Vorsicht bei Handzeichen Zehn Gesten, die im Urlaub Ärger bringen

Ein unschuldiges Winken kann in der Türkei zu viel Ärger führen, mit dem "Daumen hoch" bestellt man in Japan gleich fünf Gerichte. Wie schnell man mit einer Geste im Ausland ins Fettnäpfchen treten kann, zeigt der "Gesten-Knigge".

Nicht immer steht das V-Zeichen für Frieden: In Großbritannien, Irland, Neuseeland oder Australien kann es sich dabei um eine Beleidung handeln. - © Priscilla Du Preez/unsplash.com

Das Gestikulieren ist uns in die Wiege gelegt. Selbst Menschen, die blind geboren sind, nutzen beim Sprechen ihre Arme und Hände. Obwohl sie nie ein Modell vor Augen hatten, gestikulieren sie in gleicher Weise wie Menschen mit gesundem Sehvermögen. Viele Sprachforscher glauben deshalb, dass in der Gestik die Wurzeln der gesprochenen Sprache liegen.

Gestern unterscheiden sich von Kultur zu Kultur

Neben dem angeborenen Gestikulieren gibt es auch ritualisierte Gesten, die wir uns von anderen Menschen abgucken und sich von Kultur zu Kultur unterscheiden. Unter Menschenaffen ist das nicht anders, wie der bekannte Verhaltensforscher Frans de Waal feststellte, als er unsere nächsten Verwandten studierte. Er beobachtete, dass Bonobos und Schimpansen sich zwar in ihrer Mimik ähnelten, aber nicht in ihrer Gestik. Das Repertoire an Gesten unterschied sich bei den Bonobos sogar von Gruppe zu Gruppe.

Der Spezies Mensch ergeht es genauso: In fremden Kulturen haben die uns vertrauten Gesten oft eine andere Bedeutung. Sich im Ausland mit Händen und Füßen verständigen zu wollen, birgt deshalb Risiken. Mit einer gut gemeinten Geste könnten wir Einheimische beleidigen und uns in unerfreuliche Situationen hineinmanövrieren.

Nicken bedeutet "nein" in Südosteuropa

Gesten wie der gestreckte Mittelfinger und der geknickte Arm mit geballter Faust sind zwar rund um den Globus verbreitet. Allerdings gibt es noch viele landestypische Varianten. Besonders reich an obszönen Gesten seien lateinamerikanische Länder, beobachtete der 2016 verstorbene kalifornische Psychologe und Gestenforscher Dane Archer in Feldstudien. In Skandinavien und der Schweiz hingegen treffe man auf weniger Varianten.

Schwierig wird es, wenn uns Gesten in Fleisch und Blut übergegangen sind. Nicken zum Beispiel: Uns dient es als Zeichen der Zustimmung und des Verstehens oder schlicht als nonverbaler Gruß. Aber zieht man den Kopf nur einmal nach oben und wieder nach unten, heißt das in Teilen Südosteuropas "nein". In Indien wiederum kann Kopfschütteln Zustimmung, Verstehen und Respekt ausdrücken. Dabei wackelt der Kopf in einem kleinen Bogen über den Schultern hin und her. Mit einem einmaligen Nicken ruft man wiederum jemanden herbei.

Auch Tiere deuten menschliche Gesten

Ganz andere Probleme kann man sich auf Safari in Afrika einhandeln, wenn man einer Horde Menschenaffen begegnet. Von Winken wird abgeraten, denn auch Schimpansen und Bonobos haben ein Repertoire an Gesten und deuten menschliches Verhalten womöglich anders als erwartet. Heben Bonobos beispielsweise beide Arme, kündigen sie einem Weibchen sexuelle Avancen an. Nachahmung nicht empfohlen.

Weitere Gesten, die im Ausland missverstanden werden könnten, gibt es in der Bildergalerie:

Gehirn entschlüsselt Bedeutung in 150 Millisekunden

Die Bedeutung solcher Gesten bewerten wir automatisch in Sekundenbruchteilen, wie deutsche Forscher feststellten. Dafür erfassten sie die Hirnaktivität von Versuchspersonen, während sie ihnen abwechselnd den gehobenen Daumen oder den Stinkefinger vorführten. Schon nach 150 Millisekunden hatte das Gehirn die emotionale Bedeutung entschlüsselt. Hier hilft es nur noch, Missverständnisse nachträglich aufzuklären. Wer unfallfrei durch fremde Lande manövrieren möchte, verzichtet also besser auf Gesten. dhz