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Betriebsgründung Wie mache ich mich selbstständig? 10 Tipps für Gründer

Jährlich machen sich rund 350.000 Existenzgründer in Deutschland selbstständig. Doch wie geht das am besten? Darauf sollte man bei der Gründung eines eigenen Betriebs achten.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Betriebsübergabe und Nachfolge

Viele träumen davon, sich nach der Ausbildung selbstständig zu machen und der Chef im eigenen Betrieb zu werden. Doch fachliches Können allein reicht oft nicht aus, um ein guter Unternehmer zu sein. Welche Chef-Eigenschaften Existenzgründer besitzen müssen, zeigt ein ausführlicher Test mit 15 Fragen des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWi).

Die rund 350.000 Existenzgründer jährlich, egal ob im Handwerk oder in anderen Bereichen, leisten einen wichtigen Beitrag für die deutsche Volkswirtschaft. Beispielsweise werden durch die neuen Betriebe neue Arbeitsplätze geschaffen und der Wettbewerb permanent gefördert. Doch wie mache ich mich selbstständig? 10 wichtige Tipps für Existenzgründer im Überblick.

1. Überlegungen vor der Gründung

Eine Gründung funktioniert nicht von heute auf morgen. Eine solide Planung sollte die Grundlage einer jeden Existenzgründung sein. Dazu gehören unter anderem die Erstellung eines Finanzplans und die Wahl der richtigen Rechtsform für den Betrieb. In folgender Reihenfolge sollte die Planung der Selbstständigkeit angegangen werden.

  • Die Entscheidung (Unter anderem die persönliche Eignungsprüfung und eine Rentabilitätsvorschau)
  • Die Planung (Marktanalyse, Konzepterstellung usw.)
  • Der Finanzplan (Kalkulation des Startkapitals, Ermittlung der Finanzquellen)
  • Das Unternehmen (Wahl der Rechtsform, Erledigen der Formalitäten)

2. Beratung durch Experten

Wichtig ist eine ausführliche Beratung durch Experten. Laut Bundeswirtschaftsministerium sollten sich Existenzgründer vor, während und auch noch nach der Gründung ihres Unternehmens regelmäßigen Rat einholen, um sicherzugehen, Fehler zu vermeiden.

3. Weiterbildung und Qualifizierung einen Betrieb führen zu können

Häufig scheitern Gründer mit ihrem Betrieb, weil sie nur über mangelnde kaufmännische und unternehmerische Kenntnisse verfügen. Es ist deshalb wichtig, sich bereits vorab diese unverzichtbaren Kenntnisse anzueignen. Unternehmensgründer sollten daher unbedingt einen Existenzgründungskurs besuchen und sich dort mit dem kaufmännischen 1x1 vertraut machen. Die Handwerkskammern bieten regelmäßig Kurse für Gründer an.

4. Der Businessplan

Der Businessplan ist unverzichtbar für die Gründung einer eigenen Firma. Hier werden grundsätzliche Fragen beantwortet. Unter anderem sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Welche Dienstleistungen und Produkte biete ich an?
  • Gibt es für diese Produkte und Dienstleistungen einen Markt?
  • Wie groß ist die Konkurrenz?
  • Kann ich preisgünstiger sein als die Konkurrenz?
  • Wie viele Mitarbeiter brauche ich?
  • Welche Rechtsform soll mein Unternehmen haben (ausführlich, siehe „5. Rechtsform des Unternehmens“)?
  • Wie könnte die Entwicklung der Branche aussehen?
  • Welche Werbemittel sind sinnvoll?
  • Welcher Standort ist sinnvoll?

