Ob Baumaschinen, Werkstattausstattung oder ein neues IT-System: Immer mehr Handwerksbetriebe setzen in der Außenfinanzierung auf Leasing. Um in die Zukunft investieren, ohne Liquidität und Bonität einzubüßen. Welche Sorgen Leasing-Verband und ZDH teilen und warum Leasing eine Hilfe sein kann.

Zwei neue Hebebühnen sollten her, dazu eine Auswuchtmaschine: Michael T., Kfz-Meister aus Hamburg, wollte seine Autowerkstatt zukunftstauglich machen. Der Kaufpreis für die neue Werkstattausstattung lag allerdings bei gut 18.000 Euro – zu viel für den Betriebsinhaber, um es aus der vielzitierten Portokasse zu bezahlen. Der Unternehmer suchte nach einer Finanzierungsmöglichkeit – und wurde bei der Albis Leasing Gruppe fündig: Für vier Jahre kann er die Hebebühnen und die Auswuchtmaschine nun für eine monatliche Leasingrate nutzen. Und anschließend entscheiden, ob er die Ausrüstung zu einem bereits vertraglich fixierten Festpreis übernimmt oder zurückgibt.
In mittelständischen Handwerksbetrieben mit mehr als zehn Beschäftigten wird ein wachsender Teil der Investitionen über Leasing finanziert. Rund 30 Prozent der Betriebe setzen bei der Außenfinanzierung auf diesen Weg, zeigt eine aktuelle Erhebung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Zugleich bleibt die Investitionstätigkeit insgesamt deutlich hinter dem Bedarf zurück. Der Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL) sieht darin ein wachsendes Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit und mahnt politisches Handeln an.
Viele Handwerksbetriebe stehen in der aktuellen wirtschaftlichen Lage unter Druck, ihre Produktivität zu steigern. Neben den hohen Energiepreisen erzeugt auch der Fachkräftemangel Druck. Moderne Maschinen, Fahrzeuge und digitale Anwendungen können Arbeitsprozesse effizienter machen. Doch viele Betriebe meiden in Zeiten wirtschaftlicher Stagnation hohe Einmalinvestitionen und warten, bis ausreichend Eigenmittel vorhanden sind. Ein Vorgehen, das Modernisierungen systematisch verzögert.
Hier kommt Leasing als Finanzierungsinstrument eine wichtige Rolle zu: Es ermöglicht, Investitionen vorzuziehen und die Kosten über die Nutzungsdauer zu verteilen. "Viele Handwerker kombinieren laufenden Cashflow mit Leasing und können so schneller investieren", erklärt BDL-Hauptgeschäftsführerin Claudia Conen. "Planbare Raten und eine liquiditätsschonende Finanzierung schaffen Spielraum für das operative Geschäft." Vor allem bei neuen Technologien wie Elektrofahrzeugen würden Betriebe Leasing nutzen, weil sich Investitionsrisiken und Restwertfragen so besser kalkulieren ließen, so Conen.
Leasing als "Eckpfeiler der Unternehmensfinanzierung"
Leasing sei aufgrund seiner vielfältigen Vorteile ein "wesentlicher Eckpfeiler der Unternehmensfinanzierung", sagt auch Markus Eismann, Geschäftsführer der Commerz Real Mobilienleasing GmbH, einer Tochtergesellschaft der Commerzbank. Leasingmodelle würden dem Mittelstand eine flexible, liquiditätsschonende Alternative zur klassischen Investitionsfinanzierung bieten. Indem sie ein Fahrzeug oder eine Maschine leasen anstatt diese zu kaufen, können Unternehmen zudem ihr Bonitätsrating verbessern und die klassischen Banklinien schonen. "Seit jeher nutzen mehr als drei Viertel der Unternehmen Leasing und finanzieren hierüber gut die Hälfte ihrer außenfinanzierten Investitionen", so Eismann. "Mit dieser überwiegend Asset-basierten Finanzierungsform kann das Unternehmen seine Finanzierungskosten passgenau an der tatsächlichen Nutzung und Wertschöpfung seiner Investition ausrichten."
