Elektromobilität Wie E-Handwerker vom Schnellladegesetz profitieren können

Der Bundesrat hat am 28. Mai das Schnellladegesetz beschlossen. Es bietet die gesetzliche Grundlage für den Aufbau eines deutschlandweiten Netzes mit 1.000 schnellen Ladesäulen für E-Autos. Für das Elektrohandwerk könnten sich dadurch neue Aufträge ergeben.

Ein Verkehrsschild weist auf die nächsten Ladestationen für E-Fahrzeuge hin. - © elektronik-zeit - stock.adobe.com

Für Fahrer von Elektroautos könnte es in Zukunft einfacher werden ihre Fahrzeuge deutschlandweit zu laden. Batterien könnten zudem schneller als bisher aufgeladen werden. Der Bundesrat hat am 28. Mai das sogenannte Schnellladegesetz – kurz SchnellLG – beschlossen. "Die nächste Schnellladesäule muss in wenigen Minuten erreichbar sein. Deshalb bauen wir bundesweit 1.000 Schnellladehubs bis 2023 auf“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Schnelles Laden als entscheidener Faktor

Um ihre Klimaschutzziele zu erreichen, setzt die Bundesregierung im Bereich Verkehr stark auf die Elektromobilität. So fördert sie etwa den Kauf von E-Autos. Damit Fahrzeugbesitzer deutschlandweit und auch auf langen Strecken mobil bleiben können, braucht es jedoch eine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Dabei ist auch das schnelle Laden von E-Autos entscheidend. Nach Angaben des Verkehrsministeriums gibt es aktuell aber erst rund 800 Ladepunkte mit mehr als 150 Kilowatt – etwa 2,4 Prozent der gesamten öffentlich zugänglichen Ladesäulen in Deutschland. Deshalb soll dank staatlicher Förderung bis zum übernächsten Jahr in Deutschland ein öffentliches Netz mit 1.000 schnellen Ladesäulen entstehen, die jeweils eine Leistung von mehr als 150 Kilowatt haben.

Die Wirtschaft beklagt, derzeit sei der Betrieb von Ladesäulen noch nicht wirtschaftlich. Deshalb sind im Gesetz langfristige Verträge mit den Unternehmen geplant, die die "Schnellladehubs" nach einer europaweiten Ausschreibung errichten und betreiben sollen. Zwei Milliarden Euro sind für den Aufbau und den Betrieb der Schnellladeinfrastruktur vorgesehen.

Schnellladegesetz auch Chance für das Elektrohandwerk

Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) sieht im Schnellladegesetz nicht nur eine Chance für die Akzeptanz der Elektromobilität, sondern auch für das Elektrohandwerk. Es schaffe zusätzliche Möglichkeiten, beim Ausbau der Ladestationen zu unterstützen und so Zusatzgeschäft zu generieren, sagt Alexander Neuhäuser, stellvertretenden Hauptgeschäftsführer. "Elektrohandwerkliche Betriebe können dabei zum einen als Subunternehmer für die Unternehmen agieren, die bei der Ausschreibung sogenannte Lose zugeteilt bekommen. Zum anderen können sie später in der Wartung, Reparatur und Behebung von Störungen unterstützen."

Trotzdem fordert der ZVEH auch ein stärkeres Augenmerk auf den Ausbau der privaten Ladeinfrastruktur zu legen, denn 80 Prozent der Ladevorgänge würden künftig zuhause beziehungsweise auch am Arbeitsplatz erfolgen. Je mehr Ladeinfrastruktur aufgebaut wird, desto wichtiger sei es zudem, die dazugehörige elektrische Infrastruktur nicht aus den Augen zu verlieren, damit es hier nicht zu einer Überlastung kommt. "Der ZVEH plädiert daher schon lange dafür, dass in regelmäßigen Abständen einen 'E-Check' für die elektrische Anlage wie auch für die Ladeinfrastruktur durchzuführen ist", so Neuhäuser. Dabei handle es sich um ein anerkanntes Prüfungsverfahren.

