Richtig absichern Abschluss von Versicherungen: Das ist wichtig

Beim Wechsel oder Abschluss einer Versicherung verlangen die Versicherer eine Vielzahl von Auskünften. Was muss unbedingt angegeben werden? Kann die Versicherung Kunden ablehnen? Auf diese Dinge sollte man achten.

Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherungen sollten nie ohne einen Experten abgeschlossen werden. - © Foto: Jeanette Dietl/fotolia

Egal ob beim Abschluss einer Berufsunfähigkeits-, Lebens- oder beim Wechsel der Krankenversicherung, auf den Kunden kommen eine Menge Fragen zu. Doch was muss man der Versicherung überhaupt mitteilen? "Um den so genannten Gesundheitsfragebogen kommen die Kunden nicht herum", sagt Bianca Boss, Pressereferentin vom Bund der Versicherten (BDV). Diesen Gesundheitsfragebogen sollte jedoch jeder wahrheitsgemäß beantworten.

Keine Erkrankungen und Arztbesuche unterschlagen

Denn inzwischen verfügen alle Versicherungsgesellschaften über eine Kartei mit verschiedenen Risikogruppen. In diesen wird der Kunde später kategorisiert und daran orientiert sich die Beitragshöhe. Wichtig: Im Antrag sollten keine Erkrankungen oder Arztbesuche unterschlagen werden. Wer das macht, riskiert seinen Versicherungsschutz. Hier gilt es also besonders gründlich zu sein. Auch stationäre Behandlungen der letzten zehn Jahre müssen angegeben werden.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann dem Versicherer auch eine Schweigepflicht-Entbindung für behandelnde Ärzte erteilen. Damit kann die Versicherungsgesellschaft die Angaben direkt anfordern und überprüfen.

Jede Gesellschaft hat einen eigenen Fragebogen

Da die Regelungen, was die Versicherer abfragen dürfen, in Deutschland relativ locker sind, hat jede Gesellschaft ihren eigenen Fragebogen. Vorteil für den Kunden: Dieser kann sich vorab ein Bild machen, welche Angaben er machen muss, und sich dadurch die für ihn geeignete Versicherung heraussuchen.

Allgemeine Gesundheitsauskunft nicht verpflichtend

Allerdings hat das Auskunftsrecht der Versicherer auch Grenzen: Sie dürfen ihre Kunden nicht zu einer "allgemeinen Gesundheitsauskunft" verpflichten. Das entschied das Bundesverfassungsgericht Mitte August 2013 (Az.: 1 BvR 3167/08). Im konkreten Fall ging es um eine Frau, die wegen Depressionen ihre Berufsunfähigkeitsversicherung in Anspruch nehmen wollte. Ihr Versicherer hatte von ihr daraufhin eine pauschale Ermächtigung verlangt, um Ärzte, Krankenhäuser und Pflegepersonen von der Schweigepflicht zu entbinden. Die Patientin wehrte sich – zu Recht, entschieden die Richter.

Sie sahen durch die umfassende Preisgabe von Daten das Recht auf informationelle Selbstbestimmung verletzt. Denn die Auskünfte zu Gesundheit, Fehlzeiten im Job und Behandlungsdaten seien so allgemein gehalten, dass auch viele Informationen abgefragt würden, die für den Versicherungsfall bedeutungslos seien.

Speicherung von Daten zum Lebensstil

Umstritten sind deshalb auch die Pläne von Versicherungen, Daten ihrer Kunden zu Fitness, Ernährung und Lebensstil elektronisch zu erfassen und auszuwerten. Der Anbieter Generali hatte im vergangenen Jahr als erster entsprechende Ideen vorgestellt.

Verbraucher- und Datenschützer laufen dagegen Sturm: "Wenn Versicherte individuelle Informationen preisgeben müssen, um rabattierte Angebote zu erhalten, sehe ich das sehr kritisch", sagte Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg 2014 der Zeit. "Der Kunde weiß ja gar nicht, wie seine Daten im Konzern verarbeitet werden, und wer Zugriff darauf hat", gab der Verbraucherschützer zu bedenken.

Sicher ist: Die Versicherung darf Daten von Kunden nicht ohne weiteres an Dritte weitergeben. Im konkreten Fall hatte eine Kfz-Versicherung ein Unfallgutachten zur Überprüfung an die Dekra weitergegeben ohne dabei die personenbezogenen Daten der Geschädigten zu schwärzen. Damit lag ein Verstoß gegen den Datenschutz vor, entschied das Amtsgericht Bremen (Az.: 18 C 0156/12) .

Niemals auf eigene Faust handeln - Experte hinzuziehen

Wer sich nun im Dschungel zwischen Datenerfassung und Gesundheitsfragebogen nicht mehr auskennt, sollte immer einen Experten hinzuziehen und niemals auf eigene Faust eine Versicherung abschließen. Denn welche Feinheiten möglich sind und auf welche Klauseln besonders zu achten ist, kann nur ein Experte einschätzen.

Außerdem kommt es im Ernstfall häufig auf die genaue Formulierung der Antworten an: Droht beispielsweise Berufsunfähigkeit prüfen die Versicherungen jede Antwort des Kunden genau nach. Sollte sich herausstellen, dass eine Krankheit trotz Nachfrage nicht angegeben wurde, kann die Zahlung verweigert werden.

Versicherung darf Kunden ablehnen

Bei Vorerkrankungen oder besonderen Risiken können Kunden auch abgelehnt werden. Oft erheben die Versicherer jedoch einen Risikozuschlag. Dieser wird dann gezielt auf den jeweiligen Tarif erhoben, in dem das Risiko angesiedelt ist. Außerdem kann es sein, dass bestimmte Erkrankungen vom Leistungsfall ausgeschlossen werden.

Um solchen "Fallen" aus dem Weg zu gehen, sollte deshalb beim Abschluss von Versicherungen niemals kurzentschlossen gehandelt, und die Auswahl der jeweiligen Versicherung immer mit Hilfe eines Beraters abgestimmt werden. end/dpa