Smarte Helfer fürs Handwerk Wie YouTube und Apps den Handwerker-Alltag erleichtern

Ob Reparatur-Anleitungen per YouTube-Video, Projektdokumentation per Smartphone-App oder digitale Fahrtenbücher und Zeiterfassungs-Apps: Handwerksbetriebe setzen im Arbeitsalltag zunehmend auf digitale Technologien. Das vereinfacht Abläufe und spart Zeit. Ein Beispiel aus der Praxis und sechs nützliche Apps für Handwerker.

Digitale Technologien spielen im Handwerkeralltag eine zunehmend wichtige Rolle. - © Bits and Splits - stock.adobe.com

Von Harald Czycholl

Wenn Kfz-Mechatroniker in Nutzfahrzeugwerkstätten einmal nicht weiter wissen, können sie ihr Smartphone zur Hand nehmen und auf YouTube die "TrailerBuddies" aufrufen – zumindest wenn sie gerade ein Fahrzeug mit Komponenten von BPW Bergische Achsen vor sich haben.

Mit dem YouTube-Format sollen die Praktiker in den Werkstätten direkt angesprochen werden, indem konkrete Handgriffe gezeigt werden. "Wir beschäftigen uns mit den Herausforderungen der Spezialisten aus den Werkstätten und zeigen gemeinsam mit unseren Kollegen aus dem Kundendienst handfeste, montagefreundliche Lösungen und Anwendungstipps", erklärt Aileen Seelheim von der BPW-Unternehmenskommunikation, die die YouTube-Videos moderiert.  "Dynamik, Authentizität und Mehrwert stehen bei den TrailerBuddies im Vordergrund."

Mobile Endgeräte im Werkstattalltag

So wird beispielsweise gezeigt, wie in Rekordzeit eine Radnaben-Einheit demontiert, überprüft und gefettet werden kann. Auch Reifendruckregelanlagen oder Lösungen für intelligente Ladungssicherung werden in den kurzen Videoclips aus Werkstattperspektive gezeigt.

Gedreht werden die Videos auf dem Firmengelände von BPW im nordrhein-westfälischen Wiehl. Wichtig ist dem Unternehmen dabei, dass die jeweiligen Handgriffe auch auf kleineren Bildschirmen deutlich zu erkennen sind. "Mobile Endgeräte gehören heute ganz selbstverständlich zum Werkstattalltag", so Seelheim. So gibt es bei BPW neben den YouTube-Videos auch andere Formate wie etwa digitale Wartungshandbücher oder Online-Tools zur Ersatzteilidentifikation.

Digitale Technologien erleichtern den Alltag

Digitale Technologien spielen im Handwerkeralltag eine zunehmend wichtige Rolle. Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom und des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) setzt bereits jeder zweite Handwerksbetrieb hierzulande (53 Prozent) auf digitale Technologien. Denn schließlich könnten "digitale Technologien den Arbeitsalltag erleichtern, Zeit sparen und Abläufe in den Betrieben enorm vereinfachen", so Bitkom-Geschäftsleiter Niklas Veltkamp. "Die Chancen sind riesig – jeder sollte sie ergreifen und die Potenziale der Digitalisierung für sein Unternehmen heben."

Mit Digitalisierung am Markt bestehen

Es gebe mittlerweile viele positive Beispiele dafür, wie digitale Technologien erfolgreich im Handwerk eingesetzt werden können, sagt ZDH-Geschäftsführer Karl-Sebastian Schulte. "Wichtig ist, dass sich alle Betriebe mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, um auch künftig am Markt bestehen zu können. Wir müssen und werden unsere Handwerksbetriebe noch stärker bei der Umsetzung von Digitalisierungsmaßnahmen unterstützen."

Mitunter ergeben sich daraus auch Chancen, neue Produkte und Dienstleistungen anzubieten. "Hier liegt noch großes Potenzial. Die Unternehmen können ihre Produkte und Dienstleistungen durch die Digitalisierung auf ganz neue Weise anbieten", betont Schulte. "Dadurch werden sie nicht nur serviceorientierter, sie bleiben vor allem wettbewerbsfähig. Darüber muss sich jeder Handwerksbetrieb heute im Klaren sein."

