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Gelockerte Corona-Maßnahmen Wiedereröffnung nach Lockdown: Was Betriebe jetzt beachten müssen

Der Neustart eines Betriebs nach wochenlangem Stillstand ist eine große Herausforderung. Das betrifft sowohl den Arbeitsschutz als auch die Betriebsgebäude selbst. Wie man den Betrieb nach dem Corona-Lockdown wieder zum Leben erweckt.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Es waren harte Wochen des Stillstands für viele Betriebe. Nun dürfen Ladengeschäfte mit bis zu 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sowie Kfz- und Fahrradhändler ab dem 20. April – in Bayern ab dem 27. April – wieder öffnen, für das Friseurhandwerk soll es ab dem 4. Mai weitergehen. Man habe die Wochen der Corona-bedingten Zwangsschließung gut genutzt, sagt Josef Bolz, Inhaber und Geschäftsführer der Autowelt Bolz in Pulheim bei Köln. "Wir haben uns auf die Wiedereröffnung vorbereitet." Es gebe klare Arbeitsanweisungen sowie Hinweise für die Kunden, zudem werde in festen Schichten und Gruppen gearbeitet, um das Ansteckungsrisiko für die Mitarbeiter zu minimieren.

Ein Neustart eines Betriebs nach wochenlangem Stillstand ist aber auch mit Blick auf die Betriebsgebäude eine Herausforderung. Denn die komplette Infrastruktur müsse strukturiert wieder hochgefahren werden, um Risiken für Kunden und Mitarbeiter zu minimieren, mahnt Bernd Fisel, Associate Partner bei der Immobilienberatungsgesellschaft Drees & Sommer.

"In raumlufttechnischen Anlagen und im Trinkwassernetz ist stehendes Wasser das mit Abstand größte Risiko. Vor allem gilt es zu vermeiden, dass sich Keime und Bakterien bilden und vermehren, bis hin zu den gefürchteten Legionellen", so der Experte. "Trinkwasseranlagen, Lüftungsanlagen und Klimaanlagen mit Luftbefeuchtern sollten grundsätzlich komplett überprüft werden." Auch der Verband der Immobilienverwalter Deutschland (VDIV) rät dazu, Trinkwasserleitungen umfänglich zu spülen, bevor die Einrichtungen wieder in Betrieb genommen werden. Bei einer Betriebsunterbrechung von mehr als vier Wochen empfiehlt der Verband eine mikrobiologische Kontrolluntersuchung auf Keime und Legionellen.

"Wichtig ist es auch, sich rechtzeitig mit den externen Dienstleistern auszutauschen", so Fisel. Denn absehbar sei, dass diese in den nächsten Wochen überlastet sein könnten. Viele in Gewerbegebäuden regelmäßig anstehende Inspektionen und Wartungen, beispielweise von raumlufttechnischen Anlagen, Brandschutztechnik, Aufzügen oder Notbeleuchtungen dürften nur bedingt terminlich verschoben und zudem nur von Fachpersonal mit Sachkundenachweis durchgeführt werden, warnt Fisel.

Wiederanlauf technischer Systeme genau überwachen

Auch sei es wichtig, für die kommenden Wochen und Monate entsprechende Konzepte und Strategien für das Leerstandsmanagement und das anschließende Wiederhochfahren des Betriebs zu entwickeln, sagt Fisel. Denn es kann durchaus zu einem zweiten Corona-Lockdown kommen, wenn die die Fallzahlen nach der Lockerung der Einschränkungen wieder stark ansteigen sollten. "Es empfiehlt sich, eine vollumfassende Überprüfung der Gebäude vorzunehmen, um Gefährdungen auszuschließen", so der Immobilienexperte. So sei es etwa beim Wiederanlauf von technischen Systemen in der Werkstatt wichtig, diese genau zu überwachen, um Schäden und Lastspitzen zu vermeiden.

