Handwerksbetrieb trotzt der Finanzkrise "Wir lassen die Finanzkrise nicht herein"

Handwerker Albert Kohl will von der Finanzkrise nichts wissen. "Alle reden von der Krise. Wir machen nicht mit", lautet das Motto des Betriebsinhabers aus dem schwäbischen Bobingen für 2009. Tipps und Gründe für seinen Erfolg und Optimismus. Von Patrick Choinowski, Bobingen

Installateurmeister Albert Kohl sieht der Finanzkrise gelassen entgegen. Foto: Kohl

"Wir lassen die Finanzkrise nicht herein"

Unaufgeregt sitzt Albert Kohl in seinem Stuhl. Sein Lächeln strahlt wie sein weißes Hemd, auf dem das Firmenlogo prangt: "Kohl Wasser + Wärme". Vor knapp zehn Jahren hat er den väterlichen Betrieb übernommen und erst einmal investiert. Dabei verhehlt Kohl nicht, dass die Übergabe des Haustechnik-Unternehmens nicht reibungslos verlaufen ist, weil der Sohn richtig investieren wollte. "Der Vater war sehr skeptisch. Aber meine Mutter hat ihn überzeugt", ist Albert Kohl heute noch froh. Denn damals, im Jahr 1999, legte er den Grundstein dafür, dass er heute einigermaßen entspannt der Finanzkrise begegnen kann. "Die Banken sind uns damals entgegengekommen. Das war ein Glücksgriff, der heute wohl so nicht mehr funktionieren würde", gibt er zu.

Aus einem großen Ausstellungsraum, einer Etage mit Büros und einem Schulungsraum besteht nun das Hauptgebäude in Bobingen bei Augsburg. Von drei auf 28 Mitarbeiter hat Albert Kohl den Sanitärbetrieb aufgestockt. Dass er seine Belegschaft im Jahr 2009 behält, ist er sicher. "Im Gegenteil: Wir suchen händeringend neue Mitarbeiter."

"Oft fehlt der Geist, besser werden zu wollen"

Was macht Albert Kohl anders, dass die globale Krise momentan an ihm vorbeigeht? "Es gibt kein Patentrezept“, sagt der 34-Jährige. "Oft fehlt in Deutschland der Geist, besser werden zu wollen und zu optimieren." Er hat sich zum Maßstab gesetzt, "die Krise als Chance zu nutzen“. Gesagt, getan im Jahr 2008: Zwei Filialen hat Kohl in Gersthofen bei Augsburg und Landsberg/Lech eröffnet und einen Umsatz von drei Millionen Euro Umsatz gemacht. "Ich habe bei der Bank gerade noch rechtzeitig den Kreditvertrag unterschrieben. Einen Monat später wäre das sicher nicht mehr möglich gewesen."

Entscheidend für die Kreditvergabe sei eines gewesen: "Wir haben über die Jahre sehr enge Kontakte zu unserer Bank geknüpft und ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut." Wichtig sei zudem, einen Liquiditätsplan aufzustellen. "Entwicklungen müssen mit dem Steuerberater regelmäßig besprochen werden. Dann lässt sich so ein Plan gut aufstellen."

"Wir wollen zu den Menschen kommen"

Auf die Idee mit den Zweigstellen ist Albert Kohl gekommen, weil er feststellte, dass trotz massivem Marketing weiter entfernt wohnendes Kundenpotenzial nicht gewonnen werden konnte. "Die örtliche Bindung ist uns sehr wichtig, deshalb haben wir das mit den Filialen gewagt. Wir wollen zu den Menschen kommen." Und das Fazit nach einem halben Jahr fällt positiv aus: "Die ersten Stufen des Zweigstellen-Businessplans haben wir erreicht. Unser Ziel ist es, weitere Filialen zu eröffnen."

$(LC3249636: Mitarbeiter-Qualifizierung ist für Kohl entscheidend >|_top)$