Gerade mit Blick auf die Digitalisierung, wo in vielen mittelständischen Unternehmen Nachholbedarf besteht, kann Leasing helfen, die notwendigen Investitionen zu schultern. Denn die ersten Schritte in die digitale Zukunft gehen meist auch mit großen finanziellen Herausforderungen einher. Nicht zuletzt aus diesem Grund erfreut sich Leasing derzeit vor allem im IT-Kontext großer Beliebtheit. Hierüber sind nämlich auch sämtliche immateriellen Güter wie etwa Software und Lizenzen finanzierbar – die Bandbreite reicht vom ERP-Projekt bis zum Webshop. Ein wichtiger Vorteil für die Unternehmen: Die Leasinggesellschaft ist typischerweise Asset-Spezialist und finanziert das IT-Vorhaben zum realistischen Marktwert ohne bankübliche Abschläge. Außerdem können die gesamten Anschaffungskosten, also auch Projektbegleitkosten wie Personal-, Programmier- und Schulungskosten, mitfinanziert werden. Die Betriebe brauchen also nicht in Vorleistung zu gehen.
ZDH fordert verlässliche Rahmenbedingungen
Über Sale-and-Lease-Back gebe es zudem eine gegebenenfalls liquiditätserweiternde Ergänzung des Leasings, erläutert Commerz-Real-Experte Eismann. Bei dieser Spezialform des Leasings wird ein Vermögenswert wie etwa ein Betriebsgebäude oder eine hochwertige Maschine an eine Leasinggesellschaft verkauft und anschließend von dieser wieder zurückgeleast. Dies könne vor allem in Krisenzeiten wichtig sein, weil sich auf diese Weise die in den Vermögenswerten gebundene Liquidität mobilisieren lasse und Engpässe vermieden oder auch Zukunftsinvestitionen ermöglicht werden könnten, so Eismann. "Diese Vorteile können mittelständische Unternehmen vor allem für ihre anstehenden Investitionen in Nachhaltigkeit und Digitalisierung nutzen."
Sorge um Wettbewerbsfähigkeit
Trotz der zunehmenden Bedeutung von Leasing als Finanzierungsinstrument bleibt jedoch laut ZDH-Angaben die Investitionsdynamik im Handwerk schwach. Mehrere Faktoren wie steigende Betriebskosten, langwierige Genehmigungsverfahren und unübersichtliche Förderprogramme würden Investitionsentscheidungen ausbremsen, kritisiert ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. Besonders kleine und mittlere Betriebe würden sensibel auf wirtschaftliche Unsicherheit reagieren und daher Investitionen verschieben. "Handwerksbetriebe wollen in neue Fahrzeuge, moderne Maschinen und digitale Prozesse investieren. Dazu brauchen sie jedoch verlässliche Bedingungen – vor allem weniger Bürokratie und Dokumentationspflichten, weniger Abgaben sowie Förderprogramme, die praxistauglich sind", erklärt Schwannecke. "Staatliche Förderinstrumente müssen dabei alle Finanzierungsformen berücksichtigen, das schließt Leasing ein."
Leasing: Ein altbekanntes Finanzierungsinstrument
Der Begriff "Leasing" stammt aus dem Englischen, bedeutet "Miete" und ist als Finanzierungsmöglichkeit schon seit mehr als einem Jahrhundert bekannt. So bot bereits 1877 die "Bell Telephone Company" ihre Telefone zur Miete an. Das Konzept ist so einfach wie vorteilhaft für den Leasingnehmer: Er übernimmt für eine vertraglich festgelegte Nutzungsdauer ein Objekt vom Leasinggeber und zahlt dafür ein monatliches Entgelt. Die finanziellen Hürden dafür sind im Vergleich zum Direktkauf oder zur Finanzierung gering. Das Leasingobjekt steht ihm in dieser Zeit voll zur Verfügung, ohne dass er die finanziellen Belastungen eines Neukaufs auf sich nehmen muss. Leasing hat allerdings auch einen wichtigen Nachteil: Das geleaste Objekt bleibt im Besitz des Leasinggebers und wird nach Ablauf der Vertragslaufzeit an selbigen zurückgegeben – mit den Zahlungen erwirbt man also zunächst nur ein Nutzungsrecht und nicht den Vermögenswert an sich. czy