Zukunft Handwerk Habeck: “Das Handwerk wird zum Konjunkturmotor“

Bei der Premiere der Zukunft Handwerk in München zeichnete der Bundeswirtschaftsminister mit Blick auf den Fachkräftemangel ein düsteres Bild für das Handwerk. Gleichzeitig betonte Robert Habeck, dass die Energiewende nicht ohne das Handwerk gelingen könne.

Bundeswirtschaftsminister Habeck sieht den Fachkräftemangel im Handwerk mit großer Besorgnis beim Blick auf die Aufgaben der Energiewende. - © picture alliance/dpa/Uwe Lein

Der Wirtschaftsminister zeigte sich zu Beginn seines Auftritts bei der Eröffnungsveranstaltung der Zukunft Handwerk, die erstmals parallel zur Internationalen Handwerksmesse stattfindet, deprimiert. Die Hoffnungen an die Zukunft bei vielen Menschen seien gerade geschwunden. "Man freut sich nicht mehr auf die Zukunft, sie macht einem Angst", sagte Habeck.

Diese Zukunftsängste gebe es auch im Handwerk, etwa im Hinblick auf den Fachkräftemangel. Habeck sprach von einer "dramatischen Perspektive" und zeigte sich verärgert darüber, dass man nicht früher gehandelt habe. "Ist es überraschend, dass wir alle älter werden? Wie bequem waren wir eigentlich, alles auf uns einfach zukommen zu lassen?", fragte Habeck in den Raum.

Man müsse viel stärker ins Handeln kommen und dürfte nicht aus Problemverdrossenheit damit aufhören, Probleme zu lösen. Und dabei spiele das Handwerk eine zentrale Rolle. "Wir haben ein Problem in der Wirklichkeit, wenn wir keine Handwerker haben", betonte Habeck.

Habeck setzt auf Wärmepumpen statt Gasheizungen

Der Wirtschaftsminister bekräftigte, dass die Energiewende beschleunigt werden müsse und untermauerte die Zielsetzung, jedes Jahr 500.000 neue Wärmepumpen zu installieren. Dabei sei man auf das Handwerk angewiesen. "Ich glaube, dass das Handwerk zum Konjunkturmotor wird", sagte er. Man werde es nicht hinbekommen, wenn das Handwerk nicht prosperiere.

Die Fokussierung auf die Wärmepumpe bei gleichzeitig geplanten Verboten für den Einbau neuer Gas- und Ölheizungen wird allerdings auch kritisch gesehen. Habeck betonte, dass man "technologieoffen" bleibe und jeder, der eine alte Heizung hat, diese behalten und reparieren lassen dürfe. Es gehe ihm konkret um neue Einbauten ab dem Jahr 2024.

Söder: "Deutschland hat keine Energie zu verschenken"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder kritisierte den Kurs der Bundesregierung. "Pragmatismus muss die Richtschnur bleiben, nicht ideologische Versatzstücke", bekräftigte Söder und zielte damit auch auf die Kernenergie ab. Man müsse die Atomkraftwerke so lange laufen lassen, wie Deutschland die Energie brauche.

Söder bemängelte beim Ausbau der erneuerbaren Energien zudem Genehmigungsverfahren erster und zweiter Klasse. Photovoltaik, Windenergie oder Biomasse müssten alle gleichwertig gefördert werden. "Deutschland habe kein Fitzelchen Energie zu verschenken", so der Ministerpräsident.

Auch habe er den Eindruck, dass die grundsätzlich sinnvollen Energiepreisbremsen teilweise zu kompliziert gestaltet sind und viele Betriebe mit Öl- und Pelletheizungen bisher keine zufriedenstellenden Lösungen erhalten. Nicht selten kämen die finanziellen Hilfen viel zu spät.

Söder: "Erbschaftssteuer ist mittelstandsfeindlich"

Söder ging auch auf die hohe Inflation in Deutschland ein, die das Handwerk stark belastet. Als Reaktion müssten Steuern gesenkt werden. Als Beispiel nannte er die Stromsteuer und forderte "einen dauerhaften Industrie- und Handwerksstrompreis". Denn, wenn Energie nicht mehr bezahlbar sei, müssten Unternehmen ihre Produktion einstellen und der Weg würde in die Insolvenz führen.

Nicht zu akzeptieren ist aus seiner Sicht auch die derzeitige Ausgestaltung der Erbschaftssteuer, die für kleine und mittelständische Betriebe eine hohe Belastung darstelle. "Wir brauchen eine grundlegende Veränderung. Die Erbschaftssteuer ist mittelstandsfeindlich", sagte Söder und kündigte an, dass man vor das Bundesverfassungsgericht ziehen werde.

Zu wenig Wertschätzung für das Handwerk

Zum Auftakt der Zukunft Handwerk wurde in München auch über mangelnde Wertschätzung für das Handwerk gesprochen. Söder und Habeck waren in diesem Punkt einig, dass man die Bedeutung des Handwerks viel mehr würdigen müsse. Ohne Handwerk geht nichts. Auch bei Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz oder Robotik, lautete der Tenor.

Wertschätzung würde sich auch dadurch zeigen, dass die akademische und berufliche Bildung endlich gleichwertig behandelt werden müssen, betonte Söder. Ein wichtiger Aspekt seien dabei die Kosten der Ausbildung. "Warum haben wir das Studium kostenfrei, aber die Meisterausbildung nicht?", fragte der Ministerpräsident und kündigte an, dass Bayern bald das erste Bundesland sein werde, dass die Meisterausbildung komplett kostenlos ermöglicht.

Über die Ankündigung aus Bayern freut sich Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Er unterstrich, dass die berufliche Bildung mehr gefördert werden muss. Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages, sieht einen Baustein darin, dass Studentenwohnheime bundesweit auch für Auszubildende geöffnet werden.

Handwerkspräsident Dittrich stellte weitere Forderungen an die Politik, um das Handwerk zu entlasten. So müssten die Abgaben und die Steuerlast gesenkt werden und der "Würgegriff der Bürokratie" aufgebrochen werden. Weiterhin brauche es mehr Spielraum für Investitionen und Innovationen sowie einen Staat, der nicht verhindere, sondern ermögliche.

Die Zukunft Handwerk findet in diesem Jahr erstmals von 8. bis 10. März in München statt und ist als eigenständiges Event parallel zur Internationalen Handwerksmesse konzipiert.