Ausschreibung soll im Sommer 2021 starten

Der BMVI teilt mit, dass noch vor der parlamentarischen Sommerpause ein erstes Ausschreibungsverfahren im Rahmen des Schnellladegesetzes starten soll. Der deutschen Bundestag erhalte dazu in Kürze ein Konzept. Laut BMVI soll die reguläre Ausschreibung im Sommer starten.

Das Schnellladegesetz ist nur eine von vielen Initiativen, um die Ladenetzinfrastruktur in Deutschland zu verbessern und die Akzeptanz für Elektromobilität zu steigern. Weitere Förderprogramme zum Ausbau des Ladenetztes finden Interessierte hier:

>>> Lesetipp: Ladesäulen in Deutschland: Wo Sie (zukünftig) Ihr E-Auto laden können

Mit Inhalten der dpa

FAQ Schnellladegesetz: Was genau ist geplant?

Warum braucht es ein Schnellladegesetz?

Die Förderung der Elektromobilität ist ein zentraler Baustein der Klimaschutzstrategie der Bundesregierung. Eine Kaufprämie hat den Verkauf von E-Autos bereits angekurbelt. Damit die Batterien der Fahrzeuge auch geladen werden können – egal ob in der Stadt, auf dem Land oder auf der Autobahn –, braucht es eine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Diese fehlt zurzeit noch. Das "Gesetz zur Bereitstellung flächendeckender Schnellladeinfrastruktur für reine Batterieelektrofahrzeuge", kurz Schnellladegesetz, bietet eine gesetzliche Grundlage für die Förderung eines Schnellladenetztes für E-Autos.

Was wird ausgeschrieben?

Ausgeschrieben wird eine sogenannte High Power Charging (HPC)-Ladeinfrastruktur mit einer Leistung von mindestens 150 kW an den jeweiligen Ladepunkten. Bis 2023 sollen 1.000 solcher Schnelladestandorte für den Mittel- und Langstreckenverkehr entstehen. Laut Bundesregierung können Batterien dann in rund 20 Minuten zu 80 Prozent geladen werden.

An welchen Bedingungen ist die Ausschreibung geknüpft?

Folgende Bedingungen nennt die Bundesregierung: Die Standorte müssen modern und kundenfreundlich sein. Die Ladeinfrastruktur soll schnell und verlässlich funktionieren. Auch muss der Nutzer mit Kredit- und Girokarte zahlen können. Plug-in-Hybride, bei denen neben dem Elektromotor immer auch ein konventioneller Verbrennungsmotor mit an Bord ist, sollen dort ebenfalls laden können.

Wie erfolgt die Ausschreibung?

Für die Ausschreibung werden 18 sogenannte Lose gebildet. Diese sollen laut Bundesregierung sowohl wirtschaftlich attraktive als auch wirtschaftlich unattraktive Gebiete zusammenfassen. Das oder die Unternehmen, die das wirtschaftlichste Angebot machen, sollen den Zuschlag für das jeweilige Los erhalten. Auch die Belange mittelständischer Unternehmen sollen bei der Losbildung berücksichtigt werden. Zusätzlich soll es bundesweite Lose an Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen geben.

Was müssen die bietenden Unternehmen leisten?

Für die Bietenden sind laut BMVI Aufbau und Gewährleistung des Betriebs der Ladepunkte vertraglich verpflichtend – anders als in bisherigen und weiter bestehenden Förderprogrammen. Der Bund lege darüber hinaus auch Versorgungs- und Qualitätsstandards an den Standorten des Schnellladenetzes fest und stelle sicher, dass diese auch eingehalten werden.

Wann startet die Ausschreibung?

Laut BMVI soll die reguläre Ausschreibung im Sommer 2021 starten.

>>> Weitere Informationen zum Ausschreibungsverfahren gibt es auf der Website des BMVI

>>> Hier den Gesetzesentwurf zum Schnellladegesetz im PDF lesen