Bis 2040 sollen 40 Prozent des Strombedarfs in Deutschland durch Solaranlagen gedeckt werden. Um den Solarausbau mit voranzutreiben, haben zwei Handwerksverbände eine verstärkte gewerkeübergreifende Kooperation beschlossen. Das Dachdecker- und das Elektrohandwerk setzen auf gemeinsame Weiterbildungen und Vernetzungen der beiden Branchen.

Viele Betriebe des Elektrohandwerks sind bereits auf Photovoltaik (PV) spezialisiert und sie sind nun dringend gebraucht. Damit die PV-Anlagen sicher auf den Dächern montiert werden können, bedarf es Dachdecker mit besonderem Know-how. Bestenfalls sind beide gut aufeinander abgestimmt. Wenn sie gemeinsam eine Anlage installieren, bringen sie dem Besitzer ein Stück näher an eine unabhängige Energieversorgung. Sie unterstützen den Solarausbau, der sowohl politisch gefördert als auch durch die aktuelle Energiekrise noch dringender nötig geworden ist. Derzeit stammen knapp zehn Prozent des Stroms aus Sonnenkraft, 2040 sollen es bereits rund 40 Prozent sein. So lauten die Ziele und diese bekommen auch aus dem Handwerk eine tatkräftige Unterstützung.
Gemeinsame Plattform für die Suche nach Fachbetrieben für den Solarausbau
Um eine fachgerechte Umsetzung der PV-Strategie auf Deutschlands Dächern sicherzustellen, haben der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) und der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) eine Kooperation beschlossen. Im Mittelpunkt stehen dabei einerseits Weiterbildungen und andererseits auch eine bessere Vernetzung der Branchen. So soll nach Angaben des Branchenverbände gemeinsam eine zentrale Online-Plattform aufgebaut werden, die die Suche nach geeigneten Fachbetrieben zum Einbau von PV-Anlagen erleichtert. Außerdem wird eine "Technische Handlungshilfe Photovoltaik" erarbeitet und es ist die Entwicklung gemeinsamer Weiterbildungskonzepte für Dachdecker und Elektrotechniker geplant.
"Wir wollen sicherstellen, dass unsere Betriebe immer auf dem neuesten Stand der Technik sind", machen ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi und ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx bei der Vorstellung der Kooperation deutlich. Dabei sollen die neuen Fortbildungen bei allen in den Betrieben ansetzen: Betriebsinhabern, Gesellen und auch den Azubis. Sie sollen sowohl den Einsatz innovativer Werkstoffe berücksichtigen, als auch neue technische Lösungen hinsichtlich Sicherheit, Funktionalität und Verarbeitung. Dabei geht es darum, dass die Betrieb die Kunden fachtechnisch beraten und mit ihnen gemeinsam individuelle Lösungen erarbeiten können. Immer stärker gefragt sind komplette Energie-Gebäudemanagements und auch für deren Umsetzung sind oftmals beide Gewerke notwendig.
Solarausbau braucht gewerkeübergreifendes Arbeiten
"Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, ist Qualifizierung ein Schlüsselfaktor. Ein weiterer ist die gewerkeübergreifende Arbeit, die durch die Sektorkopplung immens an Bedeutung gewinnen wird", betont dazu ZVEH-Hauptgeschäftsführer Ingolf Jakobi. "Wenn wir die ehrgeizigen Pläne der Bundesregierung, aber auch kommende Vorgaben aus der EU umsetzen wollen, müssen die beteiligten Akteure dazu in der Lage sein. Und das geht nur im Schulterschluss zweier qualifizierter Fachhandwerke, natürlich unter Beibehaltung der jeweiligen Kernkompetenzen", erklärt ZVDH-Hauptgeschäftsführer Ulrich Marx, warum nun diese neue Kooperation angegangen wird.
Dabei spiele auch die Fachkräftesicherung eine große Rolle: Je innovativer sich ein Handwerk aufstelle, umso größer sei die Chance, neue Fachkräfte zu gewinnen und bisherige zu halten, so Marx. Der ZVDH weist als Beispiel für das, was im Bereich PV in seiner Branche bereits erfolgreich gestartet ist, auf die Fortbildung zum Photovoltaik-Manager im Dachdeckerhandwerk hin: Hier haben bisher 500 Dachdeckerbetriebe teilgenommen, bis Frühjahr 2023 werden es rund 1.000 sein, die den einwöchigen Intensivkurs absolviert haben.
In den E-Handwerken sind bereits heute knapp 50 Prozent der Betriebe im Bereich "PV" tätig. Dabei arbeitet rund ein Drittel dieser Betriebe nach Angaben des ZVEH schon jetzt öfter oder sogar immer mit Dachdeckern zusammen, wenn es um die Installation von PV-Anlagen geht. Genau das soll nun verstärkt ausgebaut werden. jtw