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TV-Kritik: SWR – Zur Sache Baden-Württemberg Wie die Meisterausbildung gegenüber dem Studium benachteiligt wird

Für seinen Meister kann ein Handwerksgeselle gut und gerne mal 20.000 Euro auf den Tisch legen. Ein Studium kostet hingegen in Deutschland keine Gebühren. Ausgehend von dieser Tatsache ging das SWR-Politmagazin "Zur Sache Baden-Württemberg" der Frage nach, ob diese Zustände gerecht sind - und verwob dabei die aktuelle Debatte um die Meisterpflicht geschickt mit Qualitätsfragen und den Kosten der Ausbildung.

Lehrjahre sind keine Herrenjahre, aber diese Ausbildung geht richtig ins Geld. Alleine für 3.000 Euro hat David Hamm, der gerade seinen Elektromeister bei der Handwerkskammer Ulm macht, ein Lager eingerichtet und Material gekauft, das er für die Ausbildung benötigt. Und da sind die anderen Kosten, rund 9.000 Euro Kursgebühren und gut 10.000 Euro für Fachbücher, Prüfungsgebühren und anderes noch gar nicht mit eingerechnet. Mehr als 20.000 Euro kommen da zusammen, und das angesichts einer Vollzeit-Ausbildung, während der nur nebenbei noch Geld verdient werden kann.

Hamm arbeitet zwar, wenn es die Ausbildungszeit zulässt, noch in seinem Betrieb mit, aber mehr als 450 Euro pro Monat sind unter dem Strich nicht drin. Alles in allem, so stellte der Beitrag des SWR treffend fest, viel Aufwand und wenig Geld – zumal es in Baden-Württemberg keinen Zuschuss vom Land für die Meisterausbildung gibt. Hamm sagt deshalb in aller Klarheit: „Ich finde das schwach, denn überall wird die Bildung unterstützt, wieso soll sie dann nicht auch in der Meisterausbildung unterstützt werden?“

Schimmel und krumme Fliesen: Plädoyer für die Meisterpflicht

Eine gute Frage, zumal die Reportage eingangs eindrücklich gezeigt hatte, wohin es führen kann, wenn die Standards, wie etwa der Meisterbrief, im Handwerk immer weiter abgesenkt werden. In einer Neubausiedlung in Eningen in der Nähe von Reutlingen etwa sind die Baumängel offensichtlich. Schimmel unter dem Dach, knarzende Duschwannen, krumm und schief verlegte Fliesen, scharfe Kanten. Oder in Herrenberg, einige Kilometer südwestlich von Stuttgart: Zu kurze Türen, Schimmel an der Wand schon vor dem Einzug, zu dünne Abdichtung unter den Fliesen im Bad. Das Bild, das Handwerker hier hinterlassen haben, ist desaströs. Für Titus Wolkober, Sachverständiger für das Fliesen-, Platten und Mosaikleger-Handwerk der Handwerkskammer Region Stuttgart, sind das indes keine Einzelfälle, sondern es steckt auch die fehlende Meisterpflicht dahinter. Er sehe immer wieder derartige Mängel, die leider oft auch erst nach Ende der Gewährleistungsfrist zu Tage träten, gibt Wolkober zu Protokoll. Die Probleme liegen also auf der Hand und sind vielschichtig, das ging aus dem informativen Beitrag sehr gut hervor.

Tausende Euro für Meisterausbildung, null Euro fürs Studium

Eine Rückkehr zur Meisterpflicht, für die der Bundesrat Mitte Februar auf Antrags Bayerns gestimmt hatte, die aber noch lange nicht politisch beschlossen ist, könnte sicherlich die Qualität verbessern – auf der einen Seite. Andererseits: Die Ausbildungskosten, wie sie David Hamm bezahlen muss, blieben dennoch ein Problem, weil sie junge Menschen im Zweifel daran hindern, ihren Meister zu machen. Mögen all das noch Probleme sein, die überschaubar wären, so wird es doch richtig ungerecht, wenn parallel ein Studium für eine Gebühr von null Euro zu haben ist, wie es derzeit nicht nur in Baden-Württemberg, sondern bundesweit der Fall ist. Auch hierfür brachte der SWR ein plastisches Beispiel. Bei der Firma Leonhardt in Hochdorf im Kreis Esslingen werden feinste Gravuren hergestellt, komplexe Anlagen bedient. Deshalb arbeiten dort fast nur Meister - oder eben Hochschulabsolventen. Dass erstere für ihre Ausbildung Tausende von Euros hinlegen, während Letztere kostenlos studieren können, ärgert Firmenchef Wolfgang Leonhardt: „Ich fordere, dass es genauso kostenlos ist wie bei einem Masterstudiengang, und dass wir die Attraktivität der Meisterausbildung wieder in den Vordergrund stellen.“

Die Politik druckst herum

Eine klare Ansage, die allerdings bei der Politik nicht so recht verfangen will. Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin in Baden-Württemberg jedenfalls, flüchtete sich im SWR-Beitrag in Phrasen und Sprachregelungen. Man unterstütze die Forderung nach einer Ausweitung der Meisterpflicht auch auf Bundesebene, „wo es fachlich geboten und europarechtlich möglich ist“, hieß es da. Zur Frage nach einem Zuschuss des Landes für die Meisterausbildung wich die Ministerin gänzlich aus. Man sei an einem Konzept, diese Ausbildung attraktiver zu machen, wolle aber abwarten, wie der Bund sich in dieser Sache positioniere. Keine besonders guten Aussichten für künftige Handwerksmeister, zumal offenbar eine Lobby zu fehlen scheint, die sich für die echte Gleichwertigkeit von Meisterausbildung und Studium einsetzt.

Innovativer Ansatz, verdienstvoller Beitrag

Meister und Master gleichberechtigt? Der Ansatz, den „Zur Sache Baden-Württemberg“ wählte, ließ jedenfalls aufhorchen, auch wenn am Ende nicht viel Erfreuliches zu berichten war aus Sicht des Handwerks. Nicht allzu oft werden allerdings die Ungerechtigkeiten bei den Ausbildungskosten medial thematisiert, und dann auch nicht im Rahmen einer Gesamtschau zu weiteren aktuellen Themen der Branche . Umso verdienstvoller, dass dies im SWR so geschah.  

Den Beitrag können Sie online beim SWR nachschauen.

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