Kolumne Wie Ausbilder mangelnde Körperpflege beim Azubi ansprechen

Auch Azubis repräsentieren den Betrieb nach Aussen. Fettige Haare, Körpergeruch und ein ungepflegtes Äußeres kommen bei Kunden jedoch nicht gut an. Aber wie weisen Chefs ihre Auszubildenden darauf hin, ohne dabei persönlich zu werden? Tipps gibt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner aktuellen Kolumne.

Fettige Haare: Auch im Handwerk spielt ein gepflegtes Erscheinungsbild eine wichtige Rolle. - © softulka - stock.adobe.com

Manchmal überschreiten die ungeputzten Schuhe, die fettigen Haare, oder der Körpergeruch einiger Auszubildenden den Grad der Zumutbarkeit erheblich.

Wer am Ausbildungsplatz so ein Bild abgibt, darf sich aber nicht wundern, wenn getuschelt wird und die Ausbildung nicht so verläuft, wie es den persönlichen Vorstellungen entspricht. Ungepflegt und ungewaschen, das geht überhaupt nicht. Die Beschäftigten sind das Aushängeschild eines Handwerksbetriebes. Für die Arbeitskräfte und die Kundschaft ist es eine Zumutung, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Von einer ungepflegten Bäckereifachverkäuferin kauft schließlich niemand gerne die gewünschten Nahrungsmittel.

Ausbilder haben auch Erziehungsauftrag

Fällt den Ausbildern ein dauerhaft schlampiges Erscheinungsbild auf, sollten sie das auf jeden Fall bemängeln. Im Ausbildungsauftrag ist in einem gewissen Umfang auch ein Erziehungsauftrag enthalten. Die Ausbilder geben nicht nur eine Rückmeldung zur geleisteten Arbeit, sondern auch zur Persönlichkeit ihrer Schützlinge.

Schnell kann auch der Eindruck entstehen, dass die betroffenen Auszubildenden nicht nur unordentlich im Betrieb herumschlurfen, sondern so auch ihre Arbeitsaufträge erledigen. In solchen Fällen sollten sich die Ausbildenden unbedingt für die Lebensbedingungen ihrer Auszubildenden interessieren. Es kostet zwar ein wenig Zeit, um die Ursachen zu klären und die geeigneten Hinweise für die mögliche Abhilfe zu geben, aber es lohnt sich.

Wie sollten Ausbilder vorgehen?

Zunächst steht ein sachliches Gespräch an. Dabei wird auf Beleidigungen und Vermutungen verzichtet. Mit einem gewissen Verständnis kann man reagieren, wenn die Auszubildenden die Ursachen benennen. Die Situation wird jedoch nicht als Katastrophe hingestellt. So ein Gespräch wird erst kurz vor dem Feierabend geführt, damit die Auszubildenden für den nächsten Tag etwas ändern können. Manchen ist das zwar peinlich, gleichzeitig sind sie in der Regel aber dankbar, dass jemand sie darauf aufmerksam gemacht hat.

Viele ahnen z.B. nicht, dass sie etwas streng riechen, da man den eigenen Körpergeruch nicht so stark wahrnimmt wie andere Leute. Daher sollten die Jugendlichen regelmäßig zur Nutzung von Körperdeo angehalten werden. Nach dem nächtlichen Schwitzen sollte morgens geduscht und unbedingt ein geeignetes Duschgel zum Einsatz kommen. Das jemand Mundgeruch hat, kann auch daran liegen, dass sie oder er Angst vor dem Zahnarzt hat. Stinkende Kleidung könnte mit dem falschen Waschmittel oder mit einer zu niedrigen Temperatur gewaschen worden sein.

Rundmail ans gesamte Team verschicken

Es kann hilfreich sein, die Erziehungsberechtigten mit in die Verantwortung zu nehmen. Praktisch können die jungen Leute unterstützt werden, indem zum Beispiel die Arbeitskleidung im Betrieb gewaschen, ein Pflegeprodukt geschenkt oder die Wäschepflege erklärt wird.

Ganz neutral kann die Geschäftsführung natürlich so vorgehen, dass sie eine Rundmail an alle schickt. Darin wird höflich aber bestimmt auf die Gepflogenheiten im Betrieb hingewiesen und betont, welche Folgen das ungepflegte Erscheinungsbild nach außen hat.

Ein schlampiges Äußeres, ein unangenehmer Körpergeruch oder kaum vorhandene Tischmanieren sind nicht nur schlecht für das Image des Handwerksbetriebes. Hier sollte auch an die Zeit nach der Ausbildung gedacht werden. Ein ungepflegtes Äußeres schadet auch der späteren Entwicklung. Denn die ehemaligen Auszubildenden setzen sich mit ihrem Verhalten schnell dem Spott aus. Trotz einer guten Berufsausbildung und der bestandenen Gesellenprüfung könnte der Aufstieg in gehobene Positionen verwehrt bleiben.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.