Alternative Wohnheim Günstig wohnen während der Ausbildung

Der Ausbildungsplatz ist zu weit weg, um jeden Tag zu pendeln oder die Berufsschule findet als Blockunterricht in der nächsten größeren Stadt statt. Dann sind Wohnheime eine Alternative – zumindest auf Zeit. Sie bieten günstige Einzel- oder Doppelzimmer und die Auszubildenden können sich mit Gleichaltrigen austauschen. Die Plätze sind begehrt und die Ausbildungsbetriebe profitieren ebenfalls davon.

Im Kolping Jugendwohnen in Karlsruhe kochen die Jugendlichen gemeinsam. - © Kolping Jugendwohnen gemeinnützige GmbH

Wer auf der Suche nach einer günstigen Bleibe ist, findet bundesweit eine große Vielzahl an Wohnheimen. Ob mit Einzel- oder Doppelzimmer, die einen etwas teurer als die anderen, mit oder ohne Verpflegung.  Einen Vorteil bieten aber alle Wohnheime: Kontakt zu gleichaltrigen Leuten.

Jährlich nutzen etwa 200.000 junge Menschen dieses Angebot, Wohnheime gibt es an über 500 Standorten. In der Regel können junge Leute zwischen 14 und 27 Jahren das Angebot nutzen, die

  • wegen einer weit entfernten Ausbildungsstelle nicht mehr daheim wohnen können,
  • Blockunterricht oder überbetriebliche Unterweisungen fern ihres Ausbildungsortes haben,
  • aus sozialen Gründen nicht mehr in der Herkunftsfamilie leben können
  • oder junge Menschen mit Migrationshintergrund, die Schwierigkeiten bei der Integration haben.  

Ein zusätzlicher Vorteil ist das "ganzheitliche" Konzept, das auch eine Lebenshilfe mit umfasst.

Wohn- , Lebens, - und Berufshilfe

Die Angebote unterscheiden sich dabei  von Wohnheim zu Wohnheim und reichen von Freizeitangeboten über Ansprechpartner für alle Fragen rund um Ausbildung und Wohnen bis hin zu einem Musikzimmer oder einem Billardraum. Es gibt Wohnheime nur für Jungs oder Mädchen, andere Häuser kümmern sich vor allem um junge Menschen mit Migrationshintergrund.  

Die Kolping Jugendwohnen GmbH ist beispielsweise ein Anbieter, der an mehreren Standorten Wohnheime für Auszubildende und Studenten anbietet – wobei die Azubis Vorrang haben. "Das hat den Grund, dass es einfach mehr Studentenwohnheime gibt, als Unterkünfte für Auszubildende", sagt Christoph Molitor, Pressereferent von Kolping Jugendwohnen.

Wohnheime bringen aber nicht nur den jungen Menschen Vorteile, sondern auch deren Eltern und Ausbildungsbetriebe können von den Angeboten der Wohnheime profitieren.  

Seite 2: Kolping Jugendwohnen: ein Projekt für Azubis.>>>

Molitor: "Die Eltern sind dankbar, weil Sie wissen, dass sich jemand um ihr Kind kümmert und die Ausbildungsbetriebe profitieren ebenfalls davon." Durch diesen ganzheitlichen Ansatz der Wohnheim-Träger erfüllen sie eine wichtige Aufgabe – auch für den Ausbildungsbetrieb.

Viele Jugendliche sind bei Beginn ihrer Ausbildung noch nicht Ausbildungsreif. Ihnen fehlen teilweise soziale Kompetenzen oder die Jugendlichen sind von der Fülle an Neuem überfordert. Die Pädagogen in den Wohnheimen fangen dies ab und bieten den Azubis eine Anlaufstelle. Sie schalten sich bei Problemen möglichst früh ein und geben Hilfe zur Selbsthilfe.

Über 60 Prozent der Jugendlichen in deutschen Jugendwohnheimen schreiben ihren Ausbildungserfolg auch dem Jugendwohnheim zu. Jeder vierte von ihnen gibt an, dass er ohne das Jugendwohnen seine Ausbildung vorzeitig abgebrochen hätte, so das Ergebnis des vom Bundesministerium für Frauen, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Forschungsprojekts "leben.lernen.chancen.nutzen".

Über "Auswärts zuhause" können Azubis Wohnheime finden

Bei Kolping Jugendwohnen kümmern sich zum Beispiel mehrere Sozialpädagogen um die jungen Leute. "Wir fragen zum Beispiel wie es in der Ausbildung läuft", sagt Molitor. Aber Kolping Jugendwohnen hilft den Azubis beispielweise auch bei Behördengängen, etwa beim Stellen eines Antrags auf Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Hilfe und Informationen über Zuschüsse bieten die allermeisten Wohnheime.

Schon seit 2004 gibt es das Projekt "Auswärts zuhause - Jugendwohnen mit Zukunft".  Ziel dieser Initiative ist es, die Wohnheime stärker miteinander zu vernetzen und Jugendwohnen stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit und Politik zu verankern. Der Verband der Kolpinghäuser, der größte und älteste Anbieter von Wohnheimplätzen ist zugleich der Träger der Initiative. "Der Schwerpunkt der Initiative liegt bei Marketingaktivitäten", sagt Matthias von Schlichtkrull-Guse von der Initiative "Auswärts zuhause - Jugendwohnen mit Zukunft". Aber auch der fachliche Austausch sei ein weiteres Ziel sowie Lobbyarbeit.

Über die Website auswaerts-zuhause.de können Auszubildende auch bundesweit nach einem Platz suchen. Die Plätze sind in der Regel begehrt, deshalb sollten Suchende nicht zu lange warten. Die Preise beginnen bei 170 Euro und hängen von der Ausstattung und der Raumgröße ab. rh