Im Schadensfall Welche Rolle Gutachter bei der Versicherung spielen

Für die Klärung komplexer Schadensfälle ziehen Versicherungen oft einen externen Gutachter zurate. Auch Verbraucher können einen Sachverständigen beauftragen. Das sind die wichtigsten Fragen, die es zu beachten gilt.

Ob bei Autos, Imobilien oder handwerklichen Tätigkeiten: Bei komplexen Fällen ziehen Versicherungen häufig einen Gutachter zurate. Auch Verbraucher können einen Gutachter bestellen. - © GTÜ

Ein Unfall mit fatalen Folgen: Ein Auto fährt mit hoher Geschwindigkeit rückwärts aus einer Parklücke heraus, der Fahrer übersieht dabei eine Fußgängerin. Die Frau wird von dem Wagen erfasst, zu Boden geschleudert und erleidet schwere Verletzungen. Ein langer Krankenhausaufenthalt zeichnet sich ab. Die Freiberuflerin macht gegenüber der Versicherung des Autofahrers Schmerzensgeld und Schadensersatz geltend. Doch wie viel genau steht ihr zu? Für die Klärung von solch komplexen Fällen ziehen Versicherungen nicht selten einen externen Gutachter zurate.

Welcher Gutachter eignet sich für welchen Fall?

"Die Expertise eines Gutachters setzt da an, wo das Wissen der Versicherer endet", sagt Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). So kommen Sachverständige beispielsweise bei medizinischen Fragen zum Einsatz, etwa bei der Beurteilung von ärztlichen Kunstfehlern, aber auch bei Kfz-Unfällen oder Bauschäden.

Doch welcher Gutachter eignet sich für welchen Fall? Das hängt von dessen Erfahrung und Vorbildung ab. "Geht es etwa um Streitigkeiten bezüglich handwerklicher Tätigkeiten, kann auch ein Handwerksmeister als Sachverständiger herangezogen werden", erklärt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

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    Schadenfreiheits-Rabatt (SF-Klasse): Sicheres Fahren wird belohnt. Umso länger ein Versicherungsnehmer sein Auto schadenfrei fährt, desto höher fällt der Rabatt aus. Berechnet wird nach schadenfreien und ununterbrochenen Kalenderjahren.
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    Teilkasko: Teilkasko oder Vollkasko ist die Frage. Wer sich für Teilkasko entscheidet, verpflichtet sich bei einem Schaden am Auto einen Teil der Kosten mitzutragen. Damit wird jedoch der jährliche Beitrag günstiger.
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    Einzelfahrer-Rabatt: Es gibt Vergünstigungen, wenn nur der Versicherungsnehmer selbst das Auto fährt. Sollte ein anderer Fahrer mit dem Auto einen Unfall verursachen, ist der Schaden nicht von der Versicherung abgedeckt. Ausnahmen sind Fahrten von Werkstattmitarbeitern, die nach einer Reparatur das Auto testen. Ausgenommen sind auch Notfälle und Gefahrensituationen, die den Versicherungsschutz nicht gefährden.
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    Partner-Rabatt: Diesen Nachlass bekommen Ehe- oder Lebenspartner, die gemeinsam das versicherte Fahrzeug nutzen. Wie beim Einzelfahrerrabatt ist keine weitere Person berechtigt, das Auto zu nutzen. Es gelten auch hier die Ausnahmen der Werkstattfahrten und Fahrten in Gefahren- und Notsituationen.
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    Wenigfahrer-Rabatt: Wer weniger Kilometer fährt, zahlt auch weniger bei der Versicherungsprämie. Wer zusätzlich im Alltag auf Bahn und Bus zurückgreift, für den kommt eventuell auch der Bus- und Bahnfahrer-Rabatt in Frage. Wird die ursprünglich angegebene Kilometerzahl im Laufe des Jahres überschritten, sollte die Versicherung informiert werden.
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    Garagen-Rabatt: Einige Versicherungen gehen davon aus, dass ein Auto mehr Schäden nimmt, wenn es auf der Straße oder im Freien abgestellt wird – durch Unwetter, Schäden durch Dritte oder Diebstahl. In der Regel handelt es sich um verschließbare Garagen. Je nach Versicherung werden auch Carports oder Außenparkplätz, die für Dritte nicht zugänglich sind, belohnt. Sich extra zu diesem Zweck eine Garage anzuschaffen, lohnt sich allerdings nicht. Durchschnittlich gewähren die Anbieter lediglich einen Prozent Rabatt.
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    Hausbesitzer-Rabatt: Eigenheim, Glück allein. Das gilt auch für manche Kfz-Versicherungen. Wer in seinem Eigenheim (Haus oder Wohnung) lebt bekommt unter Umständen Rabatte. Der Grund: Versicherungen stufen Hausbesitzer als risikoarme Versicherungsgruppe ein. Dennoch sollten Verbraucher vergleichen. Einige Versicherungen bevorzugen auch zur Miete wohnende Autofahrer.
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    Fahrsicherheitstraining-Rabatt: Wer ein anerkanntes Fahrsicherheitstraining absolviert hat, wird mit einem Rabatt belohnt. Laut ADAC starten Fahranfänger dann mit einer niedrigeren Prämie von 125 Prozent.
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    Erstbesitzer-Rabatt: Wer als erster Besitzer ein Fahrzeug zulässt und versichert, erhält bei vielen Versicherungsunternehmen einen Erstbesitzer-Rabatt. Sobald das Fahrzeug in einen anderen Besitz übergeht, muss dieser Umstand der Kfz-Versicherung gemeldet werden.
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    Öko-Rabatt: Wer ein umweltfreundliches Auto fährt, zahlt eine geringere Versicherungsprämie. Dabei spielt vor allem der CO2-Ausstoß eine Rolle. Der Rabatt betrifft hauptsächlich Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos.