Fortbildung der Mitarbeiter

Dieser Entwicklung tragen die Betriebe Rechnung, indem sie zunehmend in die digitale Fortbildung ihrer Mitarbeiter investieren. "Die Digitalisierung verändert auch das Arbeitsumfeld im Handwerk. Neue Berufszweige entstehen, bestehende Berufe verändern sich. Dem müssen wir Rechnung tragen und digitale Aspekte in der Ausbildung stärker in den Fokus rücken", sagt Schulte.

Dabei kommt den Betrieben zugute, dass gerade junge Menschen schon eine recht hohe Digitalkompetenz mitbringen und Smartphones, Tablets und Co. problemlos bedienen können. Dem wiederum tragen die Hersteller mit eigens entwickelten YouTube-Formaten wie etwa im Fall von BPW oder auch praktischen Apps Rechnung.

6 nützliche Handwerker-Apps im Überblick

Zu den wichtigsten Handwerker-Apps zählt PlanRadar – sie kommt vor allem auf dem Bau zum Einsatz und ermöglicht die Kommunikation und Dokumentation bei Aufträgen. Die Nutzer können dabei Arbeiten, Mängel und andere Sachverhalte direkt vor Ort in Form von Tickets auf digitalen Bau- und Gebäudeplänen erfassen, auf Knopfdruck entstehen aus den erfassten Informationen vollständige und individuell anpassbare PDF-Berichte wie Bauprotokolle oder Behinderungsanzeigen, die sich digital signieren lassen.

Die Bosch Toolbox App wiederum ermöglicht eine genaue Projektdokumentation, mit der grundlegende Informationen wie Arbeitszeiten zu Aufträgen festgehalten werden können, sowie das Erstellen von Rapportzetteln inklusive Daten wie Datum, Arbeitszeiten, geleisteter Arbeit und verwendeten Materialien. Zudem bietet sie eine praktische Aufmaß-Funktion, um mittels eines elektronischen Zollstocks auf Fotos Längen und Winkel einzutragen.

Mit dem Cam Scanner wiederum lassen sich Quittungen, Rechnungen oder Verträge digitalisieren – sie werden einfach abfotografiert und in PDF- oder JPEG-Dateien umgewandelt und können auf diese Weise mit anderen Nutzern geteilt werden. Mittels Verschlagwortung und Suchfunktion lassen sich die hinterlegten Dokumente schnell durchsuchen.

Die App Driverslog Pro 2 wiederum ist ein digitales Fahrtenbuch, mit dessen Hilfe Handwerker Fahrtkosten berechnen und die durchgeführten Fahrten kategorisieren können. Zudem lässt sich auch der Verbrauch der Fahrzeuge dokumentieren. Mit der App lassen sich mehrere Fahrzeuge verwalten.

Mit der MasterPlan AR Handwerker App können Nutzer Objekte vor Ort vermessen und auf Basis der festgehaltenen Daten sofort ein erstes Angebot erstellen. Flächen lassen sich mittels Smartphone-Kamera vermessen, Skizzen werden in der App samt Maßangaben auf Knopfdruck angefertigt. Verschiedene hinterlegte Materialien dienen dann als Basis für die Erstellung von Kostenvoranschlägen.

Zeiterfassungs-Apps wie etwa die Arbeitszeitkonto App wiederum ermöglichen Handwerksbetrieben die digitale Zeiterfassung: Die App ermöglicht das Tracking von Aufträgen, Schichten, Pausen, Urlauben, und auch der persönlichen Freizeit mittels Ein- und Ausstempelfunktion. Nutzer können in der App mehrere Arbeitsplätze und Unternehmen zur Zeiterfassung hinterlegen, alle erfassten Arbeitszeiten lassen sich dabei als PDF oder Excel-Datei exportieren.