Das zweite Jahr in Folge wurden in Deutschland mehr Ausbildungsverträge unterzeichnet als noch im Vorjahr. Im Handwerk zeigt der Trend aber nach unten.

Im Jahr 2022 haben im 127.400 Personen in Deutschland einen Ausbildungsvertrag für eine duale Berufsausbildung im Handwerk abgeschlossen. Das sind 2,3 Prozent weniger als noch im Vorjahr, berichtet das Statistische Bundesamt (Destatis). Die Angaben entstammen der amtlichen Datenerhebung auf Grundlage des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Während bei den weiblichen Auszubildenden ein positiver Trend festgestellt werden konnte und zwei Prozent mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden, war bei den Männern ein starker Rückgang von drei Prozent zu verzeichnen. Das männliche Geschlecht bleibt in der Handwerksbranche jedoch weiterhin dominant. So wurden 81 Prozent der Neuverträge im Handwerk von Männern abgeschlossen.
Jörg Dittrich fordert Bildungswende
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks zeichnet ein dunkles Bild, demzufolge im Handwerk 250.000 Fachkräfte fehlen, 30.000 Ausbildungsplätze unbesetzt sind und bei 125.000 Betrieben die Nachfolge in Frage steht. ZDH-Präsident Jörg Dittrich fordert eine Bildungswende: "Politik muss endlich für eine gleichwertige Behandlung von akademischer und dualer Ausbildung sorgen."
Wenn bei schrumpfenden Jahrgängen inzwischen rund die Hälfte ein Studium beginnt, sei die Lücken bei Fachkräften und Helfern aus Sicht der Handwerker programmiert, mit schmerzlichen Folgen für die gesamte Gesellschaft. Das beginne bei der täglichen Daseinsvorsorge mit Lebensmitteln, Wärme, Strom oder Gesundheitsprodukten und Dienstleistungen, die in einer alternden Gesellschaft immer stärker nachgefragt werden. Auch für die ökologische und digitale Transformation seien Handwerker unverzichtbar.
Pandemie-Delle nicht ausgeglichen
Branchenübergreifend starteten im vergangenen Jahr 468.900 neue Azubis in Deutschland. Das sind nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr (2021: 466 200 Neuverträge). Damit steigt der Wert im zweiten Jahr in Folge leicht an. Das Niveau von vor der Corona-Pandemie (2019: 510.900 Neuverträge) bleibt jedoch weiterhin unerreicht. Während in der Landwirtschaft ein starker Rückgang zu verzeichnen war (fünf Prozent), hatte der Ausbildungsbereich "Industrie und Handel" den stärksten Zuwachs an Neuabschlüssen (2,9 Prozent).
Insgesamt 10.700 weniger Lehrlinge im Handwerk
Zum Jahresende 2022 befanden sich 1.216.000 Personen in Deutschland in einer dualen Berufsausbildung, das waren drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Damit bleibt die Gesamtzahl der Lehrlinge weiter rückläufig (2021: -2,6 Prozent). Das lässt sich mit den wenigen Neuabschlüssen der beiden letzten Jahre und insbesondere durch den Einbruch im Jahr 2020 erklären.
Insgesamt befanden sich 39.500 weniger Personen branchenübergreifend in einer Ausbildung als im Vorjahr. 90 Prozent (37.000) des Rückgangs stammen dabei aus den beiden stärksten besetzten Ausbildungsbereiche – Industrie und Handel (-26.300) und Handwerk (-10.700). tb