Strom- und Gasrechnungen enthalten oft Fehler, die Handwerksbetriebe teuer zu stehen kommen können. Viele prüfen ihre Abrechnungen jedoch nur oberflächlich. Wie Sie Fehler in Abrechnungen identifizieren – und was Sie gegen falsche Abrechnungen tun können.

Bei der Abrechnung konnte etwas nicht stimmen – da war sich der Inhaber einer Kfz-Werkstatt aus Niedersachsen sicher: Im vergangenen Jahr hatte er in eine Photovoltaikanlage auf dem Dach seines Betriebs investiert, um Stromkosten zu sparen – und jetzt sollten die Kosten im Vorjahresvergleich sogar gestiegen sein? Der Stromversorger beharrte jedoch darauf, dass alles korrekt abgerechnet worden sei. Erst als eine externe Energieberaterin alles im Detail prüfte, fiel der Fehler auf: Der Stromversorger hatte die EEG-Umlage zu hoch angesetzt – der Anteil der Eigenversorgung war nicht abgezogen worden. Immerhin 7.500 Euro erhielt das Unternehmen zurück.
Für viele Unternehmen, insbesondere Handwerksbetriebe, sind Strom- und Gasrechnungen ein bedeutender Kostenfaktor. Kaum jemand prüft die oft komplexen Abrechnungen im Detail – dabei können schon kleine Fehler hohe finanzielle Verluste nach sich ziehen. Laut Erfahrung von Johanna Feuerhake, Rechtsanwältin aus Göttingen, die sich unter anderem auf Energierecht spezialisiert hat, sind Fehlabrechnungen in der Praxis keine Seltenheit. Sie empfiehlt: "Wer seine Rechnungen regelmäßig überprüft, kann nicht nur Geld sparen, sondern auch rechtliche Nachteile vermeiden."
Michael Koudelka, Geschäftsführer der Energiemanagement-Agentur ESC Energiemakler, pflichtet ihr bei: "Fehler auf Energieabrechnungen sind keine Ausnahme – gerade im Handwerk. Falsche Zählerstände, Tariffehler oder nicht verrechnete Boni kosten Betriebe oft fünf- bis sechsstellige Summen." Besonders komplex werde es, wenn Eigenstrom erzeugt werde – etwa durch eine Photovoltaikanlage oder auch ein Blockheizkraftwerk (BHKW). "In diesem Fall müssen Bezugs-, Eigenverbrauchs- und Einspeisemengen sauber voneinander abgegrenzt werden", so der Experte. "Eine fehlerhafte Bilanzierung kann nicht nur zu unnötigen Kosten führen, sondern auch steuerliche Nachteile oder Fördermittelverluste nach sich ziehen."
6 häufige Fehlerquellen auf der Abrechnung
Energieexperte Koudelka hat sechs häufige Fehlerquellen ausgemacht, die Handwerksbetriebe mitunter viel Geld kosten. Dazu zählen beispielsweise falsche Zählerstände und Verbrauchsangaben. Denn vielfach würden die Energieversorger hier auf Schätzungen anstelle echter Messdaten zurückgreifen – oder auch mal Zählernummern verwechseln. "Das führt zu falschen Verbrauchswerten und damit zu überhöhten Rechnungen", so Koudelka. Eine weitere Fehlerquelle sind die Netzentgelte. Diese machen oft etwa ein Drittel der Stromkosten aus – doch falsche Spannungsebenen, veraltete Preisblätter oder die Nichtbeachtung eines Lastmanagements würden regelmäßig zu einer fehlerhaften Berechnung führen.
Auch die Tarifzuordnung stimmt mitunter nicht. "Viele Handwerksbetriebe schließen Sonderverträge ab", erläutert Energieexperte Koudelka. Das gilt vor allem für energieintensive Unternehmen wie Metallbaubetriebe oder Bäckereien. "Nicht selten wird der falsche Tarif abgerechnet, Rabatte oder Preisgleitklauseln nicht berücksichtigt oder eine Preisänderung falsch umgesetzt", so Koudelka. Auch bei staatlichen Bestandteilen der Stromrechnung wie der Stromsteuer oder der KWKG-Umlage schleichen sich regelmäßig Fehler ein. "Diese Abgaben werden regelmäßig angepasst und dabei oft falsch berechnet oder bei Teilbefreiungen unvollständig angewendet", sagt Koudelka.
