Vertragsabschluss Berufsunfähigkeit: Wissen, worauf es bei der Versicherung ankommt

Von der Vertragsdauer bis zum Kleingedruckten: Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen will, hat die Auswahl zwischen vielen Anbietern und Angeboten. Ein paar Tipps, was bei der Wahl des Versicherers eine Rolle spielen sollte.

Der Blick ins Kleingdruckte lohnt sich: Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, sollte einige Dinge beachten. - © Foto: Dron/Fotolia

Die Berufsunfähigkeitsversicherung gilt als eine der wichtigsten Versicherungen in Deutschland. Wer sie abschließt, hat die Auswahl zwischen zahlreichen Anbietern. Doch was ist bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig? Eine Frage, die sich kurz vor Beginn des Ausbildungsjahres wohl auch viele Berufseinsteiger stellen.

Der günstige Beitragssatz sollte nicht alleine ausschlaggebend für die Wahl der Versicherungsgesellschaft sein. Auch die Leistungs- und Vertragsbedingungen sollten bei der Entscheidung eine Rolle spielen. Wichtige Schlagwörter bei der Berufsunfähigkeitsversicherung sind  neben der Auszahlung "abstrakte Verweisung" und der Prognosezeitraum.

Auf Flexibilität achten

Die Rente: Entscheidend für die Qualität des Versicherungsschutzes ist unter anderem die Höhe der Rente, die im Vertrag vereinbart wird. Verbraucher sollten einen Betrag wählen, der möglichst nah an das aktuelle Nettoeinkommen heranreicht. Als Faustregel gilt: Wird man berufsunfähig, sollten mindestens 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens zur Verfügung stehen.

Gleichzeitig sollte mit einer Nachversicherungsgarantie oder Dynamik die Möglichkeit bestehen, die Rente an das steigende Lohnniveau anzupassen. Ebenfalls ein wichtiger Punkt sind die sogenannten Karenzzeiten. Der Vertrag sollte die Zahlung der Rente sofort bei Eintritt der Berufsunfähigkeit vorsehen – und nicht erst nach Ablauf einer Karenzzeit von sechs, zwölf, 18 oder 24 Monaten. Denn sonst droht eine finanzielle Lücke, die oft nur schwer zu füllen ist.

Zahlungen ab Sechs-Monats-Prognose

Die Vertragsdauer: Im Ernstfall geht eine Berufsunfähigkeitsrente nahtlos in die gesetzliche Altersrente über, damit keine einkommenslose Zeit zu überbrücken ist. Zumindest bis zum 60. Lebensjahr sollte der Schutz jedoch immer laufen – wer jetzt erst in den Beruf startet, sollte auf eine längere Vertragsdauer achten. Immer mehr Versicherer haben sich inzwischen an das steigende Renteneintrittsalter angepasst und bieten den Schutz bis zum Alter von 67 Jahren an.

Der Prognosezeitraum: In älteren Versicherungsbedingungen wurde dann von einer Berufsunfähigkeit ausgegangen, wenn der Arzt eine Berufsunfähigkeit bescheinigen konnte, die voraussichtlich bleibend war – und damit mindestens drei Jahre andauern sollte. Neuere und vorteilhaftere Versicherungsbedingungen sehen vor, dass die Rente schon bei einer Sechs-Monats-Prognose gezahlt wird.

Möglichst lange Meldefristen

Die Verweisungsmöglichkeiten: Die Qualität des Versicherungsschutzes hängt entscheidend auch vom Kleingedruckten ab, das dem Vertrag zugrunde liegt. Dabei gibt es einige Klauseln, die besonders wichtig sind. Das beste Beispiel ist die abstrakte Verweisung. Sie ist für Versicherer eine ganz einfache Möglichkeit, sich aus der Verpflichtung zur Rentenzahlung zu lösen, indem sie den Versicherungsnehmer schlicht auf einen anderen theoretisch möglichen Beruf verweisen kann. Deshalb ist es am besten, wenn im Vertrag auf die abstrakte Verweisung ganz verzichtet wird.

Die Meldefristen: Oft geht der tatsächlichen Invalidität ein langer Krankheitsprozess voraus, bevor ein Gedanke an die dauernde Berufsunfähigkeit verschwendet wird. Und für diesen Fall sind lange Meldefristen von Vorteil, die auch eine rückwirkende Zahlung erlauben – von dem Moment an, in dem bereits Berufsunfähigkeit vorlag, ohne dass der Betroffene bereits davon wusste. Ohne solche rückwirkenden Meldefristen zahlt die Versicherung erst ab dem Moment, in dem die Berufsunfähigkeit gemeldet wurde – und es geht im Falle eines Falles viel Geld verloren, weil die Rente nicht nachgezahlt wird.

Gefährliche Hobbys kosten mehr

Der Beruf: Die Höhe der Prämie hängt nicht nur von der Rentenhöhe und der Vertragslaufzeit ab. Ein wichtiger Faktor ist der Beruf. Stressige und gefährliche Berufe erhöhen das Risiko einer Berufsunfähigkeit. Als geringes Risiko für eine mögliche Berufsunfähigkeit werden dabei vor allem Hochqualifizierte und Akademiker eingestuft, am Ende der Liste stehen neben Angestellten und Selbstständigen mit hoher körperlicher Belastung auch viele Handwerker, bei denen körperliche Arbeit an der Tagesordnung ist.

Besondere Risikofaktoren: Bei gefährlichen Hobbys sind oft Zuschläge für die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit erforderlich. Als gefährlich stufen die Versicherungen dabei auch schon Radrennen, Wellenreiten und Eishockey ein und verlangen 50 Prozent mehr Prämie. Skispringer und Boxer zahlen sogar 100 Prozent mehr für die mögliche Rente bei Berufsunfähigkeit. Kaum gegen Berufsunfähigkeit versicherbar sind Motocross-Fahrer und Rennrodler.

Rücktrittsrecht: Die Versicherung sollte ihr Rücktrittsrecht wegen versehentlich falscher Angaben durch den Kunden auf maximal fünf Jahre begrenzen.

Was sonst noch zu beachten ist

Möglichst früh versichern: Die Höhe der Prämien steigt mit den Lebensjahren stark an, daher ist es ratsam, die Berufsunfähigkeitsversicherung möglichst früh abzuschließen. In vielen Fällen ist es möglich, die Beitragssätze später dem gestiegenen Einkommen anzupassen. 

Nicht mit anderen Versicherungen kombinieren: Manche Versicherungsvermittler bieten die Berufsunfähigkeitsversicherung in Kombination mit anderen Vorsorgeprodukten beispielsweise einer Lebens- oder Rentenversicherung an. Davon raten Verbraucherberatungsstellen jedoch ab.

Alle Vorerkrankungen angeben: Falsche oder unvollständige Angaben sind einer der Hauptgründe für Streit mit der Versicherung. Hat man ihnen bewusst Informationen vorenthalten, kann es im Fall der Fälle problematisch werden. Im Zweifel sollten man sich Rat bei seinem Arzt einholen.

Bezugspunkt für eine Anerkennung:Nicht der gelernte, sondern der zuletzt ausgeübte Beruf ist dafür ausschlaggebend, ob die Versicherung eine Berufsunfähigkeit anerkennt. dhz/dpa