Forderung aus dem Handwerk "Wirtschaft muss bald wieder hochfahren"

Das wirtschaftliche Leben wurde heruntergefahren, um die Ausbreitung des Coronavirus in den Griff zu bekommen. Doch die Klagen über die wirtschaftlichen Folgen nehmen zu, Existenzängste machen sich breit. Wenn es so weitergeht, droht auch im Handwerk eine Welle von Insolvenzen.

Viele Geschäfte sind wegen der Corona-Krise geschlossen. Lange halten viele Händler und Handwerker aber nicht mehr durch. - © ArTo - stock.adobe.com

Die bis Ende der Osterferien geltenden Ausgangsbeschränkungen in Bayern machen den handwerklichen Versorgern und Dienstleistern weiterhin schwer zu schaffen: Drei Viertel der Handwerksunternehmen  haben zuletzt Umsatzrückgänge von durchschnittlich knapp 50 Prozent verzeichnen müssen, fast die Hälfte beklagt stornierte Aufträge. "Wir unterstützen die Maßnahmen von Bund und Staatsregierung, durch einen weitgehenden Stillstand Leben zu retten und das Gesundheitswesen vor Überlastung zu schützen“, sagt Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT). "Wir sagen aber auch klipp und klar: Lange halten das viele Betriebe des Handwerks nicht mehr durch. Die Klagen über die wirtschaftlichen Folgen des ‚Corona-Shutdown‘ nehmen zu, Existenzängste häufen sich. Wenn es so weitergeht, wird es auch im Handwerk eine Welle von Insolvenzen geben und damit eine Steigerung der Arbeitslosenzahlen“, schlägt Peteranderl Alarm. Das Handwerk in Bayern zählt 205.000 Betriebe mit 954.000 Beschäftigten, darunter 70.000 Auszubildende.

Der Bayerische Handwerkstag fordert von der Politik daher einen klaren Fahrplan, wie der wirtschaftliche Stillstand so schnell wie möglich beendet werden kann. Der BHT-Präsident: "Handwerk und Mittelstand tragen mit ihren Steuern und Abgaben einen guten Teil zum Funktionieren des Staats bei. Damit sie dies auch in Zukunft können, muss die Wirtschaft bald wieder hochfahren.“

Zweites Corona-Hilfspaket gefordert

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte die Bundesregierung zu einem weiteren Corona-Kreditpaket für die deutsche Wirtschaft auf. Die Wirtschaft sei mittlerweile sehr viel stärker betroffen von der Pandemie als Mitte März, als der Bund sein Corona-Paket beschlossen hatte. "Zudem nehmen mittlerweile die Kettenreaktionen in die Breite der Wirtschaft zu. Daher können wir jeden Tag neu messen, wie sich die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe verschlechtert“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur plant die Bundesregierung bereits ein zusätzliches riesiges Programm, das vor allem auf den Mittelstand zielt. Dabei geht es um Verbesserungen bei Laufzeiten und Haftungsfreistellungen für Kredite. Im Gespräch ist demnach, Kredite für mittelständische Firmen für eine begrenzte Zeit mit einer 100-prozentigen Staatshaftung abzusichern. Der Staat könnte dafür Garantien in einem Gesamtvolumen von bis zu 300 Milliarden Euro übernehmen.

Steuerliche Sonderregelung geplant

Die Unionsfraktion erwägt nach den Worten ihrer finanzpolitischen Sprecherin Antje Tillmann noch weitere Liquiditätshilfen für mittelständische Unternehmen. Tillmann sagte, neben verbesserten Kriterien der staatlichen Förderbank KfW und Programmen habe die Unionsfraktion dem Bundesfinanzministerium "eine einmalige Sonderregelung für die Gewinnermittlung 2019 vorgeschlagen". Danach können Unternehmen, die 2020 Verluste machen, diese auch nach heutiger Rechtslage teilweise im Jahr 2019 steuerlich geltend machen.

Hierzu müsse bisher der Verlust mit der Steuererklärung 2020 aber erst festgestellt werden. Das würde normalerweise mit der Steuererklärung 2020 im Jahr 2021 passieren, erläuterte die CDU-Politikerin. "Das ist viel zu spät. Deshalb möchten wir in der Steuererklärung 2019 eine Rücklage, die diesen Effekt vorzieht, also den voraussichtlichen Verlust schon jetzt nutzbar macht." dpa/str