Die Deutschen haben im Jahr 2015 rund 572 Euro mehr pro Kopf zur Verfügung als ein Jahr davor. Gleichzeitig steigen die Preise so langsam wie seit fünf Jahren nicht mehr. Die niedrige Inflation nutzt den einen, andere verlieren jedoch Geld. Bundesweit ist die Kaufkraft zudem sehr unterschiedlich verteilt. Ein Ausblick auf 2015.

Im Dezember 2014 lag die Inflation in Deutschland mit 0,2 Prozent damit auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2009. Mit einem rasanten Anstieg der Verbraucherpreise rechnet derzeit kaum jemand. Im Euroraum fielen die Verbraucherpreise auf Jahressicht sogar; auch der stetig sinkende Ölpreis ist ein Anzeichen dafür, dass sie Preise weiterhin nicht steigen.
Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) werden die Deutschen im Schnitt zudem mehr Geld für Konsum, Miete oder andere Lebenshaltungskosten zur Verfügung haben. Für das Jahr 2015 prognostiziert sie eine Kaufkraftsumme von insgesamt 1.732,4 Milliarden Euro für Gesamtdeutschland. Das sind 21.449 Euro pro Kopf. Rund 2,74 Prozent bzw. 572 Euro hat jeder Deutsche damit mehr im Portemonnaie als im Vorjahr.
Große Unterschiede bei der Kaufkraft
Die Kaufkraft verteilt sich allerdings sehr unterschiedlich auf die einzelnen Bundesländer, Städte und Gemeinden. Zwar holt der Osten Deutschlands etwas auf, doch noch immer ist die Kaufkraft im Westen höher.
Die höchste Kaufkraft pro Kopf hat bundesweit der Landkreis Starnberg (Bayern). Der Landkreis Görlitz bildet das Schlusslicht (Sachsen). Bei den Bundesländern liegt Hamburg an erster und Mecklenburg-Vorpommern an letzter Stelle.
Rangfolge der Bundesländer nach Kaufkraft
| Bundesland | Einwohnerzahl | Kaufkraft* 2015 pro Einwohner |
| Hamburg | 1.746.342 | 23.664 € |
| Bayern | 12.604.244 | 23.401 € |
| Baden-Württemberg | 10.631.278 | 22.952 € |
| Hessen | 6.045.425 | 22.858 € |
| Schleswig-Holstein | 2.815.955 | 21.611 € |
| Nordrhein-Westfalen | 17.571.856 | 21.458 € |
| Rheinland-Pfalz | 3.994.366 | 21.120 € |
| Niedersachsen | 7.790.559 | 21.005 € |
| Saarland | 990.718 | 20.009 € |
| Bremen | 657.391 | 19.909 € |
| Berlin | 3.421.829 | 19.649 € |
| Brandenburg | 2.449.193 | 19.197 € |
| Sachsen | 4.046.385 | 18.108 € |
| Thüringen | 2.160.840 | 18.101 € |
| Sachsen-Anhalt | 2.244.577 | 17.848 € |
| Mecklenburg-Vorpommern | 1.596.505 | 17.790 € |
Quelle: GfK Kaufkraft Deutschland 2015
Top 10 der Stadt- und Landkreise mit der höchsten Kaufkraft
| Stadt- und Landkreise | Einwohnerzahl | Kaufkraft* 2015 pro Einwohner |
| Landkreis Starnberg | 130.811 | 31.479 € |
| Landkreis Hochtaunuskreis | 229.167 | 30.824 € |
| Landkreis München | 329.981 | 30.171 € |
| Landkreis Main-Taunus-Kreis | 228.021 | 29.293 € |
| Stadtkreis München | 1.407.836 | 29.085 € |
| Landkreis Ebersberg | 133.007 | 28.725 € |
| Landkreis Fürstenfeldbruck | 208.272 | 27.010 € |
| Stadtkreis Erlangen | 105.624 | 26.784 € |
| Landkreis Dachau | 144.407 | 26.506 € |
| Landkreis Stormarn | 234.674 | 25.892 € |
Quelle: GfK Kaufkraft Deutschland 2015
*Unter Kaufkraft versteht man das verfügbare Nettoeinkommen der Bevölkerung inklusive staatlicher Transferzahlungen wie Renten, Arbeitslosen- und Kindergeld.
Dass die Verbraucherpreise in Deutschland allerdings so langsam steigen, ist nicht für jeden gut. So gibt es Gewinner und Verlierer dieser Entwicklung:
Gewinner und Chancen
Die Kaufkraft der Verbraucher: Wer längerfristig gleichbleibende Einkommen wie Tarifgehälter, Renten oder Sozialleistungen bezieht, kann sich mehr für sein Geld leisten, wenn Preise kaum noch oder gar nicht mehr steigen. Das gilt auch für Menschen, die viel Geld auf der hohen Kante haben. Gleichzeitig bleibt bei Einkommens- und Lohnerhöhungen real – also nach Abzug der Teuerung – deutlich mehr Geld in den Taschen der Verbraucher, wenn die Inflation wie derzeit nahe null ist.
Unternehmen: Wenn die Verbraucher mehr Geld zur Verfügung haben, etwa weil die Sprit- und Heizölpreise fallen, können sie sich mehr andere Waren leisten. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von niedrigeren Einkaufspreisen wichtige Rohstoffe wie Öl: Ihre Kosten sinken.
Kreditaufnahme: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins im Kampf gegen den mickrigen Preisauftrieb auf fast null Prozent gesenkt. Das drückt die Zinsen, die Banken von Privatleuten und Unternehmen für Kredite verlangen. So kommen etwa Immobilienkäufer derzeit so günstig wie nie an Geld. Auch Staaten können sich am Markt günstiger frisches Geld besorgen, das entlastet indirekt die Steuerzahler.
Konjunktur: Vor allem die rasante Talfahrt der Ölpreise schiebt die deutsche Wirtschaft an. Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) werden Unternehmen und Verbraucher in diesem Jahr um 20 Milliarden Euro entlastet, wenn die Preise auf dem aktuellen Niveau verharren.
Verlierer und Gefahren
Sparer: Verbraucher sind nicht nur Kreditnehmer, sondern auch Sparer. Durch das magere Zinsniveau ist mit Tagesgeld oder Sparkonto fast nichts mehr zu verdienen. Immerhin: Weil die Preise kaum steigen, unterscheiden sich nominale Renditen kaum noch von den realen. Wer fürs Alter vorsorgen will, muss entweder mehr Geld zurücklegen oder größere Risiken eingehen.
Schuldner: Was für die Kreditaufnahme gut ist, ist für ältere Verbindlichkeiten schlecht: Derzeit knabbert die Inflation die ausstehenden Schulden nämlich nicht weg. Das erschwert den Schuldenabbau und hemmt die wirtschaftliche Erholung.
Deflationsgefahr: Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Davon abrücken will die Notenbank nicht. Unter einer Deflation verstehen Ökonomen einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen, steigenden Reallöhnen, niedrigeren Gewinnen und schrumpfender Nachfrage, weil Verbraucher und Unternehmen Anschaffungen und Investitionen aufschieben. Denn es könnte ja bald noch billiger werden. Die geringe Nachfrage kann weitere Preissenkungen zur Folge haben: Die Wirtschaft friert ein. dhz/dpa