Ausbildung Wie Oubay Khalifeh "Lehrling des Monats" wurde

Mahamad Oubay Khalifeh aus Damaskus wollte seine Zimmererlehre schon fast wieder abbrechen. Aber er ist drangeblieben und nun "Lehrling des Monats" der Handwerkskammer Reutlingen. Während seiner Ausbildung hat er viel gelernt – auch was "Muggaseggele" heißt.

Die Arbeit im Freien, wenn die Sonne scheint, mag Mahamad Oubay Khalifeh am liebsten. - © Sauter GmbH

Die Handwerkskammer Reutlingen hat Mahamad Oubay Khalifeh aus Balingen als "Lehrling des Monats August" ausgezeichnet. Der 26-Jährige wird bei der Sauter Zimmerei-Holzbau GmbH im dritten Lehrjahr als Zimmerer ausgebildet – als erster Syrer im Zollernalbkreis.

"Ich wollte immer schon etwas mit Holz und mit meinen Händen machen", berichtet Mahamad Oubay Khalifeh, der aus Damaskus stammt. "Nach einem Praktikum beim Fotografen, einer Schreinerei und schließlich hier in der Zimmerei, da habe ich schnell gemerkt, dass mir das gefällt und ich unbedingt Zimmerer werden möchte." Die erste Zeit in der Berufsschule war für den jungen Mann allerdings eine Herausforderung.

Lehrling des Monats: Fachbegriffe und das Schwäbische waren anfangs ein Problem

Trotz vieler Deutschkurse hatte er sprachliche Probleme, vor allem Fachbegriffe, die er noch nie gehört hatte, stellten ihn auf die Probe: "Stemmeisen, Kabeltrommel – das waren Fremdwörter für mich, die ich noch nie gehört hatte."

"Hinzu kam noch der schwäbische Dialekt." Aber auch das praktische Arbeiten ging anfangs nur schwer vonstatten. Trotz aller Bemühungen gab es im ersten Halbjahr nur schlechte Noten und folglich schlechte Laune. Auch an einen Abbruch der Ausbildung dachte er schon.

Doch Kollegen und Ausbilder Andreas Sauter redeten ihm gut zu und motivierten ihn, weiterzumachen. "Ich beschloss, weiterzukämpfen, es mir und den anderen beweisen. Schritt für Schritt ging ich weiter, bat Kollegen um Hilfe, wenn ich nicht mehr weiterwusste, und bekam zudem noch ausbildungsbegleitende Hilfe", erzählt der 26-Jährige.

Überstunden in Werkstatt und Schule

Jetzt ist er angekommen – nicht nur im Beruf: "Zwar ist das Schwäbische für mich nach wie vor schwer zu verstehen, aber ich habe auch da viel dazugelernt." Und so versteht er Aufforderungen wie "Gib mer gschwend dein Hammer", "Obacht", "Aubacha" oder die schwäbische Maßeinheit "Muggaseggele" problemlos. So ist das eben auf einer schwäbischen Baustelle mit schwäbischen Mitarbeitern. Besonders die Arbeit im Freien auf der Baustelle gefällt ihm und dass er immer wieder mit anderen Werkstoffen arbeiten kann.

"Mein Beruf ist sehr vielseitig und es motiviert mich jeden Tag aufs Neue, dass ich ihn gewählt habe. Zudem mag ich körperliche Arbeit und es gefällt mir, am Ende des Arbeitstages zu sehen, was ich geschafft habe", sagt Kalifeh.

Seine Motivation, seinen Ehrgeiz und sein handwerkliches Geschick schätzen auch sein Ausbilder Andreas Sauter: "Er hat wie kein anderer mit viel Willen und Einsatz daran gearbeitet, die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Unzählige Wochenenden hat er in der Werkstatt verbracht, um den Anforderungen in der Berufsschule gerecht zu werden. Nach der Arbeit besuchte er dann auch noch den Deutschunterricht."

Sein Wille und seine Hartnäckigkeit lassen in Oubay den Wunsch aufkommen, im Beruf weiterzukommen und auf dem Erlernten aufzubauen: "Mein Chef sagt immer: Erfahrung ist das höchste Gut. Dieser Aussage will ich nachkommen." Weitere Wünsche sind der Führerschein und die deutsche Staatsangehörigkeit.