Baukrise Wohnungsbau: Bauexperten für mehr modulares Bauen

Obwohl es in Deutschland an Wohnraum fehlt, ist die Zahl der Baugenehmigungen im Februar weiter stark eingebrochen. Eine Studie zeigt: Durch "Wohnungsbau von der Stange" könnte das Bauen deutlich schneller vorangehen und weniger kosten.

Kran hebt Bauteil für modulares Bauen.
Bauexperten sehen im modularen Bauen eine Lösung für die aktuelle Wohnraumknappheit. - © brizmaker - stock.adobe.com

Nach Einschätzung von Bauexperten könnten mit einer stärker industrialisierten Bauweise Wohnhäuser deutlich schneller und mit spürbar geringeren Kosten errichtet werden. Der Hebel dafür sei das Bauen in Serie mit vorgefertigten Bauteilen und digitaler Prozessoptimierung, heißt es in einer Studie der Strategieberatung EY-Parthenon und des BayWa-Konzerns, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt.

"Das Bauen der Zukunft muss deutlich digitaler, standardisierter und damit kosteneffizienter werden", sagt BayWa-Manager Steffen Mechter. "Indem wir jedes Gebäude wie bisher von Grund auf neu planen und neu bauen, verschwenden wir vorhandene Ressourcen."

Modulares Bauen könnte Arbeitsproduktivität steigern

Kaum eine Branche unterliege so strengen gesetzlichen Vorgaben wie die deutsche Baubranche. Zudem seien sehr viele Akteure und Gewerke an einem Bauprojekt beteiligt und fast jedes Gebäude ein individuelles Einzelstück. Der wirkungsvollste Hebel für mehr Produktivität ist laut Studie die industrielle Vorfertigung.

Auch Christine Buddenbohm, Geschäftsführerin Unternehmensentwicklung beim Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB), sieht viel Potenzial im modularen Bauen, wie sie gegenüber dem handwerk magazin ausführte: "Besonders bei der Arbeitsproduktivität ergeben sich viele Vorteile. In Produktionsstätten für die Vorfertigung können Materialien wie Holz oder mineralische Baustoffe für die Herstellung von Elementen oder ganzen Raummodulen verwendet werden, um anschließend im fertigen Zustand auf die Baustelle transportiert zu werden."

Wenn Arbeitsschritte von der Baustelle in eine Fabrik verlagert und dort Bauteile automatisiert erstellt würden, könne unabhängiger vom Wetter, einfacher und schneller gebaut werden, heißt es auch in der Studie. Das reiche vom Einsatz vormontierter Baugruppen bis zu vorab komplett ausgestatteten Raummodulen inklusive technischer Ausstattung. Bei einem Mehrfamilienhaus mit 25 Wohnungen etwa ließen sich so 15 Prozent der Kosten sparen, sagte Björn Reineke, Unternehmensberater bei EY-Parthenon. Die Verlagerung eines Teils der Wertschöpfung in die Werkshalle könne die Bauzeit um 30 Prozent verkürzen.

Nachträgliche Plananpassungen führten oft zu neuem Abstimmungsbedarf zwischen den Gewerken, zu Verzögerungen und Mehrkosten. Bessere Planung mit digitaler Prozessoptimierung könnte einen Bau mehrere Monate beschleunigen und beim Bau eines Mehrfamilienhauses die Gesamtkosten signifikant senken.

Der dritte Hebel sei es, Ein- oder Mehrfamilienhäuser in einer Siedlung in Serie zu bauen. Individuelle Abweichungen sei nur begrenzt möglich. Der Planungsaufwand sei geringer, der Einkauf großer Materialmengen günstiger, sagte Strategieberater Reineke.

Zahl der Baugenehmigungen im Februar stark zurückgegangenen

Zahlen bestätigen, dass es aktuell weniger Ambitionen gibt, Ein- und Mehrfamilienhäuser zu bauen. "Im Februar 2023 wurden 22.300 Wohnungen genehmigt. Laut des Statistischen Bundesamts waren das 20,6 Prozent Baugenehmigungen weniger als im Februar 2022", sagt Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des ZDB. Er warnt vor einer Abwärtsspirale am Bau. Nicht nur bei den Einfamilienhäusern seien die Zahlen stark rückläufig (Januar und Februar 2023 -28,4 Prozent), auch bei den Mehrfamilienhäusern (-23,0 Prozent) nähmen angesichts von drastisch gestiegenen Bauzinsen und hohen Materialpreisen immer mehr Investoren von ihren Projekten Abstand.

Der ZDB fordert von der Bundesregierung weitere Anstrengungen. Sie solle ihre Förderpolitik neu ausrichten. Sowohl beim Mietwohnungsbau als auch sozialen Wohnungsbau müsse die Förderung temporär ohne EH-40-Standard möglich sein. "Eine zusätzliche Senkung der Grunderwerbssteuer würde Bauwilligen ebenso etwas Planbarkeit bieten wie eine Ausweitung der Sonderabschreibungen im sozialen Wohnungsneubau auf zehn Prozent. Das würde den Wohnungsbau zumindest etwas ankurbeln", so Pakleppa. dpa/ew