5. Die Rechtsform des Unternehmens

Eine optimale Rechtsform für ein Unternehmen gibt es nicht. Allerdings hat die Entscheidung, in welcher Rechtsform Sie Ihr Unternehmen führen wollen, persönliche, finanzielle, steuerliche und rechtliche Folgen. Deshalb sollte man sich vorab genauestens bewusst sein, welche Rechtsform man wählt. Um diese Entscheidung zu vereinfachen, sollte man vorher folgende Fragen klären:

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6. Private Absicherung

Als Selbstständiger ist die Absicherung in Form von Versicherungen und Altersvorsorge besonders wichtig. Da man sich als sein eigener Chef jedoch künftig selbst um diese Dinge kümmern muss, sollte klar sein, welche private Absicherung man benötigt. Dies sind die wichtigsten Versicherungen:

  • Krankenversicherung
  • Krankentagegeldversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Unfallversicherung
  • Alters- und Hinterbliebenenabsicherung
  • Erwerbsminderung- oder Berufsunfähigkeitsversicherung

7. Betriebliche Absicherung

Auch die Absicherung des eigenen Unternehmens ist wichtig. Gründer sollten daher überlegen, welche Risiken Sie in Ihrem Unternehmen versichern wollen und welche nicht. Fragen Sie sich bei jeder Gefahrenart, wie hoch das Risiko im schlimmsten Fall ist und ob Sie es selber tragen können, oder ob Sie es in jedem Fall versichern sollten.

Achtung: In einigen Branchen bestehen Versicherungspflichten (z.B. Haftpflichtversicherung). Zu beachten ist auch, dass nicht alle Versicherungsunternehmen jedes Risiko versichern. Bei großem Risiko können Versicherungen auch ablehnen bzw. sehr hohe Beiträge verlangen.

 8. Liquidität sichern

Einer der wichtigsten Punkte bei der Erstellung des Finanzplans ist die Liquidität. Denn: Auch in der unternehmerischen Anfangsphase müssen Gründer in der Lage sein, Ihre Rechnungen zu bezahlen. Die Liquiditätsvorschau zeigt, ob stets genügend Geld "in der Kasse" ist, um weiterarbeiten zu können. Um dies zu ermitteln stellen Sie die geschätzten Einnahmen den Ausgaben gegenüber. Aus der Differenz der Einnahmen und Ausgaben ergibt sich der monatliche Überschuss (Überdeckung) oder der monatliche Fehlbetrag (Unterdeckung). 

Tipp: Die Liquiditätsplanung begleitet Sie während der ganzen "Unternehmerlaufbahn". Sie ist eines der wichtigsten Instrumente, um rechtzeitig festzustellen, ob Zahlungsunfähigkeit droht und sollte deshalb regelmäßig durchgeführt werden.

 9. Steuern

Selbstständige haben mit einer Reihe von Steuern zu tun, an die permanent gedacht werden muss, um keinen Ärger mit dem Finanzamt zu bekommen. Die wichtigsten Steuern, die bezahlt werden müssen sind:
  • Lohnsteuer
  • Gewerbesteuer
  • Einkommensteuer
  • Umsatzsteuer / Vorsteuer
  • Körperschaftsteuer

Eine genaue Übersicht zu den einzelnen Steuern gibt es hier. 

10. Formalitäten nicht vergessen

Bei den sogenannten "Formalitäten" wird häufig einiges übersehen. Denn, auf dem Weg in die berufliche Selbständigkeit müssen gegebenenfalls Genehmigungen oder Erlaubnisse eingeholt, das Unternehmen bzw. die berufliche Selbständigkeit sowie Mitarbeiter angemeldet oder gesetzliche Vorschriften beachtet werden. All das wird schnell übersehen und kann später zu Hindernissen führen.

Denn: Für eine Reihe selbständiger Tätigkeiten braucht man Erlaubnisse und/oder Genehmigungen. Im Einzelhandel sind beispielsweise für bestimmte Bereiche Sachkundenachweise erforderlich. Produktionsbetriebe müssen Genehmigungen für ihre Anlagen einholen. Existenzgründer sollten sich diesbezüglich frühzeitig bei Ihrer Handwerkskammer erkundigen.

Einen ausführlichen Überblick für Existenzgründer liefert der Leitfaden des Bundeswirtschaftsministeriums. Dort bekommen Gründer Tipps für die Selbstständigkeit.

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Dieser Beitrag wurde am 10.03.2017 aktualisiert.
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