Drittes Quartal Wirtschaft schwächelt – Erwerbstätigkeit trotzdem auf Höchststand

Das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich im dritten Quartal zwar erneut abgeschwächt. Doch an der guten Arbeitsmarktlage ändert das nichts. Die Zahl der Erwerbstätigen ist im dritten Quartal dieses Jahres auf einen Rekordwert gestiegen. Junge Fachkräfte finden nach dem Ausbildungsende schnell eine Stelle.

Die gute Stimmung auf dem Arbeitsmarkt hält an. Nach der Ausbildung finden viele Jugendliche schnell eine Stelle. - © Foto: Ingo Bartussek/Fotolia

Das dritte Quartal dieses Jahres zeigt sich gespalten. Aufgrund der anhaltenden Eurokrise fängt die Wirtschaft etwas an zu schwächelt und wächst nicht mehr ganz so schnell. Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat das allerdings nicht.

So erhöhte sich das Bruttoinlandsprodukt laut Statistischem Bundesamt verglichen mit dem Vorquartal preis- und saisonbereinigt um 0,2 Prozent. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung noch um 0,3 Prozent gestiegen, im ersten Quartal um 0,5 Prozent.

Positive Wachstumsimpulse erhielt die deutsche Wirtschaft in den Monaten Juli bis September aus dem Ausland, da die die Exporte von Waren und Dienstleistungen verglichen mit dem Vorquartal etwas stärker gestiegen als die Importe seien. Aus dem Inland kamen dagegen positive wie negative Anstöße.

Euroraum tiefer in der Krise

Die privaten und öffentlichen Haushalte hätten preis- und saisonbereinigt mehr konsumiert als im zweiten Quartal. Auch die Investitionen in Bauten hätten sich erhöht, erklärte das Bundesamt. Beides habe den erneuten Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen sowie den Abbau von Vorräten bei den Unternehmen in etwa kompensiert.

Die Wirtschaft in der Eurozone insgesamt gerät dagegen tiefer in den Sog der Krise. Nach einer Schnellschätzung des europäischen Statistikinstituts Eurostat BIP in den 17 Ländern der Währungsunion im dritten Quartal um 0,1 Prozent zurück gegenüber dem Vorquartal. Bereits im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung der Eurozone um 0,2 Prozent geschrumpft. Zwei Quartalen Minuswachstum ist die gängige Definition einer Rezession.

Rekordwerte am Arbeitsmarkt

Doch diese Schwankungen können am Aufwärtstrend der Beschäftigtenzahlen in Deutschland nicht rütteln. Von Juli bis September hatten nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts im Schnitt 41,7 Millionen Menschen in Deutschland einen Arbeitsplatz. Das seien so viele wie noch nie seit der Wiedervereinigung, teilte das Amt mit. Zuletzt hatte die Erwerbstätigkeit im vierten Quartal 2011 mit 41,6 Millionen einen Höchststand erreicht.

Von dieser positiven Entwicklung profitieren auch die Berufseinsteiger, die nach der Ausbildung eine Stelle suchen. Jedes Jahr im Sommer steigt zwar die Jugendarbeitslosigkeit in Deutschland deutlich an, da nicht alle den nahtlosen Übergang nach dem Abschluss der Ausbildung in den Beruf schaffen. Doch nach den neuesten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) finden die meisten bis Jahresende eine Anstellung.

Neue Fachkräfte nach der Sommerpause

Im Juli 2012 waren bundesweit 300.900 junge Leute unter 25 Jahre arbeitslos. 58.700 von ihnen besaßen eine abgeschlossene Berufsausbildung. Da die Unternehmen meist nach Ende der Sommerpause neue Fachkräfte einstellen, nahm die Zahl der Jugendlichen, die im Juli arbeitslos wurden, im Oktober 2012 schon auf nur noch 14.800 ab.

Knapp die Hälfte der nicht mehr Arbeitslosen nahm laut BA eine Beschäftigung am ersten Arbeitsmarkt auf. Ein Drittel der Abmeldungen aus Arbeitslosigkeit erfolgte wegen einer weiteren Ausbildung oder einer Fördermaßnahme. Doch dabei gab es große Unterschiede zwischen den Bundesländern.

Besonders deutlich fiel in diesem Jahr der Rückgang arbeitsloser junger Fachkräfte in Schleswig-Holstein und Bayern aus. Hier waren Ende Oktober nur noch jeweils 16,9 Prozent der im Juli gemeldeten Jugendlichen arbeitslos. Dagegen gelang es in Sachsen (36,9 Prozent) und Sachsen-Anhalt (35,5 Prozent) den jungen Fachkräften weniger, ihre Arbeitslosigkeit zu beenden. dhz/dapd