Bei der Eigenversorgung durch eine PV-Anlage oder ein BHKW würden fehlerhafte Zuordnungen mitunter dazu führen, dass selbst produzierter Strom fälschlich als Netzbezug berechnet werde. Und auch organisatorisch läuft nicht immer alles rund: "Manchmal werden Abschläge doppelt erfasst oder gar nicht angerechnet, Gutschriften vergessen oder falsch zugeordnet", so der Energieexperte.
Abrechnungen regelmäßig auf Plausibilität prüfen
Aufgrund der vielfältigen Fehlerquellen sollten Unternehmen ihre Energieabrechnungen regelmäßig auf Plausibilität prüfen. Auch wenn Energieabrechnungen auf den ersten Blick technisch und schwer verständlich wirken, lassen sich viele Unstimmigkeiten mit etwas Systematik erkennen – selbst ohne teure Spezialsoftware. "Entscheidend ist, dass Unternehmen nicht blind auf die Richtigkeit der Zahlen vertrauen, sondern aktiv und regelmäßig kontrollieren", betont Koudelka. "Schon einfache Abgleiche können helfen, Fehler aufzudecken, bevor sie sich über Jahre summieren." Selbst eine einfache Sichtprüfung bringe oft Klarheit.
Im ersten Schritt gilt es, Rechnung und Vertrag zu vergleichen: Stimmen die Zählernummern, Verbrauchsmengen und Preise mit dem Vertrag überein? Dann sollte man die Zählerstände prüfen und klären, ob die abgerechneten Werte plausibel sind und den eigenen Aufzeichnungen entsprechen. Die Netzentgelte und Umlagen sollte man darauf hin kontrollieren, ob die aktuellen Preisblätter und gesetzlichen Regelungen berücksichtigt wurden. Wenn eine bestimmte Tarifzuordnung mit entsprechenden Rabatten vereinbart wurde, muss natürlich auch überprüft werden, ob alle vereinbarten Vergünstigungen auch umgesetzt wurden. Bei der Eigenversorgung gilt es, die Abgrenzung zwischen Eigenstrom und Fremdbezug zu überprüfen. Zudem sollte geprüft werden, ob alle Zahlungen und Gutschriften in der Abrechnung berücksichtigt wurden.
Fehlerhafte Abrechnungen umgehend reklamieren
Wenn bei der Überprüfung der Abrechnung Unklarheiten auffallen, sollte man den Versorger umgehend kontaktieren – und alle Gespräche und Ergebnisse schriftlich dokumentieren. "Gerade Unternehmen mit hohen Energiekosten oder komplexen Verträgen sollten jährlich eine Plausibilitätsprüfung durchführen", betont Energieexperte Koudelka – idealerweise vor der Jahresendabrechnung. "Wer systematisch prüft, kann erhebliche Summen sparen."
Bei fehlerhaften Abrechnungen haben Unternehmen umfassende Rechte, erklärt Rechtsanwältin Feuerhake: "Gewerbliche Kunden können Rechnungen innerhalb von drei Jahren anfechten, wenn Fehler nachweisbar sind." Fehlerhafte Rechnungen sollte man aber möglichst sofort schriftlich reklamieren, sobald der Fehler auffällt. Auch Meinungsverschiedenheiten mit dem Energieversorger sollten stets dokumentiert und Fristen eingehalten werden.
"Lassen Sie sich im Zweifel rechtlich beraten, bevor Sie Zahlungen leisten, die Sie für falsch halten", betont Feuerhake. Mitunter kann auch die Rechtsberatung der zuständigen Handwerkskammer weiterhelfen, auch Energieberater oder spezialisierte Dienstleister können wertvolle Unterstützung leisten – besonders bei komplexeren Fällen. "Bei Unsicherheiten lohnt sich die externe Unterstützung, denn die Erfahrung zeigt: Die finanziellen Rückflüsse übersteigen den Aufwand in vielen Fällen deutlich", betont Energieexperte Koudelka. So bleibt mehr Geld in der Kasse – und die rechtliche Position gegenüber Energieversorgern wird gestärkt.