Finanzen + Geld -

Nebenjob im Ruhestand Wie viel dürfen Rentner hinzuverdienen?

Trotz Ruhestand weiter im Handwerksbetrieb arbeiten – nicht undenkbar, denn 2017 hat die Flexi-Rente die Hinzuverdienstgrenzen verändert und damit Nebenjobs auch für Rentner finanziell attraktiver gemacht, die vorzeitig in den Ruhestand gehen. Dennoch gelten Einkommensgrenzen für den abzugsfreien Verdienst in der Rente. Doch wann greifen sie?

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Früher in die Rente

Rentner sind einkommensteuerpflichtig. Seitdem im Jahr 2005 das Alterseinkünftegesetz in Kraft trat, müssen Renten zu einem Teil versteuert werden. Wie die Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der FDP nun zeigt, über die die "Bild"-Zeitung berichtet waren es zuletzt rund 4,4 Millionen Rentner und Rentner-Ehepaare, die dem Staat rund 33 Milliarden Euro pro Jahr an Einkommenssteuer zahlen mussten. Dabei waren es allerdings lediglich 600.000 Rentner, die keine weiteren Einkünfte als die gesetzliche Rente hatten.  Der Rest hatte Nebeneinkünfte, die dem Steuereinkommen zugerechnet werden.

So liegt auch der Nebenjob im Rentenalter im Trend – entweder, weil ältere Mitarbeiter in den Betrieben unabkömmlich sind oder weil die Rente nicht zu leben reicht. Wer während des Rentenbezugs etwas hinzuverdient, muss allerdings in manchen Fällen damit rechnen, dass die gesetzliche Rente gekürzt wird. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung, ob die Rente ab dem regulären Renteneintrittsalter bezogen wird oder schon früher.

Was darf man als Rentner hinzuverdienen, ohne dass Kürzungen drohen?

Ausschlaggebend dafür, ob Abzüge von der gesetzlichen Rente drohen, wenn man trotz Rentenbezug weiterarbeitet, ist das Lebensalter bzw. ob die Regelaltersgrenze bereits erreicht ist oder nicht.

Wer mit dem regulären Renteneintrittsalter in den Ruhestand geht, kann grundsätzlich unbegrenzt hinzuverdienen und muss die Beschäftigung auch nicht bei seinem Rentenversicherungsträger melden. Mit dem Erreichen der Regelaltersgrenze greift eine Versicherungsfreiheit. Für diejenigen, die weiterhin arbeiten, müssen ausschließlich die Arbeitgeber einen Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung leisten. Arbeitnehmern steht es frei, eigene Beiträge zu zahlen und damit die Rente zu erhöhen. Wer dies möchte, muss seinem Arbeitgeber Bescheid geben­, dass er  auf die Versiche­rungsfreiheit verzichten möchte. Einmal im Jahr erhöht sich dann die Rente durch die eigenen und auch durch die Arbeitgeberbeiträge. Weitere Sozialversicherungsbeiträge als die der Rentenversicherung spielen im Rentenalter keine Rolle.

Regelaltersgrenze – was ist das genau und wann ist sie erreicht?

Die Regelaltersgrenze wird für nach dem 31. Dezember 1946 geborene Versicherte schrittweise vom 65. auf das 67. Lebensjahr angehoben. Wer zum Beispiel 1954 geboren ist und im Jahr 2019 seinen 65. Geburtstag feiert, erreicht die Regelaltersgrenze mit 65 Jahren und acht Monaten. Alle, die 1964 oder später geboren sind, erreichen diese erst mit 67 Jahren.

Versicherte
Geburtsjahr
Anhebung
um Monate
auf Alter
Jahr Monat
1947 1 65 1
1948 2 65 2
1949 3 65 3
1950 4 65 4
1951 5 65 5
1952 6 65 6
1953 7 65 7
1954 8 65 8
1955 9 65 9
1956 10 65 10
1957 11 65 11
1958 12 66 0
1959 14 66 2
1960 16 66 4
1961 18 66 6
1962 20 66 8
1963 22 66 10.

Quellen: Deutsche Rentenversicherung Bund / Bundesamt für Justiz

 

Anders sieht es auch, wenn man die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hat. Denn dann wird der Verdienst ab einer bestimmten Einkommensgrenze von der Rente abgezogen. Als vorgezogene Altersrente gelten hierbei etwa die Altersrenten für langjährige und besonders langjährige Versicherte (Rente mit 63) und Altersrenten für schwerbehinderte Menschen. Je nach Höhe des Einkommens greifen Abzüge und die Rente wird nicht mehr als Vollrente, sondern nur noch als Teilrente gezahlt.