Aber nicht nur die Betriebsgebäude selbst gilt es zu schützen – sondern auch die Kunden und vor allem die Mitarbeiter. Arbeitgeber seien in der Pflicht, sichere Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten zu schaffen, betont Martin Lützeler, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner bei der Wirtschaftskanzlei CMS. Das Wiederhochfahren der Betriebe sei für die Unternehmen eine Herausforderung beim Arbeitsschutz. Der Arbeitgeber ist verantwortlich, sichere Arbeitsbedingungen zu bieten. Er müsse Schutzmaßnahmen einführen, die auf die betriebliche Situation angepasst sind. "Es hängt also von den betrieblichen Gegebenheiten – Aufgaben, Anzahl Beschäftigte, Teamarbeit, Räume, Kundenbesuche – ab, welche Maßnahmen erforderlich sind", erläutert Lützeler. "Arbeitgeber müssen hierfür eine Gefährdungsbeurteilung durchführen." Das Bundesarbeitsministerium hat hierzu inzwischen verbindliche SARS-CoV-2-Ar­beits­schutz­stan­dards veröffentlicht, die jedoch für die einzelnen Branchen in den kommenden Tagen noch konkreter gefasst werden.

Technische und bauliche Schutzmaßnahmen sind am wichtigsten

Bei den jeweiligen Maßnahmen müssten Arbeitgeber die im Arbeitsschutzgesetz vorgesehene Reihenfolge einhalten, sagt CMS-Anwalt Lützeler. Vorranging sind technische und bauliche Maßnahmen vor organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen. Das bedeutet, dass der Unternehmer zunächst etwa eine Acrylglas-Scheibe an den Verkaufstresen anbringen, Desinfektionsmittelspender aufstellen und Bodenmarkierungen für die Einhaltung von Abstandsregeln anbringen muss, bevor er die Mitarbeiter etwa dazu verpflichten kann, bei der Arbeit einen Mundschutz zu tragen. Größere Firmen mit Betriebsrat müssten diesen zudem in die Überlegungen mit einbeziehen. "Der Betriebsrat hat ein Mitbestimmungsrecht, welche Maßnahmen getroffen werden", so Lützeler.

In der Autowelt Bolz sind entsprechende Vorkehrungen getroffen worden: Desinfektionsmittelspender stehen bereit – diese seien schon frühzeitig bestellt worden, so Geschäftsführer Josef Bolz. "Wir haben unser Team geschult, auf die Hygienemaßnahmen strikt zu achten. Abstand halten und Hände waschen sind derzeit essenziell." Zudem würden alle Arbeitsflächen wie Schreibtische und Tresen regelmäßig desinfiziert. Auf die Besucheranzahl im Haus werde geachtet, genauso wie auf die Einhaltung des vorgeschriebenen Mindestabstands. Dabei würden aufgebrachte Bodenmarkierungen sowie Absperrbänder helfen, sagt Bolz. Eine Mundschutzpflicht für die Mitarbeiter oder auch die Kunden gebe es aber nicht. "In einem Autohaus ist es auch aufgrund der großen Fläche zum Beispiel in der Ausstellungshalle relativ einfach, einen angemessenen Abstand einzuhalten."

Probefahrt ohne Ansteckungsrisiko

Zum Autokauf gehört natürlich auch die Möglichkeit einer Probefahrt. Diese ist allerdings in der derzeitigen Situation durchaus mit Risiken für die Kunden verbunden – schließlich weiß man nicht, wer vorher in dem Probefahrzeug gefahren ist. Probefahrten seien bei der Autowelt Bolz dennoch uneingeschränkt möglich, sagt Geschäftsführer Josef Bolz. "Die Autos werden nach einer Fahrt desinfiziert und aufbereitet." Zudem sei sichergestellt, dass nicht mehrere Kunden innerhalb von kurzer Zeit mit dem gleichen Auto fahren. "Wir sprechen hier eher von einer Probefahrt je Fahrzeug am Tag." Zudem werde mit einem Überschutz für das Lenkrad gearbeitet – auch, wenn Autos ausgeliefert oder beim Kunden abgeholt würden. czy

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