Insgesamt ist die Zahl der Insolvenzen in Deutschland zurückgegangen. In der deutschen Wirtschaft zeigt sich aber ein gemischtes Bild: Während unter den kleinen Unternehmen die Zahl der Insolvenzen abnahm, mussten deutlich mehr mittlere und große Unternehmen den Gang zum Amtsgericht antreten als im Vorjahr.

29.500 Unternehmen mussten 2012 in Deutschland Insolvenz anmelden, das teilte der Verband der Vereine Creditreform mit. Damit ging die Zahl um 2,1 Prozent zurück. Im Vorjahr waren es noch 30.120 Fälle.
Der Rückgang der Insolvenzen fällt in diesem Jahr damit schwächer aus als noch in den Vorjahren. 2011 war die Zahl der Unternehmensinsolvenzen noch um 6,1 Prozent zurückgegangen und 2010 um immerhin 2,6 Prozent. Die "Schleifspuren" der europäischen Staatsschuldenkrise machten sich beim Insolvenzaufkommen bemerkbar, so der Verband.
Betrachtet man die Zahl der Insolvenzen je nach Betriebsgröße, zeigt sich ein differenziertes Bild. Entspannt hat sich das Insolvenzgeschehen bei kleinen Betrieben. Die Zahl der Pleiten von Betrieben mit einem Umsatz zwischen 100.000 und 250.000 Euro ging um 5,9 zurück. Während es im Vorjahr 6740 Insolvenzfälle gab, mussten 2012 nur 6340 Betriebe Insolvenz anmelden. Zeitgleich ging auch die Zahl der Insolvenzen bei Betrieben mit einem Umsatz von weniger als 100.000 Euro zurück, sie sank um vier Prozent.
Großkonzerne stärker betroffen
Ganz anders ist das Jahr 2012 für mittlere und große Unternehmen gelaufen, denn hier hat die Zahl der Insolvenzen deutlich zugenommen. 2012 mussten 150 Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Euro Insolvenz anmelden. Im letzten Jahr waren es gerade einmal 90 Unternehmen. Damit nahm die Zahl der Insolvenzen bei Großunternehmen um 66,7 Prozent zu.
Gestiegen ist auch die Zahl der Unternehmenspleiten bei Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 25 und 50 Millionen Euro. 180 Unternehmen mussten hier den Gang zum Amtsgericht antreten. 2011 gab es nur 150 Insolvenzfälle.
Sinkende Insolvenzgefahr bei sehr jungen Betrieben
2012 war die Insolvenzbetroffenheit bei Unternehmen fast aller Altersklassen rückläufig. Der stärkste Rückgang wurde bei Neugründungen registriert. Bei den Unternehmen, die weniger als zwei Jahre alt waren, mussten 6,1 Prozent weniger Insolvenz anmelden als 2011.
Während die Zahl der Insolvenzen insgesamt abgenommen hat, stiegen 2012 die Summe der Insolvenzschäden sowie die durchschnittliche Schadenssumme. Die Summe aller Insolvenzschäden, darunter auch die Privatinsolvenzen, belief sich auf 38,5 Milliarden Euro. Das sind 17 Milliarden mehr als im vergangenen Jahr als sich die Schäden auf 21,5 Milliarden Euro summierten. Die durchschnittliche Schadenssumme je Insolvenzfall stieg im Jahr 2012 auf 880.000 Euro, im Vorjahr waren es nur 511.000 Euro. dhz