Was prüfen Versicherungsgutachter?

An wen Versicherer letztlich Aufträge zur Erstellung von Gutachten erteilen, ist eine unternehmerische Entscheidung. Mediziner werden von Versicherern nur dann als Gutachter bestellt, wenn sie Fachärzte sind und die Fragestellung tatsächlich in ihr Fachgebiet fällt. Ein ähnlich hohes fachliches Anforderungsprofil haben die Versicherer auch an Gutachter, die für sie in anderen Bereichen aktiv werden.

Konkret prüfen Versicherungsgutachter die Ansprüche und Anspruchshöhe und letztlich auch die Entschädigungsleistung der Versicherungsgesellschaft. Ein Sachverständiger wird in aller Regel beauftragt, wenn es um viel Geld geht - wie etwa bei Fragen der Berufsunfähigkeit eines Beteiligten oder wenn ansonsten keine Einigung in Sicht ist.

Hält sich die Versicherung überhaupt an das Gutachten?

Normalerweise halten sich Versicherungen an das, was die Gutachter ihnen empfehlen. Das entspricht aber nicht immer den Vorstellungen des Versicherten. Erwartet der Kunde etwa für einen Schaden am Dach seines Hauses eine Summe von 35.000 Euro und die Versicherung will allenfalls 27.000 Euro zahlen, hat der Versicherte die Möglichkeit, ein Gegengutachten in Auftrag zu geben. Diese Kosten muss der Versicherte allerdings in der Regel selbst tragen.

Wie hoch ist das Honorar?

Wie hoch im Schnitt das Honorar eines Gutachters ist, lässt sich allerdings nicht pauschal sagen. "Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich", so Verbraucherschützerin Weidenbach. Vor dem Erteilen eines Auftrags sollte das Honorar deshalb schriftlich vereinbart werden. Hier ist es wichtig, auf die fachliche Qualifikation zu achten.

Ein Indiz dafür ist die Bezeichnung "öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger." Seine besondere Sachkunde, Zuverlässigkeit und Integrität ist vor der öffentlichen Bestellung überprüft worden. Ein solcher Gutachter ist auch darauf vereidigt, seine Aufgaben gewissenhaft und weisungsfrei auszuüben. Das bedeutet auch: Der Verbraucher kann nicht darauf setzen, dass der Gutachter genau das ausarbeitet, was er als Auftraggeber möchte. Der Sachverständige darf sich von keiner Seite beeinflussen lassen.

Auch die Versicherer haben ein hohes wirtschaftliches Interesse an qualitativ hochwertigen und objektiven Gutachten. "Deshalb ist ihnen auch mit offensichtlich fehlerhaften Gefälligkeitsgutachten, die zwangsläufig in eine kostenträchtige außergerichtliche oder gerichtliche Auseinandersetzung führen und in dieser nicht standhalten, nicht geholfen", sagt Suliak.

Woher bekomme ich den passenden Gutachter?

Außerdem haben öffentlich bestellte Sachverständige einen offiziellen Ausweis, den sie auf Verlangen vorweisen müssen. Zu finden sind solche Gutachter beispielsweise über die Handwerkskammern oder Ärztekammern. Auch im bundesweiten IHK-Sachverständigenverzeichnis wird man schnell fündig.

Was tun wenn die Arbeit des Gutachters fehlerhaft ist?

Gibt es Anlass zur Beschwerde über die Tätigkeit eines Sachverständigen, sollte die Stelle informiert werden, die den Sachverständigen öffentlich bestellt hat. Bei einem schwerwiegenden Pflichtverstoß muss der Sachverständige damit rechnen, dass seine öffentliche Bestellung widerrufen wird. Dann kann die Versicherung, aber auch der Verbraucher ein neues Gutachten in Auftrag geben. dpa/dhz