gewinnen. Diese Arbeitnehmer bilden wir nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich weiter. Der besondere Vorteil ist, dass diese Leute in der Regel hochmotiviert sind, da die Verdienstmöglichkeiten hierzulande ganz andere sind als in ihrer Heimat.
DHZ: Befeuern Sie damit nicht gerade den Fachkräftemangel?
Schulz: Nein. Wenn es hierzulande keinen Mangel gäbe, würden wir nicht so stark aus dem Ausland rekrutieren.
DHZ: Nehmen Sie Unterschiede zwischen den Branchen beim Bedarf an Zeitarbeitern wahr?
Schulz: Bedarf herrscht überall. Besonders starke Nachfrage gibt es aber in den metallverarbeitenden Branchen, im Gesundheitswesen, im Automobilsektor, der Logistik und der Luftfahrt.
DHZ: Herr Schulz, bitte eine Prognose: Wo steht die Zeitarbeit Ende 2012?
Schulz: Betrachtet von den Anteilen der Zeitarbeit an allen Arbeitsverhältnissen befinden wir uns auf einem historischen Hoch. Leider ist die Lage aber viel besser als die Stimmung. Von daher müssen wir aufpassen, dass die Stimmung nicht die Lage verschlechtert.
