Auftragszahlen Wohnungsbau als Impulsgeber im Handwerk

Das Handwerksjahr 2011 war geprägt von vollen Auftragsbüchern. Ob Baugewerbe, Kfz-Werkstätten oder Maschinenbau - die Branche zeigte sich unbeeindruckt von der Euro-Krise und anderen Problemen im Wirtschaftssektor.

Die Bauwirtschaft war 2011 über weite Strecken des Jahres voll ausgelastet. - © Fotolia

Die Bauwirtschaft ist 2011 über weite Strecken des Jahres voll ausgelastet gewesen. Treibende Kraft waren  die Wohnungsbauinvestitionen. Im Gutachten des Sachverständigenrats wird deren preisbereinigte Zunahme mit 6,5 Prozent angegeben. Gestützt wurde der Auftrieb durch die zunehmende Planungssicherheit, mit der Bauwillige an ihre Vorhaben herantreten konnten, insbesondere was die Sicherheit der Arbeitsplätze und Einkommen betrifft.

Außerdem war Baugeld billig zu bekommen, und auch Investoren fanden Immobilien attraktiv, zumal andere Anlageformen wegen der Euro-Schuldenkrise mit Skepsis betrachtet wurden. Innerhalb dieser Bausparte entwickelten sich die Neubauaktivitäten lebhafter als die Modernisierungsmaßnahmen. Als Alarmsignal ist zu werten, dass die KfW im laufenden Jahr eine spürbare Zurückhaltung modernisierungswilliger Bauherren registrierte. Abzulesen ist das an der massiv reduzierten Inanspruchnahme der Förderkredite im Bereich der energetischen Sanierung.

Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung macht diese Form der Bestandsmaßnahmen ein Drittel des gesamten Hochbauvolumens aus, das sind bundesweit mehr als 57 Milliarden Euro. Immerhin wurden drei Viertel aller Gebäude vor dem Inkrafttreten der 1. Wärmeschutzverordnung 1978 errichtet. Nachholbedarf gibt es darüber hinaus bei gewerblich genutzten Bauwerken. Die Zahl der Genehmigungen zur Errichtung neuer Fabriken, Werkshallen und Bürogebäude stieg zwischen Januar und September – bezogen auf den umbauten Raum – um mehr als 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dagegen verlor der öffentliche Bau mehr und mehr an Dynamik, nachdem die letzten Impulse aus den Konjunkturpaketen abgeebbt waren.

Umsatzgarant "gewerblicher Bedarf"

Etwa ein Fünftel des Handwerksumsatzes wird in der Gruppe „gewerblicher Bedarf“ erwirtschaftet. Innerhalb dieser Branche hat wiederum der Maschinen- und Werkzeugbau prägenden Einfluss.
2011 setzte diese Branche ihre rasante Aufholjagd fort und profitierte dabei vom ausgezeichneten Investitionsklima: Die deutschen Unternehmen gaben neun Prozent mehr für ihre Ausrüstung aus. Bis in den Sommer hinein hielt die Auftragsflut an, so dass die Kapazitäten der zumeist als Zulieferer tätigen Unternehmen bis an die Grenze ausgelastet waren. Folgerichtig stockten sie beim Personal auf, soweit der enge Arbeitsmarkt dies zuließ.

Dank einem zweistelligen Umsatzzuwachs erreichten die Handwerksfirmen im Sommer wieder das Vorkrisenni­veau. Parallel dazu setzte jedoch nach Einschätzung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) eine zyklische Wachstumsverlangsamung bei den Bestellungen ein. Ähnlich wie die Hersteller klassischer Investitionsgüter verbuchten auch die Anbieter gewerbenaher Dienstleistungen 2011 steigende Umsatz- und Beschäftigtenzahlen. So profitiert das Gebäudereiniger-Handwerk davon, dass seine Kunden wegen der hohen Auslastung zunehmend infrastrukturelle und Gebäudedienstleistungen auslagern.

Erholung im Kfz-Gewerbe

Im Neuwagengeschäft machte sich nach dem Einbruch 2010 eine spürbare Erholung bemerkbar. Allerdings reichte sie nicht aus, um an die von der Abwrackprämie überzeichneten Verkaufszahlen von 2009 heranzukommen.
Dabei war die Entwicklung gespalten. Während bei den Nutz- und Firmenfahrzeugen überdurchschnittliche Zuwächse zu verzeichnen sind, bleiben die Zulassungen privater Autokäufer hinter den Erwartungen zurück. Alles in allem legten die Pkw-Neuzulassungen 2011 gemäß einer Vorausschätzung des Kraftfahrtbundesamtes um rund zehn Prozent auf 3,2 Millionen zu.

Zum Jahresende zeichnet sich nun eine generelle Abschwächung des Kundeninteresses ab. Hersteller und Händler greifen zu Preisabschlägen und Verkaufsaktionen, um die hohen Produktionsmengen absetzen zu können. Der Gebrauchtwagenmarkt zeigte einen ansteigenden Trend. Von Januar bis November wurden fünf Prozent mehr Halterwechsel registriert als vor einem Jahr. Die Verkaufspreise für Gebrauchtfahrzeuge stiegen laut amtlicher Statistik um vier Prozent, wobei die Teuerung im Jahresfortgang nachließ. Das Servicegeschäft präsentierte sich in guter Verfassung. Darauf lässt nicht nur die im Vorjahresvergleich verbesserte Werkstattauslastung schließen, sondern auch der erweiterte Preisgestaltungsspielraum.

Energiekosten drückten die Stimmung im Lebensmittelhandwerk

Die Lebensmittelhandwerke verzeichneten im Berichtszeitraum einen merklichen Zuwachs. Die Umsätze bewegten sich über Vorjahresniveau, wenn auch moderat. Ihr vielfältiges Angebot hat das Lebensmittelhandwerk auf das zunehmende Bedürfnis nach qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln mit regionalem Bezug sowie anspruchsvollen Convenience-Produkten zugeschnitten. Im Gegensatz zur stabilen Nachfrage drücken der Kostenschub bei Energie und Rohstoffen sowie die Konkurrenz der Verbrauchermärkte auf die Stimmung. Die Mitarbeiterzahl war sowohl bei Bäckern und Konditoren als auch bei den Fleischern leicht rückläufig. Die Brauereien verbuchen für 2011 geringfügig sinkende Absatzzahlen, wobei das warme Biergartenwetter im Frühling die Nachfrage beflügelte, während der verregnete Juli zu Einbußen führte.

Das Gesundheitshandwerk hat seinen verhaltenen Aufwärtstrend fortgesetzt. Bei bescheidenen Umsatzzuwächsen erzielten die Augenoptiker 2011 noch das beste Resultat. Dagegen traten die Zahntechniker, die stärker von der Entwicklung der gesetzlichen Kassenleistungen abhängen, auf der Stelle. Die Friseure hatten ebenfalls Mühe, Anschluss an die Umsatzentwicklung des Vorjahres zu halten. Mit den realisierten Preisanhebungen von einem Prozent lag die Branche weit unter der Teuerung auf der Verbraucherebene. Die übrigen konsumnahen Dienstleister erzielten meist höhere Einnahmesteigerungen, allen voran die Steinmetze, welche die gute Baukonjunktur spürten, sowie Uhrmacher und Goldschmiede, die vom zunehmenden Interesse der Anleger für Edelmetalle profitierten. dhz