Nische mit Geschichte Wie eine Ulmerin ein fast vergessenes Handwerk neu belebt

Christiane Ufer fertigt auf historischen Stanzmaschinen Knöpfe in reiner Handarbeit – jedes Stück ein Unikat. Wie die Ulmer Maßschneiderin aus Stoffresten ein zweites und profitables Standbein aufgebaut hat.

Christiane Ufer
Alles in Eigenregie gefertigt: Mit ihren Stanzmaschinen schneidet Christiane Ufer die Stoffe für die individuellen Knöpfe. - © Handwerkskammer Ulm

Christiane Ufer hat einen langen Atem und eine äußerst kreative Ader. In über zehn Jahren hat sie ihr Kunsthandwerk aufgebaut und inzwischen einen Markt besetzt, den es sonst kaum noch gibt: Ufer besitzt historische Knopfstanzmaschinen, mit denen sie ihre eigenen Knopfideen, aber auch die individuellen Wünsche ihrer Kunden bedienen kann. Die neueste Kreation der 60-jährigen Maßschneiderin ist eine Hommage an die Heimat: der Ulmer Spatz. Mehrere Stunden braucht es, bis ein einzelner Spatz-Knopf angefertigt wird. "Das ist alles reine Handarbeit, jeder Knopf ist ein Unikat", sagt Christiane Ufer. 2014 hat sie die kleine Knopfmanufaktur übernommen. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, erinnert sich die gelernte Maßschneiderin und lächelt. Nun lässt sie das fast ausgestorbene Handwerk wieder aufleben.

Ulmer Spatz auf Knopf
Der Ulmer Spatz wird auf den Knöpfen von Christiane Ufer verewigt. - © Handwerkskammer Ulm

Kreativität, Ehrgeiz und Unternehmergeschick gehen bei Ufer Hand in Hand. Neben der Manufaktur betreibt sie auch eine eigene Maßschneiderei und eine Nähschule. Die Produktion von Knöpfen und Gürteln macht ein Drittel ihres Umsatzes aus. Dabei ist dieses Geschäft auch noch nachhaltig. "Pures Upcycling", erzählt sie stolz. Denn die Stoffe für die Knöpfe stammen aus Resten, unter anderem von Raumausstattern. Auch liebgewonnene Kleidungsstücke, die nicht mehr getragen werden, verwandelt die Ulmerin in individuelle Knöpfe.

"Die Arbeit ist für mich wie Seelenbalsam. Hier komme ich zur Ruhe, hier kann ich abschalten", schwärmt sie. Knopfmanufaktur und Schneiderei befruchten sich heute gegenseitig. "Der passende Knopf ist das i-Tüpfelchen einer jeden Maßanfertigung." An Ideen mangelt es der 60-Jährigen nicht. Zum Münsterjubiläum im kommenden Jahr will sie das Ulmer Wahrzeichen auf den Stoff bringen. Quasi ein Mini-Münster zum Anstecken. Eine runde Sache.

Zur Person: Christiane Ufer hat 1991 ihre Ausbildung zur Damen­maßschneiderin absolviert. Danach eröffnete sie eine eigene Boutique in München. Seit 2012 ist Ufer mit ihrer Schneiderwerkstatt in der Ulmer Innenstadt, zwei Jahre später kam die Knopf- und Gürtelmanufaktur hinzu.