Mit der Einführung der sogenannten Flexi-Rente im Jahr 2017 hat der Gesetzgeber die Hinzuverdienstgrenzen ausgeweitet, so dass nun nicht mehr der monatliche Verdienst eines arbeitenden Rentners zählt, sondern die Summe des Einkommens über das ganze Jahr hinweg – egal, wann sie in welcher Höhe bzw. Verteilung erzielt wurde. So kann jeder Rentner seitdem bis zu 6.300 Euro im Jahr hinzuverdienen, ohne dass Abzüge von der Rente drohen. Als Hinzuverdienst gelten nach Angaben der Rentenversicherung der Bruttoverdienst aus abhängiger Beschäftigung, der steuerrechtliche Gewinn (Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, aus Gewerbebetrieb und aus selbständiger Arbeit) sowie vergleichbares Einkommen (zum Beispiel Abgeordnetenbezüge).

Bei denjenigen, die mehr als diese 6.300 Euro im Jahr verdienen, werden 40 Prozent der darüber liegenden Einkünfte von der Rente abgezogen. Konkret: Bleibt vom Jahresbruttoeinkommen des Hinzuverdienst nach Abzug des Freibetrags von 6.300 Euro noch etwas übrig, werden 40 Prozent davon auf die Rente angerechnet.

Als weitere Regelung, gilt der sogenannte Hinzuverdienstdeckel, der bestimmt, ab wann arbeitende Rentner mit Abzügen rechnen müssen. Wer mehr als die dabei individuell berechnete Summe verdient, muss mit einer vollständigen Anrechnung des Hinzuverdienstes auf die Rente rechnen. Der Hinzuverdienstdeckel wird jeweils aus den Einkommensverhältnissen der letzten 15 Kalenderjahre vor Rentenbeginn berechnet. Dabei ist das Kalenderjahr mit den meisten Entgeltpunkten maßgebend. Mit dem Hinzuverdienstdeckel möchte der Gesetzgeber erreichen, dass Versicherte während des Rentenbezugs aus Rente plus Hinzuverdienst nicht mehr Einkommen erzielen, als aus dem höchsten Verdienst in den letzten 15 Jahren vor Beginn der Rente.

Was gilt steuerlich für Rentner? Ist auf jeden Verdienst Einkommensteuer zu bezahlen?

Grundsätzlich ist auch für Rentner nur der Minijob steuerfrei. Nur der Arbeitgeber muss dabei zwei Prozent an Steuern pauschal bezahlen. Ohne diese pauschale Besteuerung wird das Einkommen zur Rente hinzugerechnet und es fallen Steuern auf die Summe abzüglich von Freibeträge an. Als Freibetrag gilt für arbeitende Rentner einerseits der Steuerfreibetrag im Rahmen des Alterseinkünftegesetzes und andererseits der Grundfreibetrag, der für jeden Arbeitnehmer gilt. Fällig wird die Einkommensteuer für Rentner grundsätzlich nur dann, wenn die Gesamteinkünfte über dem Grundfreibetrag von derzeit 9.168 Euro (Verheiratete: 18.336 Euro) liegen.

Der Steuerfreibetrag, der für diejenigen gilt, die mehr als den Grundfreibetrag beziehen, reduziert sich schrittweise bis im Jahr 2040 – abhängig vom Jahr des Renteneintritts. Andersherum steigt die Steuerbelastung an, so dass ab 2040 kein Freibetrag mehr besteht. Umgekehrt können Berufstätige in jüngeren Jahren immer mehr Ausgaben zur Altersvorsorge von der Steuer absetzen. So sollen sie größere Anreize zur Altersvorsorge haben.

Im Jahr 2019 sind es 78 Prozent der Rente, auf die Steuern fällig sind – es gilt also ein Freibetrag von 22 Prozent für alle Neurentner. Die Höhe der zu versteuernden Rente richtet sich nach dem Jahr des Rentenbeginns und so bleibt der Freibetrag auch in den Folgejahren nach dem Renteneintritt bestehen.

Infos und Tipps stellt die Deutsche Rentenversicherung Bund in einer Broschüre zum Thema bereit. Hier finden Sie auch Beispielberechnungen der Rentenhöhe trotz Hinzuverdienst.>>>

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten